142 Die Reichstagssession von 1887—88.
oder weniger in die Parteipolitik verrannten höherenBeamten, der diesem russischen Blatt gerade seineProtektion widmet; — beide wiegen federleicht gegen dieAutorität Seiner Majestät des Kaisers von Rußland.
In Rußland hat die Presse nicht denselben Einflußwie in Frankreich auf die öffentliche Meinung; es isthöchstens der Barometer dafür, was nach Lage derrussischen Preßgesetze zugelassen wird, aber ohne dierussische Regierung und Seine Majestät den Kaiser vonRußland irgendwie zu engagieren. Gegenüber den Stimmender russischen Presse habe ich das unmittelbare Zeugnisdes Kaisers Alexander selbst, nachdem ich seit mehrerenJahren vor einigen Monaten wieder die Ehre gehabthabe, von dem Zaren in Audienz empfangen zu werden.Ich habe mich auch da wiederum überzeugt, daß derKaiser von Rußland keine kriegerischen Tendenzen gegenuns hegt, keine Absicht hat, uns anzugreifen, überhauptAngriffskriege zu führen. Der russischen Presse glaubeich nicht; den Worten des Kaisers Alexander glaube ichund vertraue ich absolut. Wenn beide mir gegenüberauf der Wage liegen, so schnellt das Zeugnis der russischenPresse mit ihrem Haß gegen Deutschland federleicht indie Höhe, und das Zeugnis des Kaisers Alexander per-sönlich hat das durchschlagende Gewicht für mich. Ichsage also: die Presse veranlaßt mich nicht, unsere Be-ziehungen zu Rußland heute schlechter aufzufassen als voreinem Jahre.
Ich komme zu der anderen Frage, der Frage derTruppenaufstellungen. Sie haben früher in ausgedehn-tem Maße stattgefunden, sie sind in der jetzigen bedroh-lich erscheinenden Form namentlich seit 1879, nach Be-endigung des türkischen Krieges, aufgetreten. Es hat