102 Die Landtagssessio» von 1887.
Sr. Majestät dem König zur Genehmigung einer Einigungmit der Kurie, wie sie jetzt im vollen Einverständnisvorliegt, zu raten, so habe ich das nicht gethan, ohneeinen Blick in unsere Zukunft und in unser eigenesLager zu thun. Niemand von uns kann die Zukunftvoraussehen, und auch der mächtigste Monarch und dergeschickteste Staatsmann kann sie nicht beherrschen undleiten. Es bildet die geschichtliche Entwickelung unseresLandes einen zu gewaltigen und zu breiten Strom, alsdaß ein Einzelner und selbst der Herrscher des Landesihn vorher bestimmen kann. Die ganze Weltgeschichteläßt sich überhaupt nicht machen; auf ihrem Strom kannman ein Staatsschiff steuern, wenn man sorgfältig aufden Kompaß der 8u1n8 pnblioa, blickt und diese richtigzu beurteilen weiß. Wenn Sie nun zu mir das Zutrauenhaben, daß ich nach 25 jähriger Probezeit in diesem Ge-werbe des Steverns einige Erfahrung und Einsicht ge-wonnen habe, dann bitte ich: bethätigen Sie dieses Zu-trauen dadurch, daß Sie einstimmig ohne Amendements— wenn ich „einstimmig" sage, so nehme ich immer denHerrn Abgeordneten Richter aus — (große Heiterkeit)die Vorlage, wie sie aus dem Herrenhaus gekommen ist,annehmen.
Wenn Sie das Vertrauen zu mir nicht haben, daßich dies leisten könnte, daß mein Blick der richtige ge-wesen wäre, wenn ich Ihnen rate, so vorzugchen, —wenn mich meine Freunde bei dem Zustandebringen, beidem Abschluß dieses langen mühsamen Werkes wirklichim Stiche lassen sollten — was ich nicht hoffe —, sowird es mir auch unmöglich sein, an einem Staatswesen,das mir solche Erfahrungen bietet, ferner mitzuwirken;ich würde mich aus dem preußischen Staatswesen voll-