Landschule.
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theilung selbst unterrichten kann. Wollte er aber die anderen durch Monitoren beschäf-tigen oder in schriftlichen Ausarbeitungen sich üben lassen, so ist im ersteren Falle,wenn in mehreren Abthcilungen laut gesprochen wird, die Störung zu groß, und imandern Falle dürfte es häufig an angemessenem Uebuugsstoff, besonders bei den jüngerenSchülern, fehlen, auch die Zeit zur Durchsicht und Correctnr des Geschriebenen nichtausreichen. Wenn aber die Schüler in zwei Hälften getheilt die Schule besuchen unddabei täglich eine bis zwei Stunden Weiter Schule gehalten wird, kommt auf den ein-zelnen Schüler mehr des unmittelbaren Unterrichts, der Störung ist viel weniger, darumauch die Anstrengung des Lehrers zum mindesten nicht größer, und da doch auch dieHälfte der Schüler in manchen Unterrichtsfächern in zwei Abtheilungen getrennt werdenmuß, ist noch Gelegenheit genug zur übenden Selbstbeschäftigung vorhanden. Dieseaber gehört auch ausschließlich in die Schule, weil die Kinder des Landvolks für Aus-arbeitung von Hausaufgaben, das Auswendiglernen ausgenommen, meistens weder Zeitnoch Gelegenheit haben.
Die Unterrichtsfächer der Landschule sind im wesentlichen dieselben, wie in derstädtischen Volksschule: Religion, Realien, Lesen, Schreiben (und zwar Schönschreiben,Nechtschreiben und Aufsatzschreibcn), Rechnen, Singen. Die Religion ist in ihr daSwichtigste und umfangreichste stoffliche Fach; doch auch der Unterricht in dem andernstofflichen Pensum, den Realien (Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie und Geschichte)kann in Wer Landschule nicht mehr entbehrt werden, sowohl um der allgemein mensch-lichen Bildung, als auch um der Vorbereitung willen auf den künftigen Lebcnsberuf.Auch Goltzsch, der in seinem „Einrichtungs- und Lehrplan für Dorfschulen" in Ueber-cinstimmung mit den preußischen Regulativen den Unterricht so viel als möglich zuvereinfachen sich bestrebt, stimmt darin doch mit allen anderen pädagogischen Schrift-stellern überein, daß er schon bei den jüngeren Schülern in dem „verbundenen Sach-und Sprachunterricht" den Anfang in dem Nealunterricht machen läßt und sodann fürdie Oberclasse die „Weltkunde" als besonderes Unterrichtsfach aufstellt. Hiezu dientjetzt gewöhnlich das Lesebuch als Hülfsmittel, das auch in der Landschule nimmer fehlen,sondern in den Händen aller vorgerückteren Schüler sein sollte. Ob auch im ZeichnenUnterricht ertheilt und ob die Handarbeit unter die Schulpeusen obligatorisch ausge-nommen werden soll, darüber mag man, wie schon geschehen ist, viel hin und wiederreden; am Ende geben doch immer die örtlichen Verhältnisse die letzte Entscheidung.Denn sowohl bei der Wahl der Unterrichtsgegenstände als bei der Behandlung derselbenist unabweislich immer ans die häuslichen Verhältnisse und auf den voraussichtlichenLebensberuf der Schüler gebührende Rücksicht zu nehmen.
Wie in den Städten ist es nicht minder auf dem Lande wünschenswert!), daß nebender Volksschule sowohl eine Anstalt zu Beaufsichtigung und Erziehung der noch nichtschulpflichtigen Kinder, als eine Fortbildungsschule für die aus der Volksschule Ent-lassenen bestehe. Die erstere ist Bedürfnis, weil die Eltern besonders des Sommersviel in Feld und Wald oder in Fabriken rc. sich beschäftigen, wohin die Kleinen sienicht begleiten können; die letztere kann nicht entbehrt werden, wo die Landwirthschastund das ländliche Gewerbe entsprechend den Forderungen einer mächtig fortschreitendenZeit gehoben werden soll (Beneke, Erz. u. Unterr. B. II. S. 570. Denzel Einl. indie Erz. u. Unterr.-Lehre II. S. 24).
Die Schulzucht hat in der Landschule keinen andern Zweck und Charakter als inder Stadtschule und es läßt sich kein allgemeines llrtheil fällen, ob sie in jener mehroder weniger Schwierigkeiten habe, als in dieser. Wenn man manchmal auf dem Landemehr mit der Uncultur und der damit zusammenhängenden Unart und Unsitte zukämpfen hat, so giebt cs da auf der andern Seite auch Volksschüler, welche unter derZucht der Eltern und der ganzen Gemeinde gehalten viel lenksamer und für gute Ein-drücke empfänglicher sind als die von der Kultur beleckten, aber auch in vielen bösenStreichen erfahrenen und geübten frechen Buben in der Stadt. Jedenfalls hat der