Algerien. 421
Fnzal unterworfen. Im Sept. dess. I. war derHerzog von Aumalc zum Generalgouverneur er-nannt und am 1. Sept. 1847 die neuen Anord-nungen der Verwaltung des Landes publicirt wor-den, nach denen die Direktion des Kriegsministersin Frankreich für A. aufgehoben u. an die Stelleder 3 bisherigen Direktionen für jede der 3 Pro-vinzen Algier, Oran und Constantine, neben deinMilitärgonvernement, eine Direktion der Civilver-waltnng mit je einem Conseil unter dem Vorsitzedes Direktors eingesetzt wurde. Im Decemberwurde auch eine Bank für A. errichtet. Bei derFebruarrevolution 1848 erfolgte in A. keine Stör-ung der Ruhe, der Herzog von Aumale aberwurde laut Dekret der provisorischen Regierungvom 28. Febr. durch General Cavaignac, damalsMilitärkommandant in Oran, ersetzt. Dieser trafsogleich Anordnungen wegen der Küstenbefestigung,««heilte der Provinzialmiliz das Recht, sich ihreOffiziere bis zum Capitän zu wählen, gab diePresse frei rc. Als er im Mai 1848 als Depu-tirter für das Departement Lot in die National-versammlung trat, wurde an seiner Stelle GeneralChangarnier Generalgouverneur. Im Wesentlichenerfolgte während der Republik von 1848 keineVeränderung in der bezüglich A-s bisher befolgtenPolitik. Die Justizverwaltung war bereits imMai unter das Justizministerium und das Unter-richtswesen unter das Unterrichtsministerium imMutterlands gestellt worden. Der Krieg gegen dieStämme ruhte inzwischen nicht. Im März 1848unterwarf sich Bu-Aud u. im Juni der Bey Si-el-Hadschi in Constantine; die Raubzüge andererStämme in derselben Provinz schlug Oberst Faminzurück; ein Aufstand der Flittas in Oran wurdevom General Pelissier unterdrückt, einer der Ka-bylen im Juli in der Gegend von Bougie vomGeneral-'Gentil. Da Changarnier am I.Juli alsCommandant der Nationalgarde des Seinedeparte-ments nach Paris zurückkehrte, wurde der Divi-sionsgeneral Marey-Monge einstweiliger General--gouverneur; derselbe ordnete zur Hebung der Oko-nopne und der Gewerbe eine jährlich im Juli zuhaltende öffentliche Ausstellung aller von Euro-päern in A. erzielten Produkte an und bestimmtePreise für Die, welche sich auszeichneten. ImSeptember 1848 wurde General Charron zumGeneralgouverneur ernannt. Um die Bevölkerungvon A. zu vermehren, wurden seit dem September1848 einige Colonien von Arbeitern aus Parisdahin übergeführt, von denen jedoch viele nachVerlauf eines Jahres ihre Rückführung verlang-ten. Das I. 1849 war ungünstig für die Fran-zosen: in der Umgegend von Maskara empörtensich die arabischen Stämme, auch brach in derZaaticha, einer Oase in der Provinz Constantine,ein Aufstand aus, n. es gelang dem General Her-billon erst nach ^wöchentlicher Belagerung, dasfeste Dorf Zaatscha am 26. Nov. zu erstürmen.Die benachbarten Stämme unterwarfen sich nunden Franzosen. Im Juni 1850 wurde eine so-zialistische Verschwörung in Oran entdeckt, in welcheviele Soldaten u. selbst Offiziere verwickelt waren.Im Mai 1851 wurde General Pelissier Gouver-neur u. ordnete sofort einen neuen Zug gegen dieGebirgskabyleu an, welche das angrenzende Unter-
land fortwährend befehdeten. St. ArnauL erhieltden Oberbefehl u. besiegte den Feind binnen 24Tagen in 6 größeren Treffen und 20 Gefechten.Nach dem Staatsstreiche vom 2. Dec. 1851 er-nannte Louis Napoleon den General Randon zumGeneralgouverneur (11. Dec. 1851). Im Herbste1852 erhoben sich einige Araberstämme im süd-lichen Theil des Landes; auch sie wurden geschla-gen, ihre Oasenstadt Laghuat 4. Dec. 1852 er-stürmt u. mit dem gleichnamigen Bezirke in fran-zösischen Besitz genommen. Gleichzeitig stellte sichder mächtige Stamm der Beni-Mzab unter denSchutz französischer Botmäßigkeit. Unter LeitungRandons begann im Mai 1853 ein neuer Zuggegen die Kabylen im Gebirge Babar südl. vonDschidschelli; zwar unterwarfen sich 45 Scheikhsder französischen Botmäßigkeit, doch gelang esnicht, diese Bergvölker vollständig zu besiegen. ImSommer 1854, nachdem ein Theil der algerischenTruppen nach der Türkei abgegangen war, nah-men mehrere Kabylenstämme unter dem ScherifBn-Bagla den Kampf wieder auf. Im Oktobergriffen die Araber im S. zu den Waffen, wurdenjedoch in der Oase Meggarin geschlagen u. flüch-teten in die Stadt Tuggurt, die sie ohne Schwert-streich den nachfolgenden Franzosen überließen;diese drangen noch südlicher vor, nahmen Wabi.die wichtigste Stadt des Sufgebietes, u. in denfolgenden Jahren auch die Ulcd Sidi Scheich u.die Oase Wargla. Einer der mächtigsten Stämme,die Tuarik-Araber, längs der nördlichen Grenzeder Sahara wohnend, schickten im December 1855eine Gesandtschaft an den Generalgouverneur nachAlgier, um ihm die Vermittelung zwischen dengroßen Araberstämmen in der Wüste u. den Fran-zosen zur Anknüpfung regelmäßiger Handels- u.Freundschaftsverbindungen anzubieten. Diese Ara-ber beherrschen den Eingang der Wüste n. habenden größten Einfluß auf alle Handelsgeschäfte mirdem Innern von Afrika. Unter den öffentlichenAngelegenheiten des Landes stand in damaligerZeit die Regelung der Verhältnisse der Eingebo-renen theils zu einander, theils zu den Franzosenobenan. Man suchte ihrer Nationalität zu schonenn. überließ die Verwaltung ihrer Angelegenheitenangesehenen Männern ans ihrer Mitte, die jedoch,mit Ausnahme der Ältesten der Duars, von derRegierung ernannt wurden. Im 1.1856 erfolgteeine neue große Expedition Randons, die zurgänzlichen Unterwerfung aller Stämme Großkaby-liens bis zum Rande der Wüste führte. Da-gegen verhielten sich die Araber gegen die fran-zösischen Civilisirnngsversnche andauernd feindselig.Das im Jahre 1858 angestellte Experiment, demLande ein eigenes Ministerium zu geben, wurdenach Verlauf von einigen Jahren aufgegeben, diefrühere Ordnung der Dinge wiederhergestellt undMarschall Pelissier zum Generalgouverneur ein-gesetzt, nach dessen Tode Mac-Mahon folgte. DieErklärung des Kaisers ('1863), daß A. eigent-lich keine Colonie, sondern ein arabisches Reichsei, daß er ebenso wol Kaiser der Araber, alsKaiser der Franzosen sei, änderte ebenso wenigan der Sache, als seine im April 1865 erfolgteInspektionsreise nach A; jene Erklärung erregtenur die Unzufriedenheit der europäischen Colonisten,