Druckschrift 
4 (1886) Der Bundeskanzler Graf Bismarck : 1867 - 1870
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 Erste ord. Session d.Nordd. Reichst. lO.Sept.26. Okt. 1867.

Ich nehme nicht das Wort, um gegen den HerrnVorredner, sondern um gegen einen weitverbreiteten Irr-tum zu sprechen, zu dessen Organ er sich gemacht hat.Er hat gesagt, Luxemburg sei losgerissen von Deutsch-land seit Begründung der norddeutschen Verfassung. Dasist thatsächlich nicht richtig. Das Land Luxemburg be-findet sich genau in derselben Situation, in der es sichvorher befunden hat, es wird genau nach derselben Ver-fassung, von derselben Dynastie regiert wie früher. Wasaufgegeben ist, ist das Garnisonrecht, welches der Königvon Preußen in Luxemburg übte; ich habe nur beabsich-tigt, diese Frage richtig zu stellen und der ich willnicht sagen Unwahrheit, aber doch dem Nebenhergehenbei der Wahrheit entgegenzutreten, welches in der Be-hauptung liegt, daß das Großherzogtum Luxemburg vonDeutschland losgerissen oder auch nur in eine gelockertereStellung, als es nach Zerfall des Deutschen Bundes über-haupt hatte, getreten sei. Wenn der Herr Redner, in-dem er daran erinnert, hier nachträglich das Verlangenaussprechen will, daß wegen der Luxemburger Fragehätte Krieg geführt werden sollen, so steht er damit,glaube ich, ziemlich isoliert. (Sehr richtig!)

Er tritt in Widerspruch namentlich mit denjenigenHerren Vorrednern, die den Inhalt der Adresse von demStandpunkte haben bekämpfen wollen, daß sie die Sicher-heit des Friedens, den Glauben an den Frieden beein-trächtige. Er fordert, daß Krieg hätte geführt werdensollen für einen sehr viel geringeren Gegenstand, alsdenjenigen, den die Herren, die die Adresse hier erläu-tert haben, in ihren von nationaler Begeisterung getra-genen Reden als einen etwaigen Kriegsfall hingestellthaben. Er fordert damit, daß wir die deutsche Nation