166 Weiterer Ausbau der Bundesiustitutionen 1868—69.
die Oberhand haben, einige Konzessionen in reaktionärerRichtung machen könnten und machen wollten, vielleichtgewisse Bürgschaften, die augenblicklich vielleicht in demNachbarstaate, nach dem alle sehnsüchtig Hinblicken, zumFall kommen werden, ihnen geben wollten — und daswürde keine liberale Maßregel sein, — dann würdenwir vielleicht eine süddeutsche Majorität für den An-schluß gewinnen können. Ich lasse es unentschieden, obes ein Vorzug ist, liberal zu sein oder nicht (Heiterkeit);aber derjenige muß Süddeutschland mit AusnahmeBadens sehr wenig kennen, der nicht weiß, daß imLiberalismus sie dort — ich will nicht sagen, um einMenschenalter, wohl aber um diejenige Zeit, die seit derJulirevolution verflossen ist, hinter uns zurück sind.
Der Antrag Waldeck wurde mit 97 gegen 92 Stimmen ab-gelehnt.
3. Oas gleichzeitige Tugen verschiedener Parlamente.
3. April 1868.
Ein Antrag des Abg. Frhr. Nordeck zur Rabenau, der Bundes-kanzler wolle dahin wirken, daß in Zukunft ein gleichzeitiges Tagenverschiedener Parlamente vermieden werde, wurde in der 7. Sitzungam 3. April verhandelt und äußerte der Bundeskanzler dazufolgendes:
Der Antrag geht dahin, den Bundeskanzler aufzu-fordern, er möge dahin wirken, daß in Zukunft eingleichzeitiges Tagen von territorialen und Provinzial-Landtagen mit dem Reichstage wegfalle. Ich heiße denAntrag lebhaft willkommen und erkläre mich sehr gernbereit, dahin zu wirken. Ob dies allseitig mit Erfolg