Fürst Bismarck und Herr v. Gerlach, l25
habe nicht die Zeit, in den tiefen Schacht der Citatehineinznsteigen, ich niüßte zn Hause eine Arbeitskraft da-für aufwenden, die leider anderweitig beansprucht ist,sonst könnte ich dein Herrn Vorredner auch den Beweisführen, daß seine heutige Stellung sehr wenig verträglichist mit sehr vielen Worten, die er vor 25 Jahren gesagthat, und daß er in der Zeit vom 55. bis zum 80. Jahreerheblich größere Wandlungen dem Staate gegenüberdurchgemacht hat, als ich in der Zeit vom 35. Jahrebis zn dem heutigen. Indessen, meine Herren, daraufkommt es ja hier nicht an, was irgend jemand vor 25Jahren gesagt hat oder nicht gesagt hat; es kommt hierlediglich darauf an: was ist für den Staat, für dasLand, für seinen Frieden und sein Gedeihen nützlich undnotwendig? Und ich möchte bitten, halten Sie die De-batte auf diesem Gebiete und halten Sie sie nach Möglich-keit von allen Persönlichkeiten frei. Ich habe mir frühervon dem Herrn Vorredner oft ein Beispiel im politischenVerhalten genommen, ich will hier nicht erwähnen undes ist ja gleichgültig, ob es mir leid thut oder nicht —aber ich möchte den Herrn Vorredner bitten, heut ein-mal meinem Beispiel zu folgen. Ich bin der höchsteStaatsbeamte seit langer Zeit und habe für den HerrnVorredner vielleicht in dieser Eigenschaft ein gewissesGewicht einer Autorität; persönlich möchte ich ihn bitten,von mir auch nur einen geringen Grad von Bescheiden-heit in Unterordnung des eignen Urteils unter das Be-dürfnis der allgemeinen Wohlfahrt zu lernen! (Langandauerndes lebhaftes Bravo! Zischen im Zentrum.)