Druckschrift 
11 (1889) Die Reichstagssessionen von 1880 - 1881
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

Zsio Parteistollung der Richter. lig

meinerseits das Wort zu nehmen, und wenn nun nachden anonymen Andeutungen, die ich machte, der HerrAbgeordnete Laster nicht sogleich das Wort ergriffen undsich dazu gemeldet Hütte, so glaube ich, wäre es mir auchnicht beigekommen. Aber jetzt kann ich mir die Sachenicht so verschieben lassen, wie die Herren das versuchen.Und wenn der Herr Abgeordnete Laster sagt, ich irrtemich, wenn ich glaubte, daß diese Kleinigkeiten Aufsehenmachen und mit Interesse gelesen werden würden, soglaube ich, irrt er sich. Es sind andere, ja viel flagran-tere, ich möchte sagen, rohere Fülle, wozu ich diesen nichtrechnen kann, vorgekommen, die weniger Aufsehen ge-macht haben. Aber warum denn? Es handelte sichdamals nicht um Herrn Lasker! Ein Fall, der HerrnLaster betrifft, wird sicher Aufsehen machen. (Heiterkeit.)

Der fortschrittliche Abgeordnete Dreyer, seit 18 Jahren Kol-legialrichter, bemerkte, wenn jemand einmal seinen Prozess verlorenhabe und dieses Schicksal vielleicht auch den Herrn Reichskanzler be-troffen haben sollte, so bitte er, wohl zn bedenken, daß da oben derRichter einfach auch nach dem Gesetz entschieden habe, nnd nach alterdeutscher Sitte habe jeder das Recht, das Urtel zu schelten. DiesesRecht dauere aber nur acht oder sogar nur zwei Tage lang. Jeden-falls aber möchte er, der Redner, bitten, von diesem Platze ans dendeutsche» Richterstand unangetastet zu lassen. Der Reichskanzlerentgegnete:

Ich Hube nur zu erwähnen, daß ich in dem Sinne,wie der Herr Abgeordnete es bemerkte, gar keinen Prozeßverloren habe, und Prozesse über mein lind dein kaumjemals geführt habe, wenigstens nicht mit meiner Initia-tive, und mit einer andren Initiative äußerst selten, undnie verloren. Ich habe mehr in strafrechtlicher Beziehungdie Einwirkung der Parteistellnug auf den Richter ge-fürchtet, eine gewisse Nachsicht in Beurteilung von Ex-