Druckschrift 
11 (1889) Die Reichstagssessionen von 1880 - 1881
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

50

Die Reichstagssession von 1881.

wie bereits gesagt, iMpsrsönlicher Freundschaft und Gastfreundschaftverbunden war, in seinem Hause zu wohnen. Unrichtig aber ist dieMitteilung, die dem Herrn Reichskanzler zugegangen ist, daß derHerr Landrat mich auf seinem Wagen in die einzelnen Wahlortemitgenommen hätte; das ist — mit Verlaub zu sagen — die reineUnwahrheit, für die ich ein anderes Wort nicht zu sagen weiß.Endlich war dis Remonstration an dis Meiningensche Regierung,möglichst dahin zu wirken, daß ich in Meiningen nicht gewähltwerden solle, längst ergangen, ehe ich im Wahlkreise war; auchhat es an Empfehlungen für den (ältesten) Sohn des Herrn Reichs-kanzlers, der mich verdrängen sollte, nicht gefehlt." Das Wort nahmdarauf der Herr Reichskanzler:

Ich muß zunächst konstatieren, daß die Angabe desHerrn Vorredners, als wäre von mir aus eine Rekla-mation au die Herzoglich Meiningensche Regierung er-gangen, ehe er gewählt wurde, so wie er sich vorhindes Ausdrucks bediente, eine „reine Unwahrheit" ist(Heiterkeit); auch ich kenne keinen anderen Ausdruck dafür,es ist eben eine Erfindung, die dem Herrn Vorredner —er sagte „aus sehr glaubwürdiger Quelle"*) — ich sageaus einer unreinen Quelle gekommen ist. Ich habe vonder Sache früher keine Notiz genommen. Wenn mein hiernicht anwesender älterer Sohn sich gleichzeitig mit demHerrn Abgeordneten in dem Kreise beworben hat, so istdas auf besondere Aufforderung von dort geschehen, abervon Hause aus ohne jede Aussicht auf Erfolg. Ich bingefragt worden, ob ich nicht meine Zustimmung dazugeben wollte, daß er genannt würde, lediglich zu demZweck, um damit Zeugnis abzulegen, wie ich zu der Politikdes Herrn Lasker stände, und da, zu diesem Zweck, habeich „ja" gesagt; aber mein Sohn hat niemals die mindeste

*) In der korrigierten Rede des Abgeordneten Lnsker findensich diese Worte nicht.