413
Algerien.
Eutemi zu Hilfe gerufenen Brüder Horuk undHaireddin Barbarossa die Spanier aus A., Horukerdrosselte Selim eigenhändig, machte sich zumSultan von A. und eroberte Tunis, Oran undTlemcen zurück; aber der Marquis von Gomarez,von Karl V. 1517 abgesandt, nahm Oran wie-der u. belagerte Horuk in Tlemcen; der Sultanversuchte von da zu entfliehen, wurde aber vonden Spaniern ergriffen u. 1518 hingerichtet. SeinBruder Haireddin, zum Sultan ausgerufen, fühltesich der spanischen Macht nicht gewachsen u. gab1520 A. dem türkischen Padischah zu Lehn. DerPadischah Selim I. ernannte Haireddin zum Paschau. unterstützte ihn mit Geld u. 1000 Janitscharenin der Eroberung von Tunis, Bisenta u. Tripo-lis, u. 1530 vertrieb Haireddin die Spanier ausihren Positionen u. verband die A. gegenüberlie-genden Inseln durch einen Damm mit der StadtAlgier. 1535 eroberte Kaiser Karl V. Tunis u.zwang Haireddin, sich nach Bisenta zurllckzuziehen.Haireddin wurde nun als Admiral nach Constantino-pel gerufen, u. an seine Stelle trat seinSohn.HaffanAga als Pascha von Algier. Um den algerischen See-räubereien, welche seit dem ersten Barbarossa in er-schreckender Weise überhandnahmen, Einhalt zuthun, unternahm Kaiser Karl V. im Oktober 1541mit 370 Schiffen u. 30,000 Mann eine Expeditiongegen Algier, die jedoch mißlang, da am 20. Oct.Flotte u. Lager durch einen Sturm zerstört wur-den. Algier blieb nun unter türkischer Oberherr-schaft u. wurde von Paschas regiert, welche, wäh-rend sie die Secränberei fort trieben n. sogar dieKüsten Europas heimsuchten, ihr Gebiet im W.bis Marokko und im S. bis an die Wüste aus-dehnten. Versuche der Spanier, die Moslem inSchranken zu halten, mißlangen. Im I. 1600gestattete der Padischah der türkischen Miliz in A.,sich selbst aus ihrer Mitte einen Dey zu wählen,welcher mit dem türkischen Pascha die Macht theilleund insbesondere ihr Anführer sein sollte. Durchdie fortgesetzten frechen Seeräubereien wurde Al-gier endlich in Kriege mit den christlichen Mächtenverwickelt. 1655 zerstörte der britische AdmiralBlake die algerische Flotte u. zwang den Dey, dieGefangenen auszuliefern; 1669 und 1670 hatteneine britische u. eine niederländische Flotte wenigErfolg. 1682 bekriegte Ludwig XIV. Algier, weildessen Schiffe die Küsten der Provence beraubthatten, bombardirte am 25. Juli die Stadt, wo-gegen der Dey den französischen Consul Bacherdurch eine Kanone der französischen Flotte entge-enschießen ließ; ebenso erfolglos war das Bom-ardement am 26. und 27. Juni 1683 und am26. Juni 1687 durch den Marschall d'Estrees.1708 entriß der Dey Ibrahim den SpaniernOran. 1710 wurde Baba-Ali zum Dey erhoben;er bemächtigte sich des Pascha, schickte ihn nachTunis u. ward vom Sultan mit der ungetheiltenGewalt bekleidet. Von da an war der türkischeSultan nur noch dem Namen nach Oberherr inAlgier, der Dey aber in der That souverän, zahlteauch keinen Tribut mehr, sondern schickte nur beiseinem Regierungsantritte Geschenke nach Constan-tinopel. Dagegen waren die Deys abhängig vonden Janitscharen, da sie von den Offizieren der-selben gewählt wurden; oft setzte der Divan an
einem Tage mehrere derselben ein, u. uur seltenerhielt sich einer mehrere Jahre. Biele Deyswurden überdies von der zügellosen Soldatescaermordet. 1732 eroberten die Spanier Oran wie-der, wogegen eine im I. 1775 unternommeneExpedition von 25,000 Mann u. einer Flotte von44 Kriegs- und 340 Transportschiffen unter demGeneral O'Rcilly scheiterte. A. trieb das alteUnwesen fort u. nöthigte die schwächeren Mächte,wie Neapel, Dänemark, Schweden u. die Hanse-städte, zu einem Tribut, der aber ihre Schiffenicht immer schützte. Während der ersten franzö-sischen Kaiserzeit verhielten sich die Algerier ausFurcht vor den großen europäischen Kriegsflottenzurückhaltender, begannen jedoch, als nach demFrieden diese Flotten abzogen, ihr altes Räuber-wesen wieder. Aber als ihre Capcr mehrmalsnordamerikanische Schiffe aufgebracht hatten, griffder nordamerikanische Commodore Decatur am20. Juni 1815 die algerische Flotte bei Cartagenaan, schlug sie u. zwang den Dey Omar Pascha,die nordamerikanische Flagge zu respectiren. 1816erhielt Lord Exmouth von der britischen Regierungden Auftrag, mit den Barbareskenstaaten wegenAufhebung der Sklaverei u. Anerkennung einesvölkerrechtlichen Verhältnisses bezüglich der Kriegs-efangenen zu unterhandeln. Tunis u. Tripolisewilligten alle Forderungen, Algier aber weigertejede Concession u. setzte sein verbrecherisches Trei-ben fort. Exmouth, verstärkt durch eine nieder-ländische Escadre unter van der Capellen, beschoßam 27. Ang. 1816 die Stadt u. zwang den Deydurch den Frieden vom 28. Aug., alle Sklavenfreizugeben, au Neapel und Sardinien das Geldzurückzuzahlcn, das diese Staaten bereits für dieLoskaufung ihrer in Sklaverei gerathenen Unter-thanen bezahlt hatten, u. ferner alle kriegsgefan-genen Europäer völkerrechtlich zu behandeln. Durchden Vertrag mit England war im Ganzen dieLage der handeltreibenden Völker wenig gebessertworden, u. die Seeräuberei begann aufs Neue mitunerhörter Frechheit. Besonders die Franzosenempfanden dies schmerzlich, da der Dey Hussein,Nachfolger des 1817 ermordeten Omar, die ihnenzugchörende Korallenfischerei bei Oran auf einerStrecke von 220 icm 1826 allen Nationen freigabund ihnen sonstige Beleidigungen n. Schäden zu-fügte. Dieses Treibens müde, blokirte Frankreich,nachdem der Dey aus Anlaß eines hitzigen Wort-wechsels dem französischen Consul Äeval einenSchlag mit dem Fliegenwedel versetzt hatte, diealgerischen Häsen u. erklärte, als dies nichts half,1830 A. den Krieg. Am 25./27. Mai 1830 se-gelte die französische Flotte, 11 Linienschiffe, 24Fregatten, 7 Corvetten, 26 Briggs, 7 Dampf-,mehrere andere Kriegs- u. 400 Transportschiffe,unter Admiral Duperre und Contreadmiral Rosa-mel, mit 37,000 Mann Landtruppen unter Gene-ral Bourmont von Toulon ab. Das Heer be-werkstelligte die Landung am 13. Juni in der Baivon Sidi-Feruch, 18 Icm westl. von Algier, rückteam 15. gegen letzteres vor, schlug den IbrahimAga am 19., den Bey von Constantine am 24.u. begann darauf die Belagerung. Am 29. Juniwurden die festen Höhen von Sidi-Beneti u. am4. Juli das Kaiserschloß (Kaiserfort), wohin sich
!