164 Die Neichstagssession von 1887—88.
in der Nacht an dessen Krankenbett erschienen und habein den Momenten, wo der Kongreß dem Bruch nahe-stand, dessen Zustimmung im Bett erreicht; — kurz, ichhabe mich auf dem Kongreß so verhalten, daß ich dachte,nachdem er zu Ende mar: nun, den höchsten russischenOrden in Brillanten besitze ich längst, sonst müßte ichden jetzt bekommen. (Heiterkeit.) Kurz, ich habe dasGefühl gehabt, ein Verdienst für eine fremde Macht mirerworben zu haben, wie es selten einem fremden Ministervergönnt gewesen ist.
Welches mußte also meine Neberraschung und meineEnttäuschung sein, wie allmählich eine Art von Preß-kampagne in Petersburg anfing, durch welche die deutschePolitik angegriffen, ich persönlich in meinen Absichtenverdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich währenddes darauffolgenden Jahres bis 1879 zu starken Forde-rungen eines Druckes, den wir auf Oesterreich üben solltenin Sachen, wo wir das österreichische Recht nicht ohneweiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Handnicht bieten; denn wenn wir uns Oesterreich entfremdeten,so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wolltenin Europa, notwendig in Abhängigkeit von Rußland.Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ichhatte früher geglaubt, sie könnte es sein, indem ich niirsagte: wir haben gar keine streitigen Interessen; es istgar kein Grund, warum Rußland je die Freundschaftuns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen rus-sischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten,nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs desKongresses enttäuschte mich, der sagte mir, daß selbst einvollständiges Jndienststellen unserer Politik (für gewisseZeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen