200 Die Reichstagssession von 1888—89.
ich kann mir nicht denken, daß der Herr Abgeordnetesympathisieren sollte mit dem Aufhetzen alles Ausländischengegen das Deutsche Reich und gegen unser deutschesVaterland, wie wir es heutzutage in der Presse, die sonstihn zu unterstützen pflegt, in der fortschrittlichen und frei-sinnigen Presse, nach allen Seiten hin zu spüren haben.Wo man irgend etwas ausfindig machen kann, einenStein, den man in den Garten des Reichs werfen kann,wo man irgend einen fremden Intriganten oder Reichs-feind bemerkt, den man unterstützen kann, da greift manmit beiden Händen zu (Beifall rechts) und ist begeistert,wenn mau einen Vorwurf findet, den: eigenen Vater-lande irgendwie Unannehmlichkeiten und Verlegenheitenzu bereiten. (Sehr wahr!) Von dieser Tendenz sprecheich den Herrn Abgeordneten ja ganz frei, denn sonsthätte er ja das Mandat zum Reichstag nicht ange-nommen; und nur um zwischen ihm und dieser reichs-feindlichen vaterlandslosen Presse eine breite Scheidewandzu ziehen, habe ich in diesem Sinne das Wort ergriffen.(Bravo!)
Nachdem hierauf der Abgeordnete Wo ermann die vonRichter aufgestellten Behauptungen als auf Unkenntnis der thnt-siichlichen Verhältnisse beruhend bestritten hatte, kam der letztere inneuer Erwiderung auch auf die Aeußerungen des Reichskanzlerszurück. Er begrüßte dessen Ansichten über die Schwierigkeiteneiner Abstellung der Sklaverei in Kamerun, um daraus sofort eineWaffe gegen die künftige ostafrikanische Vorlage zu schmieden. Dannverteidigte er die Presse seiner Partei gegen den Angriff des FürstenBismarck; die Freisinnigen seien stolz darauf, daß es noch einefreie und unabhängige Presse in Deutschland gebe, die sich nichtscheue, auch dem mächtigsten Mann in Europa die Wahrheit zusagen; dagegen habe die offiziöse Presse sich die Mißachtung alleranständigen Leute im In- und Auslande erworben. Fürst Bis-marck replizierte: