102 Die Neichstagssession von 1873.
für die Ruhe und Mäßigung, mit der sie gegenwärtig dem Preß-gesetzentwurf der preußischen Regierung entgegentrete. Fürst B i s-m a r ck:
Ich weiß nicht, wie der Herr Abgeordnete auf denGedanken gekommen ist, ich hätte ihm gereizt geantwortet,oder gar, ich hätte ihm irgend etwas verboten, waser in seiner Eigenschaft als Volksvertreter zu thun oderzu lassen hätte. Er hat mit einiger Empfindlichkeit ge-sagt: „wenn das der Volksvertreter gar nicht mehr thundarf". Ich bin dazu gar nicht in der Lage oder Be-rechtigung, und ich glaube, der Herr Vorredner hat sichvon mir nie etwas verbieten lassen, wenigstens habe ichdas nicht wahrgenommen. (Heiterkeit.) Ich bin auchso weit entfernt gewesen, die Ausdrucksmeise zu tadeln,die er gegen mich gebraucht hat — nämlich er hielt dieVorlage für eine unglückliche und sagte, sie würde nichtdurchgehen — daß ich im Gegenteil sie mir angeeignethabe, und sie genau gegenüber dem Herrn Vorredner aufseinen Antrag angewendet habe. Er erklärt also das-jenige, was er mir gesagt hat, für ein Gereiztes; denn,es ist entweder gereizt, dann ist es beide Male der Fall,ich habe dieselben Worte gebraucht, die er mir gegenübergebraucht hat, oder es ist kein Zeichen von Gereiztheit,dann ist es auch nicht gereizt, wenn ich sie gebrauche.Ich verwahre mich nur dagegen, daß man hier vor derDiskussion und in dem Moment, wo es noch zweifelhaftist, ob es zur Diskussion kommt, diesem preußischen An-trag Epitheta anhängt, gegen die man ihn nicht ver-teidigen kann, da er nicht zur Diskussion steht. Wenner Ihnen nicht gefällt, meine Herren, dann werden Sieihn verwerfen, und die Artikel, die Ihnen nicht gefallen,werden Sie nicht annehmen. Wozu denn dem Gegner