306 Das Zollparlament 1868 u. 1869.
bereiten wollen, so müssen wir uns die richtigen Gegen-stände für dieselben aussuchen, die für uns die besserensind, und zu denen rechne ich unbedingt das Petroleumprimo loco. Es ist dies einer der Verbrauchsgegenstände,welche nicht so absolut unentbehrlich sind wie Brot, Salzund Fleisch, die wir ja doch auch besteuern, und welcheeinen so ausgedehnten Verbrauch teils bereits haben,teils versprechen, daß schon eine mäßig darauf gelegteSteuer einen erheblichen Ertrag in Aussicht stellt. SolcheGegenstände, die einen weit verbreiteten Verbrauch haben,und die doch nicht so absolut notwendig zur Existenz sind,daß ihre Abwesenheit unmittelbar einen des Einschreitensbedürftigen Notstand erzeugen, die sind meines Erachtensdie eigentliche Unterlage für die Finanzzölle. Ich habean einer andern Stelle andre genannt, aber das Petroleumgehört unzweifelhaft dazu. Sie können, meine Herren,die Frage, die Sie hier beraten, nicht loslösen von demFinanzwesen sämtlicher deutscher Staaten und den Be-dürfnissen der einzelnen Haushalte. Die Zollgesetzgebungenund die Gesetzgebungen über die Stenern müssen not-wendig ineinandergreifen, und es ist Aufgabe der Zölle,sich uicht bloß den Verkehrsbedürfnissen anzubequemen,sondern von dem Verkehr einen Teil der Mittel zu er-halten, welcher die zollverbündeten Staaten zu ihrem Haus-halte bedürfen. Ich werde jedesmal von einem gewissenBedauern ergriffen, daß wir nicht mit voller sachlicherOffenheit uns gegen einander aussprechen, wenn ich ge-fühlvolle Klagen zu hören bekomme über den armenMann, der sein Petroleum, sein Augenlicht, seineIntelligenz, der sein Pfeifchen Tabak (Vgl. dieRede Nr. 17 im vorigen Abschnitt) besteuert seheusoll, aus demselben Munde, der sein Ja zur Besteuerung