Soll Preußen seinedipl. Vertretung a. d. Bund üb ertragen? 61
nicht bestätigt haben: dann wundere ich mich wirklich,wo er den Mut hernimmt, diese Kritiken jetzt fortzusetzen.(Lebhaftes Bravo! rechts und vereinzeltes Händeklatschen,welches der Präsident rügt.)
Der Abg. Kanngießer motivierte nun den von ihm unddem Abg. v. Bennigsen eingebrachten Antrag, worauf Graf Bis-marck folgende Rede hielt:
Die Königliche Regierung hält den gestellten undsoeben von einem der Herren Antragsteller verteidigtenAntrag in seinem ersten Teile für einen prinzipiellzweifellos richtigen, indem er das Ziel andeutet, nachwelchem die Bundesverfassung in ihrer Entwickelung zustreben hat und nach welchem die deutsche PolitikPreußens strebt. Ich befinde mich in dieser Beziehung— und ich konstatiere es gern, weil es selten ist — so-gar mit dem ersten Herrn Vorredner in Uebereinstimmungdarin, daß ich den jetzigen Zustand als ein Provisoriumbetrachte, als eiu Uebergaugsstadium, aus welchem heraussich eine strenger konzentrierte Vertretung des Bundesnach außen hin wenigstens auf dem Gebiete der großeilPolitik, zweifellos entwickeln muß. (Bravo!)
Ich kann an einem kurzen Beispiele die Notwendig-keit davon klar machen. Ihnen alleil wird erinnerlichsein, daß vor kurzem bei der Einladung zu den Kon-ferenzen die Königlich sächsische Regierung die Einladungan das Bundespräsidium verwies uud daß dieses Ver-halten mit dem Geiste der Bundesverfassung so voll-kommen in Einklang gefunden wurde, wie das ganzepolitische Verhalten der Königlich sächsischen Regierung,seit sie dem Bunde beigetreten ist, überhaupt jederzeitgewesen ist (Bravo!); aber genau genommen hätte sichPreußen dieser Einladung gegenüber juristisch ganz in