134 Die Landtagssession von 1873—74.
überhaupt, wenn ich so wenig von der Welt wüßte, wieder Herr Vorredner, weniger oder doch weniger zuver-sichtlich reden. (Heiterkeit.)
Eins hat mich mit am meisten frappiert, was eigent-lich nicht gegen mich persönlich gerichtet war; aber daßder Herr Vorredner die Lockerung aller Bande der Fa-milie, gewissermaßen nur das Geborenwerden „unter demFluche der Sünde" als eine natürliche Konsequenz derEinführung der Civilehe ansieht — trifft denn diese Kon-sequenz der Zerrüttung des Familienlebens zum Beispielbei unfern rheinischen Landsleuten zu, die doch dem HerrnVorredner in Westfalen besser bekannt sein werden, alsdie politischen Thatsachen, auf die er sich bezogen hat?
Ist denn da das Familienleben so zerrüttet und zer-stört? Ich finde gerade das Familienleben und insbe-sondere das eheliche Verhältnis bei unfern rheinischenMitbürgern für ein Beispiel echt deutscher Sitte, das mitdemjenigen, was man von Frankreich kennt, auf das an-genehmste kontrastiert. Ich glaube, daß gerade am Rhein,wenn man statistische Data über diese Frage überhauptaufstellen könnte und wollte, die eheliche Sittlichkeit einesehr hohe Stufe einnehmen würde. Und was den Unter-schied betrifft, so stelle er sich bei Einführung der Zivil-ehe so: dann würden die Abkömmlinge aus solcher Ehe„unter dem Fluche der Sünde" geboren werden.
Da möchte ich denn doch an den Herrn Vorrednerals Christ — denn ich glaube, gewisse Grundbekenntnis-wahrheiten teilen wir doch — die Frage stellen, ob erselbst denn glaubt, nicht unter dem Fluch der Sündegeboren zu sein. Wenn er das behauptet, so muß ichsagen, daß ihm, der als einer der hauptsächlichen Ver-teidiger des Christentunis auftritt, nicht nur die Kenntnis