Auagogc —
Vorleser diente»; in der Kaiscrzeit auch wol Freie,die vor dein Volke, im Theater rc. vorlasen; inder Kirckengeschichlc so v. w. Lectoren. DaherAnagnosterion, Ort, wo die Anagnosten beimVorlesen standen, Lesepult; Anagn'ostisch, zumBorlesen geeignet; Anagnosma, Stück zum Bor-lesen, Lectürc.
Anagögr, Anagogic (v. Gr.), Erhebung,Ziirückführen ans ein Allgemeineres, Geistiges;Erhebung des Geistes zu Gott in Verzückung oderSpeculation. Daher Anagogisch, geisterhcbend,qeheimsinnig; Anagogische Schristauslcgnng, wiesie bei den Älcxaiidrmischcn Juden, besonders Philo,in der christlichen Kirche seit Origenes sich findet,eine solche, die neben dem grammatisch-historischen,ethischen Sinne auch den angeblich tieferen mysti-schen ». typischen zu ergründen sucht. Verwandtist die allegorische und tropologische Auslegung.
Anagramm (v. Gr.), I) das Rückwärtslescn derBuchstaben eines Wortes, wobei ein anderes Worterscheint, z. B. Sarg, Gras. 2) Ein durch dieVersetzung eines oder mehrerer Buchstaben einesWortes gebildetes anderes Wort, z. B. Blei,Leib. Ans diese Weise werden auch Pseudonymeaus den Namen von Schriftstellern gebildet, z. B.H. Clanren aus Carl Heim. Das Ä. ist eine Er-findung deS Morgenlandes, die schon im Alter-thum bekannt war. Eine Reihe von sSchriftenund Sammlungen sind dieser müßigen Spielereigewidmet. Vgl. Wheatly, On XmiArumv eie.,London 1862.
llnagM -k-., Pflanzengattniig aus der Familieder Papilionacecn (X. i). Arten: X. lootiäaL. (Stinkbaum), Iss — 2^ in hoher Strauch inSEuropa, mit hübschen blaßgelben Blüthen. Diebitterschmeckcnden u. zerdrückt übelriechenden Blät-ter werden von französischen Ärzten als drastischesAbführuugsmittel in Anwendung gebrockt. DieSamen dienen als Brechmittel. X. iuiikcckiu /1rori.°v-.,auf Teneriffa.
Anal;, St. am Euphrat, im nördlichen Theildes türk. Paschalits Bagdad; Karawanenstation.
Anaheim (Aunaheim), eine rein deutsche An-siedelung in Kalifornien, 12 engl. Bl. von derSeelüfte, 3 Bl. vom Santa-Ana-Flussc; im Som-mer 1867 von einer Gesellschaft Deutscher, meistRheinländer, gegründet; 4000 (nach Anderen nur1000) Ew., die starken Wein- n. Obstbau betrei-ben; deutsche Schule, Postamt und Landungsplatzam Occan.
Anahit (Anaitis, Änais), weibliche Hauptgott-heit der Armenier, welche sie mit den Medern n.Persern gemeinschaftlich verehrten. Sie galt alsTochter des Aramazd (Ormuzd)' und ist mit derArtemis identisch. Von Strabon (XI., XII.) wirdsie irrthümlich mit der Aphrodite verglichen undihr ein äußerst üppiger Cnltus zngeschrieben. InWirklichkeit wurde sie aber verehrt als die Mutteraller Tugenden, als die Erhalterin u. der Ruhmder Nation. Ihr Haupttcmpcl war in Eraz(Eriza) in der Provinz Excliatz; dort stand ihregoldene Bildsäule. Jbr Hauptfcst fiel ans den6. Aug. und hieß Warda ivars, d. i. Rosenglanz;sie selbst wurde die goldene, goldarmige, rosensingerige genannt. Nach Einführung des Ehristen-thums wurde dieses Fest unter Beibehaltung des
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alten NamenS in das der Verklärung Christi ver-wandelt.
Anahiliik (d. i. das Wassernabei, I ursprüng-licher Name des alten Königreichs Mexico. 2> Dieim südlichen Theil von Mexico, in einer mittle-ren Höbe von 2400 in, von 17" bis 2l" n. Br.fick erstreckende, in die Sierra Madre a»slaufeudeHochebene; sie steigt im O. von der .llüsteuebenevon Cuctlachtlaii steil ans u. flacht sich gegen W.in die Küstenebcue von Colima ab; außer einigenkleinen Lllpenscen ist sie fast ohne alle Bewässer-ung. Das Land war ursprünglich von den Tol-tekcn, Chechcmeken, Acolhua n. Azteken bewohnt.'Nach den Küsten zu ist cs zwar fruchtbar, aber,namentlich für Europäer von höchst unzuträglichemKlima. Die höchsten Gipfel befinden sich ain Ost-rande; es sind die Vulcane Popocatepeti !>420 m,der Citlaltepetl (Pic von Orizaba) 5450 m, derJztaccihnatl 4780 m, und der Nanhcampatepctl4110 in.
Aimkal>iptcrr«i (gr., Aut.). Am 1. oder 2. Tagenach der Hochzeit schickte die junge Frau demGatten als Geschenk ein Gewand n. erhielt dafürGegengeschenke, die R. hießen, weil sie sich ihmvon jetzt an nnverschleicrt zeigte. Auch die Ver-wandten und Freunde brachten Geschenke diesesNamens dar. In Sicilicn hieß so das- Fest,welches zur Erinnerung der Vermählung derProscrpina mit Pluto gefeiert wurde.
Rnakaiiiptik (v. Gr., Phys.), Lehre von derZnrückwerfnng des Lichtes (>. Katoptik), oder desSchalls (s. Widerhall). Daher Ana kamptisch,die Strahlen, den Schall zurückwerfcuL.
Anakatharsie (v. Gr.), Reinigung,Aufhellung;in der alten Medicin: Reinigung des Blagens ic.durch Brechmittel.
Anaklasc (v. Gr., Anakläsis), Rcfraction, be-sonders der Lichtstrahlen. Daher Ana klastikj, sov. w. Dioptrik; Ana klastische Instrumentenannte man früher Instrumente, die zur Darle-gung der Gesetze der Strahlenbrechung dienen.
Anakletos, St. A. I., ans Athen, soll, vonPetrus zum Presbyter geweiht, 12 Jahre langals Nachfolger des Linus Bischof in Rom gewesenund unter Domitian als Märtyrer gestorben sein;Tag: 12. Juli.
Aunklin, St. II. Festung in Rnssisch-Naukasicn,Gouv. Kntais, am Schwarzen Meere; trieb bis187,6 ansehnlichen Handel und wurde in diesemJahre während des Orientalischen Krieges vonden Türken zerstört.
Anakoläthon (Anatoluthie, v. Gr.), Unfolge,Folgcwidrigkcit in der Satzfüguug; in der RhetorikUmschlagen aus der Consiruction des Vordersatzesin eine andere Construction des 'Nachsatzes.
Anakonda, Kurnriuba (Umwoto.i luurinusINttyl.), brasilianische Riesellscklaugcuart, welche,in der Tiefe des Wassers rndend, den zur Tränkekommenden Thieren anslauert. Plumps oliveu-farbig, auf dem Rücken mit paarig gestelltenschwarz-braunen Flecken, Angcnfleckc» au denSeiten u. mit einem gelben, braun gefaßten Strei-fen Lurch das Auge.
Anakönösis l gr., Miitheilung, Berathschlagung,Berabrednug, lai. ci-minuuiiiaiio), rhetorische Fi-gur, worin der Redner den Gegner, den Richter
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