Druckschrift 
7 (1888) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche : 1873 - 1875
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

Fürst Bismarck und Herr v. Gerlach.

117

hat jetzt das Bewußtsein, sich in einer Stellung zu be-finden, zu der schwerlich jemand ihm nachfindet. Wennjemand, der weder Katholik noch Pole ist und wölfischeSympathien doch nur in mäßigem, indirektem Maßehaben kann, sich der Zentrumspartei anznschließen ver-mag, so besitzt er eine isolierte Säule, auf der neben ihmkein andrer Platz hat, und wo er ganz sicher ist, dieUnannehmlichkeit nicht zu erleben, daß jemand mit ihmgleicher Meinung ist. (Heiterkeit.)

Ich weiß, auch seine heutigen Fraktionsgenossenkönnen es ja unter keinen Umständen, für die bleibt erder Ketzer, der Ungläubige, der ja natürlich über alledie Gegenstände, die Vorkommen, doch in letzter Instanznicht dieselben Ansichten haben kann. Der Herr Vorredner,wenn er evangelischer Christ geblieben ist, kann doch un-möglich darauf hinausgehen, für Se. Heiligkeit den Papstdiejenigen Rechte in Preußen zu beanspruchen, welche dieübrigen Fraktionsmitglieder vielleicht in genauer logischerKonsequenz ihres Glaubens fordern; er würde damit zudem Standpunkte kommen, auf dem, wie ich aunehme,ein Katholik seinem Glauben nach stehen kann, erist dann aber ein bedenkliches Glied für den staatlichenVerband daß kein Gesetz in Preußen gegeben werdenkann, welches nicht die Billigung des Papstes hätte, des-jenigen seit dem Vatikanischen Konzil.... (Unruhe undWiderspruch im Zentrum) oder wenigstens, daß er dieweltliche Obrigkeit nicht berechtigt hält, ein Gesetz zugeben, welches vom Papste ausdrücklich verurteilt wird;das, glaube ich, werden Sie weniger ungenau finden.Sie können aber diesen Grundsatz nicht anders durch-führen, als in einem Staate, wo die katholische ReligionStaatSreligion ist, und selbst, wenn das ein welt-