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7 (1888) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche : 1873 - 1875
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Die „Gereiztheit" des Reichskanzlers; über Preßfreiheit. 103

oder dem Gegenüber gleich mit zornigen und hartenWorten (Heiterkeit links) vorwerfen, daß er etwas ganzLasterhaftes erstrebe, wenn er nur andre Ueberzeugungenausdrückt? Der Herr Vorredner hebt mit Recht die Ver-dienste der Presse, wenigstens eines großen Teils derPresse hervor, die sie sich erworben habe. Jede Sachehat aber ihre zwei Seiten, und so auch diese. Es gibt— ich bitte doch, das zu überlegen — in der Bevölkerungund in dem Gesamtvolke eine Menge verschiedenerSchattierungen von Ansichten, von Interessen und Ueber-zengungen. Es gibt vielleicht 100,000 Leute, die eindirektes Interesse, die eine Freude daran haben, wenndie Presse so unabhängig, so frei und so bequem wiemöglich gestellt wird. Es gibt aber vielleicht sehr vielmehr als 100,000 Leute noch, die dieses Interesse nichthaben, die der weiteren freieren Entwickelung der Pressemit einer gewissen Sorge entgegensehen. Die einen wiedie andern haben das Recht, berücksichtigt zu werden, undhaben das Recht, ihre Ueberzeugung in Gesetzesvorschlägenauszudrücken; nur die Regierung hat nebenher die Pflicht,die andre Seite der Sache auch zu berücksichtigen und dieNegierten in die Lage zu bringen, daß sie optieren könnenfür das eine oder andre System, und daß sie bei denWahlen sich dahin aussprechen können, welche Auffassungdem einzelnen Wähler gerade die entsprechendste ist.

Aber ich möchte doch bitten, nicht von Hanse ansdas Axiom aufzustellen: für unbeschränkte Presse ist Tu-gend, und dagegen ist Laster, und mit einer Art vonzornigem Verdammungsurteil jede Sorge der Regierungen,auch diejenigen Leute, die andrer Meinung sind, zu be-rücksichtigen und zu schützen, mit zornigem Verdammungs-nrteil, sage ich, zu brandmarken, als wenn das ein Attentat