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Kirche.
dazu berechtigt ist, doch in Wahrheit der volle, freie Anschluß an die Kirche durchskirchliche Bekenntnis erst das Resultat jener — wenn man will: subjectiven — Chri-stianisirung ist.
II. Kehren wir zu unserem Hauptsatze zurück, daß die Kirche wesentlich als eineGeineinschaft von Menschen, als Verein, gefaßt werden muß, so führt uns dies einerseits auf ihre Nothwendigkeit zurück, andererseits werden wir von diesem Punct ausauch auf die Unterscheidung der Kirche als eines einheitlichen und unvergänglichen Ganzenvon der bloßen Summirnng einer Menge einzelner, wechselnder Individuen geleitet. —Die Nothwendigkeit, daß eine Kirche als Erscheinungsform des Christenthums in dieserWelt, als historische Potenz existirt, daß das christliche Leben einen ihm eigenthümlichangehörigen Menschenverein stiftet, ist sowohl eine innere als eine äußere; d. h. da iniChristenthnm der treibende Hauptfactor die Liebe ist, so fühlen sich alle Gläubigen zumAnschlüsse aneinander getrieben; die Liebe duldet keine Jsolirung, einer will und muß— das ist psychologische Nothwendigkeit — dem andern das mittheilen, wovon ihmdas Herz voll ist, und einer bedarf vom andern Trost, Rath, überhaupt manchfachegeistliche Handreichung. Wenn also der Geist Christi eine gemeinschaftbildende Wirkungausübt und dadurch der Stifter der Kirche wird, so schließt er sich damit an einennatürlich-menschlichen Trieb an; cs bedarf außer dem Gebot der Liebe nichts weiteres,keine statutarische Verordnung; es bedarf nur einer göttlichen Kraft, um der Liebe Luftzu machen, um sie so zu reinigen und zu stärken, daß sie fähig ist, einen dauerndenBund zwischen den von Natur so wankelmüthigen, egoistischen Menschen zu stiften.Die äußere Nothwendigkeit aber liegt darin, daß ein Lebensprincip, wie das christliche,sich nicht als Ansicht einzelner oder höchstens als Tradition einer Familie, einer Schuleforterben und erhalten kann, sondern daß ihm eine freie, aber umfassende Gemeinschaftzur irdischen Heimat dienen muß. Es soll und will die Welt nmgestalten, deshalbmuß es festen Fuß in der Welt selber fassen, muß in ihr eine historische Gestalt ge-winnen; das kann nur sein in derjenigen Form, die wir Kirche nennen. In wiefernhiebei Universalität und Nationalität in Frage kommen, wird unter Ziff. III. beleuchtetwerden. — Bleibt es uns nun bei alle dem feststehen, daß die Kirche wesentlich eineLonArsAatio ist und durch das Sichzusammenthun einer Mehrheit von Menschen ent-steht, so ist sie doch nicht die bloße Summe dieser sich sammelnden Menschen, so daßauch ihr geistiger Besitz nur gleichsam die Summe wäre, die ans der Addition desGlaubens, der Erkenntnis rc. aller einzelnen sich ergäbe. Wir unterscheiden sie alsGanzes von der Summe des Einzelnen; sie ist — nach einer uns auch in andern Ver-hältnissen ganz geläufigen Anschauung — „moralische Person", d. h. sie wird als einefür sich bestehende, handlungsfähige, mit Rechten und Pflichten ausgestattete ethischePotenz angesehen, die, ob sie gleich realiter nur in der Vielheit der ihr zugehörigenPersonen existirt, doch im Geiste als etwas über den Personen schwebendes, von ihnenund ihrer zufälligen Qualität unabhängiges angeschaut wird. Dian kann dies diemystische Seite der Kirche nennen, nach welcher sie eben Gegenstand des Glaubens,nicht schon des Schaums, und in sofern eine unsichtbare ist. Wir sagen z. B. vonder Kirche: sie bete an, sie segne, sie singe — wer ists denn eigentlich, der dies that-sächlich vollbringt? Die Klerikalen antworten: die Klerisei thue das; wir aber sagen:die Gemeinde thuts, sie thuts durch den Mund ihrer Liturgen, ihrer Dichter, oder auchin eigener Person ln oorpora (z- Ä. im Gemeindegesang). Wohl; aber wenn z. B.gebetet wird: „Allmächtiger Gott, wir sind hier gegenwärtig vor dir, zu hören alles,was uns in deinem Namen gesagt werden soll" — sind denn wirklich alle Individuen,ans welchen die Gemeinde örtlich zusammengesetzt ist, geschweige denn alle, die inihren Listen als Getaufte eingetragen stehen, wirklich bereit, alles zu hören, was Gott.ihnen sagen will? Oder wenn die Kirche singt: „Liebe, dir ergeb ich mich, dein zubleiben ewiglich": ist das wirklich die ernstliche, aufrichtige Willensmeinung aller?Steht nicht das, was die Kirche singend, betend, predigend bekennt, oft so hoch,