Druckschrift 
4 (1886) Der Bundeskanzler Graf Bismarck : 1867 - 1870
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202 Weiterer Ausbau der Bundesinstitutiouen 1868—69.

ist, daß ein Bedürfnis, von dieser Disziplin Gebrauchzn machen, durch Ueberschreitung des Maßes der Rede-freiheit, welches den Ministern faktisch, aber nicht recht-lich bewilligt worden ist, Vorgelegen hat. Aber alle dieseSachen sage ich nicht, und selbst bitte ich Sie, wennmir unwillkürlich eine gewisse Bitterkeit bei manchenErinnerungen auf die Zunge kommt, das nicht so ans-zulegen, als wollte ich nicht ehrlich das Meine thnn, umdie Sache zu beseitigen, wie ich es denn bisher gethanhabe. Aber ich halte mich wohl berechtigt, im Bundes-rate da, wo es sich um die nationalen Zwecke des Bundeshandelt, unter Umständen das volle Gewicht der preußi-schen Stimme mit denjenigen, die wir damit vereinigenkönnen, in die Wagschale zu werfen und mich an dieBedeutung, an die Zahl der dissentierenden Regierungennicht zu kehren, wo es sich um große, nationale Inter-essen handelt. (Beifall.)

Im übrigen habe ich mir in der Bundespolitik,solange ich die Ehre habe, auf sie einen Einfluß zu üben,als unverbrüchlichen Grundsatz denjenigen gestellt, undmich wohl dabei befunden, daß es nicht ratsam ist, dieAutonomie der einzelnen Regierungen auch nur um einesHaares Breite weiter zu beschränken und zu bekämpfen,als es notwendig ist zur Erfüllung der großen nationalenZwecke, welche dem Bunde obliegen (Beifall); das Be-denken, welches mich abhält, Ihrem heutigen voraus-sichtlichen Votum von seiten der Regierungsbank zuzu-stimmen, liegt nicht einmal in der Gefahr einer Er-drückung der Thätigkeit eines verfassungsmäßig bestehendenKörpers in Preußen. Ich würde es auf mich nehmen,mit dem preußischen Herrenhause es abzumachen, daßich dasselbe der Verlegenheit überhebe, sich weiter mit