574 Amphibien.
mit geringer Zchcnzahl und unfähig, de» sichschlängelnden Körper schwebend zu tragen. Auchda, wo die beiden Gliedmaßcnpaare ansehnlich entzwickelt sind, wirken sic oft mehr als Nachschicberzur Fortbewegung des langgestreckten, biegsamenRumpfes; nur die froschartigen A.,'deren kurzer,gedrungener Rumpf im ansgebildeten Zustandedes Schwanzes entbehrt, besitzen kräftige, zumLaufen u. znm Springen, selbst zum Klettern ge-eignete Gliedmaßen. Die Haut ist nicht nur alsKörperbcdccknng, sondern auch als Absondcrungs-nnd Respirationsorgan von Bedeutung. In derRegel ist sic nackt, glatt u. schlupfrig, u. nur dieBiindwühlen besitzen an Fischschnppen erinnernde,schiencnartig verdickte Hantringe. Sie umschließtDrüsen n. Farbstoffe, welch letztere bei den Frö-schen durch selbstständige Gcstaltsändernngcn dasschon länger bekannte Phänomen des Farbcn-wechsels bedingen. Bei einigen geschwänzten A.erfährt die Haut auffallende periodische Wucherun-gen; so erhalten besonders die männlichen Trito-nen zur Bcgattnngszcit häutige Flosscnkämme desRückens n. öfter Fransen an den Zehen, welchebei den Weibchen schwächer sind oder ganz fehlen.Auch ist die Oberhaut in beständiger Erneuerungbegriffe» und wird von den Fröschen in großenzusammenhängenden Blättern abgestoßen. DasSkelet bildet stets knöcherne, anfangs biconcavc(mitunter doppclkegclförmige) Wirbel, welche stets(im Gegensätze zu den Fischen) durch Zwischen-wirbclknorpel getrennt sind. Die Zahl der Wirbelist meist bedeutend; bei den Fröschen besteht da-gegen die ganze Wirbelsäule nur ans 10 Wirbelnmit anfsallend langen Qucrfortsätzcn, welche diehäufig fehlenden Rippen zugleich mit vertreten.Das Nervenshstem entspricht einer tiefen Lcbeus-stnfe, erhebt sich aber in mehrfacher Hinsicht überdas der Fische. Bon Sinnesorganen fehlen dieAngen niemals, doch bleiben sie bisweilen kleinu. rudimentär unter der Haut versteckt, wie diesnamentlich für den unterirdische Gewässer bewoh-nenden Olm (Protons) n. die Biindwühlen oderSchleichenlnrche gilt. Der Ban des Gehörorgansschließt sich dem der Fische an; Geschmack- undGeruchssinn sind vorhanden, wenngleich oft wenigentwickelt. Alle A. besitzen 2 ansehnliche Lnngcn-säcke, neben denselben aber noch, sei es nur imJngcndalter, oder auch im ansgcbildctcn Zustande,3 oder 4 Paare von Kiemen, welche bald ineinem von der Haut des Halses bedeckten Raumemit äußerer Kicmenspalte cingeschlossen liegen, baldals ästige oder gefiederte Hantanhänge frei amHalse hervorragen. Das Herz besitzt in derJugend nur 1 Bor- u. 1 Herzkammer, der Kreis-lauf ist dann, ähnlich dem der Fische, ein einfacher,d. h. das Blut tritt als arterielles ans den Kiemenin den Körper, das venöse Blut von da in dieVorkammer, dann in die Herzkammer und wirdans dieser wieder in die Kiemen getrieben. Später,nach Beendigung der Metamorphose (s. u.), theiltsich die Vorkammer in 2 Vorkammern, der Kreis-lauf wird dann ein unvollkommen doppelter. Ansden Lungen tritt das arterielle Blut durch die Lnn-gcnvcne in den linken Vorhof, von da in die ein-fache Herzkammer, wo cs sich mit dem ans deinrechten Vorhofe kommenden venösen Blute mischt.
