Druckschrift 
Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
415
Einzelbild herunterladen
 

Algerien. 415

den Eingeborenen Sbakh oder Saghes, Scherzioder die Schott genannt. An den oft steil auf-steigenden Bergen, welche diese Ebenen begrenzen,sowie ans, diesen selbst, wird Gerste, die Weinrebeund der Ölbaum cultivirt, auch finden sich Über-reste von Cedernwäldern, vereinzelt die Pistaziedes Atlas u. a. Südwärts folgt eine zweite Ge-birgskette, der Hohe Atlas; zu ihm gehört derim O. gelegene Dschebel Aurds, der im DschebelScheliha zu 2320 und im Dschebel Mhammel zu2316 m anfsteigt; die ganze Kette wird von langgewundenen Hohlwegen, Bab oder Thore genannt,durchzogen. Von dem SOEnde des Hohen Atlasan dehnt sich bis in das tunesische und tripoli-tanische Gebiet eine z. Th. unter den Meeres-spiegel hinabreichende Depression aus, die wahr-scheinlich einst das Bett eines größeren Sees(knluv Iritoirw) gebildet hat; Leu ganzen Südendes Landes, u. zwar von 3034" n. Br., erfülltdie algerische Sahara (auch Wüste von Angad),die mit V4 zu Marokko gehört u. als bedeutendereOasen ElWadi, Tnggnrt, Wargla u.Beni-Mzab ent-hält. Ganz Algerien zerfällt beninach, was seineBodengestaltung betrifft, in drei scharf unterschie-dene Zonen: im Norden das gebirgige, aberauch fruchtbare Land, Las insgesammt den NamenTeil führt; auf dasselbe folgt das Steppenlaudmit den Schott, und im Süden schließt die Sa-hara ab. Die meisten Flüsse ergießen sich insMittelländische Meer, die vom Süd-Abhänge desAtlas gehen in die Schott, oder versiegen imSande. Schiffbar ist keiner der Flüsse, ihr Laufist sehr gewunden, ihre Ufer sind sumpfig, undihre Mündungen meist enge. In das Meer gehen:der Mafrag (Muthul) u. der Seybnse (llndrioatno)bei Bona; der Wad ei Kebir (Rummel), der denBu-Merzng aufnimmt und Constantine berührt;der Fluß von Bugia, dessen Quelle ans derGrenze zwischen der Prov. Constantine u. Algierliegt und der ein außerordentlich fruchtbares Thaldurchfließt; der Harrach, der nahe der Bai vonSidi-Ferruch mündet, wo die Franzosen 1830landeten; der Schelif, der einzige bedeutendeFluß, der als Sebaun-Mun (oder die 70 Quel-len) am Berge Wansdris entspring! und daununter dem Namen Nähar Wassel (d. i. entstehen-der Fluß) zuerst von W. nach O., dann von S.nach N. läuft, bei den Bergen zwischen Medeahund Milianah sich wieder nach W. wendet undendlich zwischen dem Cap Jvi und Mostaganemnach einem 445 üm langen Laufe mün-det; endlich die Tafna, der westlichste FlußA-s, dessen Lauf besonders unregelmäßig ist. Seit1856 hat man durch artesische Brunnen der Wüstemanches Stück Land abgewonnen. Das Klimavon A. ist heiß (der Samum weht 3- bis 4mal imJahre), in den Bergen herrscht zuweilen heftigeKälte mit Schneefall; im Ganzen nähert es sichdem des südl. Europa. Doch kennt das Landnur drei Jahreszeiten: den Winter (Regenzeit),vom Nov. bis Febr., der jedoch auch schöne Tagebringt; den Frühling, von März bis Juni, undden Sommer, von Juli bis Oct. Für die euro-päische Bevölkerung ist die günstigste Jahreszeitder Frühling, der sich Lurch üppige Fülle derPflanzenwelt und die wunderbare Heiterkeit des

