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Appenzell.
Umgebung, mit der großen Mutterkirche des Lan-des (romanischer Thurm v. 1061) u. alterthüm-lichcm Rathhause (in dem unter dem Dache nochGefängnisse sich befinden, ähnlich den Blcikammernvon Venedig, u. an dessen Vorderseite noch dieVorrichtungen zum Pranger zu sehen sind), Ka-puziner- u. F-ranciscanerinnen-Kloster. Als Mit-telpunkt der Kantoushälfte u. vieler, im Sommersehr besuchter Kurorte (Gais, Weißbad, Gouteu rc.)und als Ausgangspunkt vieler Excursionen istder srenndliche Flecken sehr belebt.
5) Geschichte. Der jetzige Kanton A. wurdewahrscheinlich erst im 10. Jahrh., u. zwar durchAlemannen bevölkert. Die erste Kirche im Landewar die zu Appenzell, welche 1061 Abt Nortpcrtvon St. Gallen gründete u. die mau des AbtesZelle nannte, woraus die Benennung Appenzellentstanden. Seitdem hatte die Abtei St. Gallenden bedeutendsten Grundbesitz in A. Im 14. Jahrh.war A. oft der Schauplatz von Fehden zwischenihren Dicnstlentcn u. den Grafen v. Toggenbnrgu. a. kleinen Dynasten. Seit 1344 besaß dasKloster St. Gallen die Vogtei der Orte Appen-zell, Hundwyl, Nrnäschen u. Teufen, welche dengrößten Thcil des heutigen Kantons A. ans-machten u. dem Kloster gegenüber ihre Rechtekräftig wahrten. Sie traten sogar in den Schwä-bischen Städtcbund, wählten gemeinsame Behör-den n. vereinigten sich 1379 in ein Land Appen-zell, was die Städte, der Pfalzgraf am Rhein u.der Markgraf von Baden anerkannten. Wegendieses selbständigen Auftretens wandte sich derAbt Kuno von St. Gallen an die Reichsstädte,welche zwar die Appenzeller zur Entrichtung derStenern an das Kloster anhiclten, aber gegendie hohen Stcneranflagen Verwahrung cinlegten.Bei dem König Wenzel erwirkte Abt Kuno gleich-zeitig die Befreiung seiner Unterthancn, mit In-begriff der Appenzeller, von jedem fremden Ge-richte, was soviel bedeutete, als die Neberliefcrungderselben an seine Willkür. Nachdem er dannmit allen Landesherren, welche A. umgaben, einSchutzbündnis) abgeschlossen, begann er die Be-drückung des Landes durch seine Vögte. Dagegenaber erhoben sich die Appenzeller (1400), ver-trieben die Vögte n. schlossen einen Bund mitder Stadl St. Gallen n. einem Thcil der übri-gen Unterthancn des Abtes. Da sie sich von denvermittelnden Schiedssprüchen der Reichsstädte los-sagtcn n. die Burgen des Abtes niederbranntcn,wurden sie von Len Städten n. sogar von St. GallenimStiche gelassen, erhielten aber von LenSchwyzcrnHilfe. Dann constiluirten sic sich in fünf innere u.sechs äußere Rhoden, deren jede einen Hanptmannerhielt, begannen im Gebiete des Klosters zu rau-ben und zu brennen und besiegten den Abt, derHilfe von Len Reichsstädten erhalten hatte, 15. Mai1403 bei Vögclinseck. Die Städte schlossen nunFrieden mit den Appenzellern; der Abt aber riefÖsterreich zu Hilfe, dessen Herzog Friedrich,wenn auch mit Widerstreben, zusagte. Unter ihremHanptmann,. dem Grafen Rudolf von Werdenberg,einem von Österreich ans seinen Besitzungen ver-triebenen Edelmanne, brachten die Appenzeller amBergabhange des Stoß 17. Juni 1405 den Öster-reichern eine blutige Niederlage bei, während ein
