128 Die Landtagssession von 1873—71.
von Gott gesetzte Obrigkeit, die über uns regiert, auchin den Organen, die Se. Majestät an die Spitze desReiches stellt, vor dem Auslande wenigstens einen gewissenAnspruch aus — ich will nicht sagen auf persönliche Rück-sicht, nein, aber doch auf deeente Behandlung vor demAuslande hat, daß man nicht sich die Aufgabe stellt, dieeigne Negierung vor dem Auslande zu verleumden.(Sehr richtig!) Man hat von dem Vogel mit seinemNeste ein Sprichwort, das ich hier nicht ansühren will,aber für proper halte ich diese Operation nicht. (Heiter-keit und Zustimmung.)
Was nun den gestrigen Vorgang betrifft, so habeich die Aeußerung des Herrn v. Schorlemer aus denbereits gedruckten Berichten entnehmen können, und etwasausführlicher, als die mir nur ebeu durch Hörensagen zu-gekommenen Entstellungen, die ein Redner heute vorge-tragen hat. Der Herr Abgeordnete hat mir Inkonse-quenzen nachzuweisen gesucht; nun wenn ihm daswirklich gelungen wäre, so würde die Sache, die er ver-teidigt, damit nicht in irgend einem Maße gebessert sein;aber es ist ihm auch in keiner Weise gelungen. Ich willihn aus seinen eignen Worten widerlegen. Er hält mirvor, ich hätte früher gesagt, das Dogma der Unfehl-barkeit, welches von Millionen Katholiken angenommensei, müsse respektiert werden. Das ist auch heutenoch meine Ansicht. Ich habe es auch respektiert. Habeich es je angefochten? Bestreitet man Ihren Glaubenin irgend einer Weise? Ich habe nur die Konsequenzengezogen, die ihm für unser Staatsleben entfließen, undauf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, in die unserStaatsleben dadurch kommt, und infolgedessen ans dieNotwendigkeit aufmerksam gemacht, daß man so wenig