j Deutschland und Oesterreich einander unentbehrlich. 107
Eindruck, daß wir Oesterreich — und ein starkes, auf-rechtes Oesterreich — auf die Dauer doch nicht missen^ könnten in Europa. 1870, als der Krieg zwischen unsmit Frankreich ausbrach, war ja die Versuchung fürmanches verletzte Gefühl in Oesterreich außerordentlichnaheliegend, diese Gelegenheit zu benutzen, um dem Feindvon 1866 gegenüber Revanche zu üben; aber die be-sonnene und voraussichtige Politik des österreichischenKabinetts mußte sich fragen: was ist dann die Folge?in welche Stellung geraten wir, wenn wir jetzt denFranzosen beistehen, um Preußen, respektive Deutschlandzu besiegen? Was wäre dann' die Folge gewesen, wennFrankreich mit Hilfe Oesterreichs über uns gesiegt hätte?Oesterreich hätte bei einer solchen Politik doch kaum einenanderen Zweck haben können, als wiederum seine frühereStellung in Deutschland einzunehmen, denn das wareigentlich das Einzige, was es im Jahre 1866 aufge-geben hat; andere Bedingungen waren nicht, die peku-niären Bedingungen waren ganz unbedeutend. Nun, wiewäre die Lage Oesterreichs in dem deutschen Bunde alsPräsidialmacht gewesen, wenn es sich sagen mußte, daßes Deutschland das linke Rheinufer im Bunde mit Frank-reich genommen, daß es die süddeutschen Staaten wiederumin eine Nheinbundsabhängigkeit von Frankreich gebracht,! und daß es Preußen unwiderruflich zur Anlehnung an
^ Rußland und zur Abhängigkeit von Rußlands künftiger
! Politik verurteilt hätte? Eine solche Stellung war für
j österreichische Politiker, die nicht vollständig von Zorn
s und Rache verblendet waren, unannehmbar.
« Dasselbe ist aber auch bei uns in Deutschland der
! Fall. Denken Sie sich Oesterreich von der Bildfläche
l Europas weg, so sind wir zwischen Rußland und Frank-