Ans dem Vorhofe geht dann das (gemischte) Blutdurch die Körpcrartcricn in den Körper, kommtvon da als venöses Blut durch die Venen in denrechten Vorhof zurück, tritt von hier wieder in dieHerzkammer, ans welcher ein Thcil des (gemisch-ten) Blutes durch die Lnngcnartcrie in die Lungengeführt wird. Männchen n. Weibchen unterschei-den sich oft durch Größe u. Färbung, sowie durchmancherlei, namentlich zur Brunstzeit im Frühjahrund Sommer hervortrcteude Eigenthümlichkeitcn.Die Eier werden meist außerhalb des mütterlichenKörpers befruchtet, doch gibt es auch lebendig ge-bärende. Eine Brutpflege findet sich nur aus-nahmsweise, so bei der bei uns einheimischenGeburtshelferkröte oder Foßler n. der südainerika-nischen Wabenkröte (?i;>n). Während sich dasMännchen der erstercn die Eierschnnr (schnnrförmigzusammenhängende Eier) um die Hintcrschenkelwindet, dann in feuchter Erde vergräbt und sichseiner Last erst nach vollendeter Embryoualbildnngentledigt, streicht die männliche Pipa die Eier aufden Rücken des Weibchens, welcher alsbald umdie einzelnen Eier zellartigc Hüllen bildet, in denennicht nur die Embryonalentwickclung vor sichgeht, sondern auch die ansgeschlüpften Jungen bisnach vollständigem Ablauf der MetamorphoseSchutz u. Nahrung finden. Die Eier werden ein-zeln an Wasserpflanzen geklebt (Wassersalamander),oder in Schnüren oder Klumpen abgesetzt, in denendie Eier von einer gallertartigen Eiwcißsnbstanzumgeben und zusammengeklebt sind. Die Ent-wickelung der Eier geht ohne Bildung von Amnionund Allantnm, jener für die höheren Thicre- sowichtigen Embryoualhänte, vor sich n. stimmt da-durch mit der der Fische überein. Die Jungenverlassen sehr frühzeitig die Eihüllcu, n. cs folgteine mehr oder minder ausgeprägte Metamorphose(Verwandlung) mit anfangs ausschließlicher Kie-menathmnng. Die ansgcschlüpfte Larve erinnertau die Fischform, erst später sprossen die Extre-mitäten hervor. Dann bilden sich auch die Lnngcn-säcke, der RnLcrschwanz verkürzt sich u. wird beiden Fröschen vollständig abgcworfen. Die A.sind durchaus oder nur während der Larvcuperiodean das Wasser gebunden, aber auch ini letzterenFalle scheint ihnen eine feuchte Atmosphäre Be-dürfniß zu sein. Viele leben einsam, andere ge-sellig; sie gehen vorzugsweise in der Dämmerungauf Nahrung aus. Die Nahrung besteht fastdurchweg aus Jnsecten n. Würmern, im Larvcn-lebeu jedoch vorzugsweise aus pflanzlichen Stoffen.Das Nahrnngsbcdürfniß ist ein geringes: vielekönnen monatelang hungern u., wie die Frösche,im Schlamme verborgen überwintern. Die Lebens-zähigkeit ist bedeutend: Verstümmelungen wichtigerOrgane überdauern sie lange Zeit n. ersetzen ver-loren gegangene Körpertheile oft wieder auf demWege der Reproduktion. Fossile Reste treten, ab-gesehen von der ansgestorbcnen, der Trias auge-hörigen Familie der Labyrinthodonten, erst imTertiärgcbirge auf. Man unterscheidet 3 Ord-nungen: 1) L.f>ocia, Blindwühle», klcinbeschnppte,wnrmförmigc A. ohne Gliedmaßen; 2) slanckata,Schwanzlnrchc,nackthäntigeinitbleibendeinSchwanz,dahin z. B. die Salamander oder Molche; 3) La-traeiüa, Frösche oder schwanzlose Lurche.