Algerien. 41S
die Türken zurückgezogen hatten, erstürmt. Am
з. Juli hatte auch die Flotte ihren Angriff vonder Meerseite begonnen, die Einschließung Algierswurde immer enger, und eben als die Franzosenim Begriffe waren, die Kasbah zu erstürmen, ver-stand sich der Dey am Morgen des 5. Juli zueiner Capitulation, in Folge deren ihm freierAbzug mit Familie u. Privatvermögcn, sowie freieWahl des Aufenthaltsortes außerhalb Algerien be-willigt wurde; der Stadt wurde Freiheit der Person
и. des Eigenthums, ferner die freie Ausübung desIslam gesichert; 17 Kriegsschiffe, 1508 Kanonenu. der Staatsschatz von 14 Mill. Thlr. fielen denSiegern zur Beute. Der Dey begab sich nachItalien und st- 1834 bei Alessandria; die Milizengingen nach Kleinasien. Auch die Staaten Tunisu. Tripolis wurden bewogen, der Seeräuberei aufimmer zu entsagen. A. war nun in der Gewaltder Franzosen. Bei der Kunde von dem Ausbruchder Julirevolution zu Paris wurden wegen derSchwäche des Occupationsheeres (kaum noch 20,000Mann), die Detachements in Oran, Bougie undBona zurückgerufen. Anfangs September wurdeBourmont durch General Clauzel ersetzt, dieseraber schon im Februar 1831 durch den GeneralBerthezene abgelöst, welcher in der Organisationdes Landes indeß nicht glücklicher war, als seinVorgänger, da sich der französischen VerwaltungAlles widersetzte. Auch hatte er Unglück in denWaffen. Er erlitt am 2. Juli bei Medeah einegroße Niederlage gegen die Araber, mußte dieStadt räumen u. wurde dann in Folge einer un-glücklichen Expedition nach Bona im Der. 1831abberufen. Uin den vielfachen Mißbräuchen zusteuern, wurde die Militär- u. Civiladministrationgetrennt, und jene dem General Savary, Herzogvon Rovigo, diese dem Staatsrath Pichon über-geben. Da aber diese Trennung die Einheitdes Dienstes störte, wurde schon im Mai 1832Pichon abbernfen u. die Civiladministration demMilitärgouvernement untergeordnet. Die Occupa-tionsarmee wurde erneuert, indem man das Systemder Strafregimenter (Latailions ä'Ackrigus) aufgab,u. dann wurde der größte Theil der Armee stetsin kleinen, zu diesem Zwecke errichteten Stand-lagern cantonirt. Durch den neuen IntendantenGenty de Bussy wurden zwei deutsche Colonisten-dörfer, Kuba und Dcly-Ibrahim, gegründet (dieaber wenig Erfolg hatten), eine katholische Kircheund ein Hospital errichtet, die Nationalgarde inAlgier u. Oran organisirt und eine neue Zeitung(Llonitsur AIZ-erisn) ins Leben gerufen. ImSeptember 1832 brach ein allgemeiner Aufstand,von dem Marabut Sidi-Saadi angefacht, unterden Arabern um Algier aus, wurde aber nieder-geworfen. Im März 1832 fiel die Citadelle vonBona durch einen mit 30 Matrosen ausgeführtenHandstreich des Corvettencapitäns Armandy infranzösische Hände; General Monk d'Uzer wurdedort Lommandant, der durch kluges Benehmen dieEinwohner gewann u. im März 1833 einen Ver-such des Bey von Constantine, die Stadt wiederzu erobern, zurückwies. Im März 1833 verließSavary, von der Regierung zur Verantwortungwegen ver gegen ihn erhobenen Klagen abberufen,A. und übergab das provisorische Commando dem
! General Avizard, der die Besorgung der Unter-handlungen mit den Arabern dem von ihm ein-gerichteten Lursau nrabe übertrug, aber den Ober-befehl bereits am 20. April 1833 an den eben-falls als provisorischer Generalgouverneur nach A.gesendeten General Voirol abtrat, unter welchemder Straßenbau fortgesetzt u. Blockhäuser errichtetwurden, auch mehrere Stämme siih unterwarfen.Im September 1833 wurde Bougie (Budschia),dessen Einwohner sich an einem englischen Schiffevergriffen hatten, durch den französischen GeneralTrezel nach blutigem Kampfe besetzt. In dieseZeit fällt das Auftreten Abd-el-Kaders. Bon 30arabischen Stämmen zum Emir von Maskara er-wählt, beunruhigte er den General Desmichel, derunterdessen Arzew und Mostaganem besetzt hatte,fortwährend u. versuchte auch die Provinz Titterizu fanatisiren. 26. Febr. 1834 wurde mit ihmder erste Friede geschlossen u. durch denselben seineHerrschaft über alle bis dahin noch nicht unter-worfenen Stämme im W. von Algier bis an denFluß Schelif und diesseits des Reiches Marokkoförmlich anerkannt, worauf sich in den übrigenfranzösischen Besitzungen, namentlich in der Gegendvon Algier, die Verhältnisse sicherer gestalteten.Mißhclligkeiten zwischen dem General Voirol u. demIntendanten Genty de Bussy veranlaßten im Sep-tember 1834 die Abberufung Beider. Die fran-zösische Regierung hatte inzwischen eine neue Or-ganisation für A., welches von da an als fran-zösische Besitzung im N. von Afrika bezeichnetwurde, entwerfen lassen, wonach das Obermilitär-commaudo u. die Landesverwaltung in die Handeines Generalgouverncurs gelegt wurde, der vomKriegsministerium in Paris re'ssortirte; unter ihmstanden ein Commandaut des Laudheeres u. einerder Marine, ein Militär- u. Civilintendant u. einFiuanzdirector; die Rechtspflege wurde für Fran-zosen u. Einheimische gelrennt. Der erste General-gouverneur war Graf Drouet d'Erlon, unter demin der Stadt Algier im November 1834 eine Mu-nicipalverfassnng eingerichtet, das Weichbild vonAlgier im Mai 1835 in 14 Gemeinden getheilt, u.eine höhere Schule eröffnet, die Polizei und dasAbgabensystem verbessert u. bei Boufarik ein Stand-lager errichtet wurde. In Bougie harte der Com-mandant Duvivier fortwährend mit Len Kabylenzu kämpfen; von Bona aus machte General Uzereinen Streifzug gegen den Bey von Constantine;in Oran war an die Stelle des Generals Des-michel der General Trezel (s. oben) zum Befehls-haber eingesetzt worden und konnte sich nur mitMühe des Andranges Abd-el-Kaders, der denFriedensvertrag bald gebrochen u. die Feindselig-keiten wieder begonnen hatte, erwehren. Am28. Juni 1835 wurden die Franzosen an derMakta geschlagen. Im August 1835 wurde Drouetd'Erlon durch den General Clauzel ersetzt, der je-doch im Januar 1837 wegen seiner erfolglosen Ex-pedition nach Maskara u. Constantine (Ende 1836)durch den General Damremont ersetzt ward, derum jeden Preis Constantine erobern sollte. Nach-dem, um die Ruhe im W. zu sichern, am 30. Mai1837 mit Abd-el-Kader der zweite Friede geschlossenwar, wonach demselben der ganze W. von A. über-lassen wurde, während Frankreich in den Besitz