anderer Theil des österreichischen Heerbannes beiSt. Gallen von den vereinten Appenzellern undSt. Gallern in die Flucht geschlagen wurde. Nunbrachen die übermüthigen Appenzeller auf allenSeiten aus ihrem Lande, verbrannten die Burgender Edcllcute, verwüsteten ihre Besitzungen bisnach Tirol hinein n. schlossen Bündnisse mit derenUnterthancn. Ihren früheren Dränger, den AbtKuno, nahmen sie gefangen; aber ihr Siegeslauffand ein schnelles Ende: cs bildete sich ein Bundvon Herren u. Städten gegen sic, u. bei Bregenzwurden sie 1408 geschlagen n. in ihre Berge zu-rückgetrieben. Ein kaiserlicher Schiedsspruch hobdie Bündnisse der Appenzeller ans u. bestätigteden Abt von St. Gallen in seinen Vogteirechtenüber Appenzell. Von aller Welt verlassen, begabensich die Appenzeller 1411 indenSchntzdcr Eidgenossen,während sie gegenüber dem Kloster St. Gallenihre Unabhängigkeit zu bewahren wußten. Letz-teres wandte sich zur Wiederherstellung seinerRechte ebenfalls an die Eidgenossen. Erst nachlangen Unterhandlungen kam (1437) ein Friedezwischen den Appcnzellern u. dem Kloster zuStande, wodurch erstere mittels einer Entschädig-ung an letzteres die Anerkennung ihrer Unab-hängigkeit erlangten. Im Jahre 1452 wurde A.bann ein zugewandter Ört der Eidgenossen, gleich-zeitig mit dem Stifte n. der Stadt St. Gallen; 1460erwarben die Appenzeller durch Kauf das Rhein-thal, das ihnen aber von den Eidgenossen wiedergenommen n. zur gemeinen Herrschaft gemachtwurde, als sie im Verein mit den St. Gallernden Plan des ihnen feindlich gesinnten AbtesUlrich von St. Gallen, sein Kloster nach Norschacham Bodensee zu verlegen, durch Zerstörung desbegonnenen Klosterbaues vereitelten. Trotzdem ge-langte A. im I. 1513 in die Reihe der eigent-lichen Kantone u. wurde dann auch in die Mit-regierung über das Rheinthal ausgenommen. Alsdie Reformationsbewegnng ihren Lauf durch dieSchweiz nahm, fand sie in A., nächst Zürich, zu-erst Eingang (1523), doch mit freier Religions-Übung für beide Confessionen. Die Äußer-Rho-dcner wurden vorwiegend reformirt, die Jnner-Rh.blieben katholisch. Lange Zeit lebten beide Be-kenntnisse im Frieden neben einander, bis es demrömischen Nuntius in der Schweiz gelang, diebeiden kirchlichen Parteien zu heftigem Streitegegen einander zu Hetzen, der sein Ende durch dieeidgenössische Vermittelung von 1597 fand, beiwelcher die Trennung von Außer- u. Inner-Rhoden in besondere Staaten bewirkt wurde, wäh-rend sie der Eidgenossenschaft gegenüber aber eineinziger Kanton blieben. Seitdem mar, abgesehenvon einigen inneren Parteikämpfen, Ruhe imLande. Als 1798 die alte Eidgenossenschaft zer-fiel, fügte sich A. nur mit dem größten Wider-streben in den Verlust seiner Unabhängigkeit undseine Vereinigung mit St. Gallen zu einem Kan-ton Sentis. Napoleons Mediationsacte stellte 1803die alten Zustände in beschränktem, die Reactionvon 1813 aber in vollem Maße wieder her. Ineidgenössischen Dingen hielten es dicAnßcr-Rhodenerstets mit der liberalen, die Jnner-Rhodener mit derultramontanen -Schweiz und mit dem Sonder-bunde, gegen den sic auch ins Feld zu ziehen sich