Druckschrift 
16 (1891) Die letzten Zeiten im Amt : 1887 - 1889
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140

Die Reichstagssession von 188788.

neuen Staatsoberhauptes nicht in die Pandorabüchsegegriffen hat, sondern daß wir darauf rechnen können,daß die friedliche Politik, als deren Vertreter der Prä-sident Grevp galt, von dem Präsidenten Carnot fort-gesetzt werden wird. Wir haben außerdem in dem fran-zösischen Ministerium Aenderungen, deren beruhigendeBedeutung noch stärker ist als die des Präsidentenwechsels,der mit anderen Gründen zusammenhängt. Solche Mit-glieder des Ministeriums, die geneigt sein könnten, denFrieden ihres Landes und den Frieden Europas ihrenpersönlichen Plänen unterzuordnen, sind ansgeschieden,und andere, denen gegenüber wir diese Befürchtung nichthaben, sind eingetreten. Ich glaube also konstatieren zukönnen und thue es gern, weil ich wünsche, die öffent-liche Meinung nicht aufzuregen, sondern zu beruhigen,daß die Aspekten nach Frankreich hin friedlicher, vielweniger explosiv aussehen als vor einem Jahre.

Die Befürchtungen, die im Laufe dieses Jahres auf-getaucht sind, haben sich auch viel mehr an Rußlandgeknüpft als an Frankreich, oder, ich kann sagen, an denAustausch von gegenseitigen Aufregungen, Drohungen,Beschimpfungen und Herausforderungen, welche zwischender russischen Presse und der französischen Presse imLaufe des Sommers stattgefunden haben.

Ich glaube aber auch, daß in Rußland dieSache nicht anders liegt, als sie im vorigen Jahrelag. DieFreisinnige Zeitung" hat mit besondersfettem Druck hervorgehoben, daß ich im vorigen Jahregesagt habe:

Unsere Freundschaft mit Rußland hat in der Zeitunserer Kriege gar keine Unterbrechung erlittenund ist auch heute über jeden Zweifel erhaben.