Himmels auszeichnet. Der Sommer dagegen,meist trocken, dabei von langer Dauer, wird ge-fährlich für die Europäer durch Krankheiten, wieDiarrhöe, Dysenterie, Gallenfieber, Gehirnafsec-tionen rc. Die Temperatur difserirt im nördlichenTheil während des Winters zwischen 6,4 u. 16,g" R.,während des Sommers zwischen 12 und 24",weiter südwärts im Sahara-Plateau kommen aberUnterschiede von 0 bis 36" R. vor, weshalb manauch im Winter genöthigt ist, sich durch zwei Bur-nus zu schützen, wahrend man in Algier mit einemreicht. In Algier beträgt die mittlere Jahres-temperatur 14,.,", das Maximum 25,5", das Mi-nimum -st 8,-st 1k., in Constantine die mittlereTemperatur I3,a", das Maximum 32", und dasMinimum -st l,g" R. Die Bodenerzeuguisse,für welche bis jetzt etwa 2'/z Will. Im cnlti-virt sind, bestehen hauptsächlich in Weizen, Haferund Hülsenfrllchteu; dann folgen die Oliven,welche ein dem Proveuceröl uahckoinmendes Pro-duct geben, der Tabak von feiner Sorte, derWein von mittlerer Güte; außerdem dehnt sichdie Baumwolleucultur bedeutend aus; dasselbe giltvon der Seidenzucht, die gegenwärtig an 15,000ÜF Cocons jährlich liefert. In den Wäldern,bes. des Nordrandes, finden sich Eichen, Nadel-hölzer, Hainbuchen, Eschen, Ulmen, Kastanien,Cedern, Pistazien-, Mastix-, Johannisbrot»-, wildeOliveubäume, Pappeln, Weiden rc.; außerdem sindbemerkcuswerth die Agave und die Opuntie, dieaus Amerika stammen und hier ganz eingebürgertsind, ferner der süße Eichelbaum und die Kork-eiche. Der Anbau der Dattelpalme, die bisherim Tell nur ein unfruchtbarer Zierbaum war,wird jetzt durch künstliche Bewässerung ungemeinbefördert. Wie die Vegetation A-s eine auffal-lende Übereinstimmung mit jener der Küsten-länder Südenropas zeigt, so findet sich eine solche,abgesehen von den afrik. Raubthieren, auch hin-sichtlich der Thierwelt. In der Viehzucht nimmtdas Pferd den ersten Rang ein, es ist leicht undschlank; der Maulesel dient als Lastthier; die Rin-derherden sind äußerst zahlreich, doch geben siewegen Mangels an Wiuterfntter und fetten Wei-den wenig Fleisch und Milch. Mit der Schaf-zucht beschäftigen sich die den Rand der Wüstebewohnenden Stämme. An der Küste wird diesehr einträgliche Fischerei der Edelkoralle und derFischfang betrieben; in der Prov. Orau züchtetman in den Sümpfen Blutegel. An Mineralienist großer Reichthnm vorhanden, die Ausbeute istaber mit Ausnahme des Eisens noch gering. Ei-sen u. Kupfer finden sich, namentlich in der Prov.Algier, außerdem viel Blei und Schwefel, Zink,Antimon; ferner Marmor in der Provinz Oranund Constantine. Berühmte, schon zur Römcr-zeit bekannte Mineralquellen sind die heißen Quel-len von Hammam Meluam u. Hammain Reghain der Prov. Algier, die heiße Quelle von Bains-la-Neiue in der Prov. Öran, endlich die heißeQuelle von Hammam Meskhutine in der Prov.Constantine, deren Wasser 72" 8. hat. Die geo-gnostische Zusammensetzung des Kleinen Atlas bil-den liasähnliche Mergelschiefer mit Kupfererzen,die des südlichen Plateaus Tertiärformation, näm-lich Mergel im Wechsel mit kalkigem Sandstein,