106 Die Neichstagssession von 1887—88.
eines Vertrags kleben, sie ist schließlich genötigt, ganzoffen zu erklären: die Zeiten haben sich geändert, ich kanndas nicht mehr, — und muß das vor ihrem Volke undvor dem Vertrag schließenden Teile nach Möglichkeitrechtfertigen. Aber das eigene Volk ins Verderben zuführen an dem Buchstaben eines unter anderen Umständenunterschriebenen Vertrags, das wird keine Großmachtgutheißen. Das liegt aber in diesen Verträgen in keinerWeise drin. Sie sind eben — nicht nur der Vertrag,den wir mit Oesterreich geschlossen haben, sondern ähn-liche Verträge, die zwischen uns und anderen Regie-rungen bestehen (hört, hört! rechts), namentlich Verab-redungen, die wir mit Italien haben, — sie find nurder Ausdruck der Gemeinschaft in den Bestrebungen undin den Gefahren, die die Mächte zu laufen haben.Italien sowohl wie wir sind in der Lage gewesen, dasRecht, uns national zu konsolidieren, von Oesterreich zuerkämpfen. Beide leben jetzt mit Oesterreich in Friedenund haben mit Oesterreich das gleiche Bestreben, Ge-fahren, die sie gemeinsam bedrohen, abzuwehren, denFrieden, der dem einen so teuer ist wie dem anderen,gemeinsam zu schützen, die innere Entwickelung, der siesich widmen wollen, vor Angriffen geschützt zu sehen.Dieses Bestreben und dabei auch das gegenseitige Ver-trauen, daß man die Verträge hält, und daß durch dieVerträge keiner von dem anderen abhängiger wird, alsseine eigenen Interessen es vertragen, — das alles machtdiese Verträge fest, haltbar und dauerhaft. (Bravo!)
Wie sehr unser Vertrag mit Oesterreich der Aus-druck des beiderseitigen Interesses ist, das hat sich schonin Nikolsburg und hat sich 1870 gezeigt. Schon beiden Verhandlungen in Nikolsburg waren wir unter dem