218 Die Reichstagssession von 1888—86.
Diskussion seine Ansicht zu vertreten. Man müsse das, wie so vieles,einem so großen und um Deutschland so verdienten Manne Nach-sehen ; aber alles habe zuletzt seine Grenze. Des weiteren berührteder Redner auch noch den Aufstand, der in Samoa gegen dieDeutschen stattgefunden, und wünschte ein Weißbuch über- diedortigen Ereignisse vorgelegt zu erhalten. Fürst Bismarck be-zahlte diese Rede mit einer ebenso ironischen Antwort:
Der Herr Abgeordnete Richter hat sich über meineErregtheit gewundert und hat sie mit anderweitigenVorgängen in Verbindung gebracht — mir sind solchenicht bekannt —, die mich hätten aufregen können. Aberich kann dem Herrn Abgeordneten versichern, daß dieseVerwunderung eine vollkommen gegenseitige ist. Ichhabe mich über die Erregtheit des Herrn AbgeordnetenRichter noch viel mehr gewundert und, ich glaube, mitviel mehr Grund; denn wenn wir unsere beiderseitigenBeschäftigungen vergleichen: der Herr Abgeordnete Richterhat nichts weiter auf der Welt zu thun, als die Kritikan der Regierung und meiner Person; mir liegen eineganze Menge verantwortlicher Geschäfte in meinem vier-undsiebzigsten Jahre seit 26 Jahren ob, die mich wohlaufregen können, um so gewissenhafter ich sie betreibe,und um so mehr mir an einem für das Land und fürmeinen Kaiser günstigen Ausfall dieser Geschäfte liegt.Der Herr Abgeordnete Richter ist niemand verantwort-lich; ich begreife nicht, warum er sich so aufregt übereine Vermehrung der Polizeimacht in Südwestafrika.Ist das wirklich der Grund für einen so berühmtenMann, großen Redner und Selbstherrscher der demo-kratischen Partei, sich in eine solche Aufregung zu bringen,daß er sagt, und das mit einer Tonart, die das Maßder inneren Erregung noch mehr bekundet als die Worte,in denen er sich ausdrückt: wenn das Parlament das