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Kunst.
der Erzieher nicht gerade beabsichtigt, sondern es wurden andere Zwecke verfolgt, nebenwelchen es der Kunst überlasten blieb, ihren Einfluß als solche durch sich selbst aufempfängliche Gemüther unmittelbar geltend zu machen. Es ist merkwürdig, daß dieans das Gesammtgebiet der Pädagogik sich richtende Reflexion der an sich höchst nn-poetischen pädagogischen Neuerer aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts dochauch der Erkenntnis sich nicht verschließen konnte, daß der Poesie eine Stelle im Un-terrichte gebühre, wenn sie auch von der dürren Verständigkeit dieser Pädagogen sofortzu einer Dienerin der Moral erniedrigt wurde. Die aus dieser Richtung hcrvorge-gangenen „Lehren der Weisheit und Tugend" (1- Anfl., Leipzig 1792; 23. Anfl.,Leipzig 1858) des Hessen-Darmstüdtischen Kirchcnraths Wagner können als die erste fürSchulzwecke verfaßte Gedichtsammlung eine epochemachende Stellung in der Geschichteder pädagogischen Verwerthnng der Poesie beanspruchen. Es tritt aber in diesem Bucheauch die ganze Einseitigkeit der angegebenen Auffassung ans eine sehr charakteristischeWeise hervor. Das Ganze ist nach den verschiedenen Tugenden und den entgegen-stehenden Untugenden eingetheilt und unter diese Rubriken sind dann die bezüglichen Ge-dichte zusammengestellt, ganz wie die Lieder des exemplarisch schlechten Darmstädtcr Ge-sangbuchs, bei dessen Nedaction der Verfasser der „Lehren der Weisheit und Tugend"ebenfalls nicht nnbetheiligt war, und wo gelegentlich auch für einen Paragraphen derMoral, Welchen die altkirchliche Liedcrdichtnng zu bedenken unterlassen hatte, z. B. „daSchristliche Verhalten gegen die Bäume" ein Lied eigens verfaßt worden ist. Wiederumist es charakteristisch für den seither erfolgten Umschwung zum Besseren, daß jenes Buchneuerdings unter den Händen des um die deutsche Literatur vielfach verdienten Sohnesdes Verfassers eine ganz andere Gestalt hat annehmen müßen, nm sich noch im Eursezu halten. Der Poesie ist jetzt gestattet worden, als Kunst zu wirken, was freilichauch in so vollem Maße erst möglich geworden ist nach dem Erscheinen der Götheschen,Schillerschen, Uhlandschen n. a. Balladen und nach dem Aufschwünge, den das vater-ländische Lied seit der Zeit der Befreiungskriege genommen hat. Auch für das zartereKindesalter ist unterdessen gesorgt worden durch sinnige und ansprechende Fabeln, inWelchen das Lehrhafte nicht in so plumper Absichtlichkeit, wie in den früheren, hcrvor-tritt, durch geistliche und weltliche Liedchen und durch den, namentlich durch die BrüderGrimm zu Tage geförderten, reichen Schatz des Volksmärchens. Das Märchen istder dem freien Spieltriebe der kindlichen Phantasie entsprechende Stoff, und wie cs ansder unbefangenen und absichtslosen Freude an der Verbindung des Sinnlichen undllebersinnlichcn hervorgegangen ist, so nährt es auch in dem kindlichen Geiste die Fähig-keit zur Unterhaltung dieser Verbindung; man müßte selbst unfähig sein, die dichterischeWahrheit von der prosaischen Wirklichkeit zu unterscheiden, wenn man von der Freudedes Kindes am Märchen eine Beeinträchtigung seines Wahrheitssinnes befürchtenwollte, eine Gefahr, die hier in der That ebensowenig vorhanden ist, als dort, wo, wieJean Paul in der Lewana erzählt, das kleine Mädchen den Stiefelknecht des Vatersals Kind adoptirtc und putzte und dafür ansgab (vgl. d. Art. Märchen). Bedenklicherdürfte es sein, daß unsere neuen Kinderlieder nicht selten aus dem wirtlich Kindlichenin das Kindische hinübertändeln. Dadurch wird die Mahnung nahegelegt, so vielwie möglich an eigentlich Klassisches sich zu halten, wovon ja die oben genannten undihnen verwandten Dichter selbst für das kindliche Alter reichen Stoff darbicten, welcherzugleich der nicht genug zu beherzigenden Forderung Dahlmanns gerecht wird, „eingutes Kinderbuch müße, statt den Kindern nachznkriechcn, neben dem Verständlicheneinen stachelnden Zusatz von noch nicht verständlichen Dingen enthalten." In Bezugauf umfangreichere Dichtungen, wie sie der reiferen Jugend darznbieten sind, nur na-mentlich die Summe poetischer Bekanntschaften zu bilden, ohne welche kein Zögling dasGymnasium verlassen sollte, haben wir dem, was K. v. Raumer (K. von Raumer,Gesch. der Pädag. III. 2, S. 127) und Heiland (in dem Art. „Deutsche Sprache"in dieser Encykl. I. S. 916 ff.) gesagt haben, nichts wesentliches znznsetzen. Nur für