Ursprung des deutsch-österreichischen Vertrages. 165
unseren Willen und gegen unser Bestreben mit Rußlandin Streit zu geraten. Dieser Streit über Instruktionen,die wir an unsere Bevollmächtigten in den Verhandlungenim Süden gegeben oder nicht gegeben hatten, steigertesich bis zu Drohungen, bis zu vollständigen Kriegsdro-hungen von der kompetentesten Seite.
Das ist der Ursprung unseres österreichischen Ver-trages. Durch diese Drohungen wurden wir gezwungen,zu der von mir seit Jahrzehnten vermiedenen Optionzwischen unseren beiden bisherigen Freunden zu schreiten.Ich habe damals den Vertrag, der vorgestern publiziertworden ist, in Gastein und Wien verhandelt, und er giltnoch heute zwischen uns.
Die Publikation ist in den Zeitungen zum Teil, wieich gestern und vorgestern gelesen habe, irrtümlich auf-gefaßt worden; man hat in derselben ein Ultimatum,eine Warnung, eine Drohung finden wollen. Das konnteumsoweniger darin liegen, als der Text des Vertragsdem russischen Kabinett seit langem bekannt war, nichterst seit dein November vorigen Jahres. Wir haben esder Aufrichtigkeit einem loyalen Monarchen gegenüber,wie der Kaiser von Rußland es ist, entsprechend ge-funden, schon früher keinen Zweifel darüber zu lassen,wie die Sachen liegen. Ich halte es auch nicht für mög-lich, diesen Vertrag nicht geschlossen zu haben; wennwir ihn nicht geschlossen hätten, so müßten wir ihn heuteschließen. Er hat eben die vornehmste Eigenschaft einesinternationalen Vertrags, nämlich er ist der Ausdruckbeiderseitiger dauernder Interessen, sowohl auf öster-reichischer Seite wie auf der unsrigen. (Bravo!) KeineGroßmacht kann auf die Dauer in Widerspruch mit denInteressen ihres eigenen Volkes an dem Wortlaut irgend