Druckschrift 
Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
414
Einzelbild herunterladen
 

414

Algerien.

dieselbe. Die Folge dieser Befruchtung zeigt sichbald au der Basis der Haarzelle (bei Leu Nema-lineeu), bald au ganz anderen Zweigen (bei vu-ckrssnazm), indem sich dort Kapselfrüchte (Cysti-carpien) u. in diesen Sporen bilden. Bei vielenA. ist ein Generationswechsel beobachtet worden,d. h. es folgen mehrere ungeschlechtliche Genera-tionen auf einander, bis zuletzt eine geschlechtlicheGeneration entsteht, aus welcher dann wieder un-geschlechtliche Generationen hervorgehen; so beiVaneirsriL, Llostorinm rc.

Die Systematik der A. ist gegenwärtig ineiner tiefgehenden Umwälzung begriffen; die älte-ren Eintheilungen sind durch die neueren Forsch-ungen zum großen Theil als unrichtig dargethan.Es gibt augenblicklich kein den Erfordernissen derWissenschaft entsprechendes System der A. DieEntdeckung des Generationswechsels u. Polymor-phismus in manchen Abtheilnngcn läßt die An-nahme gerechtfertigt erscheinen, daß gewisse, bishernicht genau gekannte Formen bloße Entwickclungs-zustände unbekannter Formenkreise sein könnten,während sie bisher für eigene Gattungen u. Artengehalten werden. Es wird deshalb im Folgendennicht sowol eine systematische Übersicht, als viel-mehr eins Auswahl typischer Formen gegebenwerden, um welche sich die übrigen gruppiren.

Die No st och in een bilden fadenförmige oderpcrlschnurartige, meist einfache, selten verzweigteZellreihen.' Die Fäden sind frei (Osoillatoria,),oder in gallertige Scheiden eingeschlossen, durchVerschmelzung dieser oft in größere Colonien ver-einigt (Nostoc oder Zittertang). Die Nostochiueenleben im Wasser, häufiger ans feuchter Erde. DieFortpflanzung geschieht durch Theilnng. Es ge-chören hierher Ekrooeooous, 6Iasooapsa u. i?ro-ioeoeeus nivalis, eine rothe Alge, welche demSchnee in den Alpen u. in den Eisregionen dierothe Farbe verleiht; ferner die Familie der Ri-vulariaceen, Ballen von Schleim mit falscher Ver-ästelung; die einzelnen Trichome sind gegliedert,nach oben verschmälert. Die Hydrodictyeenoder Confervaceen enthalten reines Chlorophylln. bilden eine große Zahl von Schwärmsporen,die sich, zur Ruhe kommend, zu einer Familievereinigen. Die Volvocineen bilden viereckige(6cmium), od. kugelige (Volvox, Lkspiianospiraera,iUamkorina) Zellcolonien, die entweder grün undbeweglich, oder roth u. unbeweglich sind; die Zellensind in einer hyalinen Gallerte eingelagert. Durchdie Schwingungen der Lilien geräth die ganzeZellcolonie in eine rotirende und fortschreitendeBewegung. Die Conjngaten oderZygophyceensind ein- oder mehrzellige A. ohne echte Verzweig-ung, bisweilen Fadcnreihen bildend; Fortpflanz-ung durch Zygosporen, welche durch Conjngationoder Copnlation zweier Zellen (d. i. Übertretendes Inhaltes der einen durch einen sich bildendenKanal in die andere u. Bereinigung beider Zell-inhalte) entstehen. Die Zellen der Conjngatensind durch mannigfaltige Configuration u. schöneGliederung ihres Chlorophyllkörpers ausgezeichnet;er tritt in wandständigen Bändern (LpiroZpra),axilen Platten (iUssoearpus), paarigen strahligenKörpern (Az-gnsma,), oder sternförmig angcvrdne-tcn Platten (Llostsrmm) rc. ans. Eine der be-

kanntesten Gruppen der Conjngaten ist die derDes midi een. An letztere schließt sich sehr engan die ungemein formenrciche Abthcilung derDiatomeen (Bacillarieen), die ortsbewcgiichsind und deren Körper so von Kieselerde durch- ,drungen ist, daß nach ihrem Tode, ja selbst nachlängerem Glühen in der Flamme ihre Gestaltunverändert bleibt (sogen. Kieselskelett). Diesemikroskopisch kleinen Geschöpfe sind, wenn sie ein-zeln Vorkommen, beweglich, haben aber keine sicht-baren Wimpern. Die Fucaceen umfassen einigeGattungen großer Meeres-A., deren Thalloms(blattariige Gebilde) eine grün-braune Färbung n.knorpelige Consistenz haben. Manche Arten er- Ireichen eine ungeheure Länge; von der an der !Südspitze SAmerikas verkommenden Naeroezstispzrikora hat man Exemplare von 200300m Länge gefunden. Die Befrnchtnngskugeln wer-den durch Bersten der Oogonien frei n. außerhalbder Stammpflanze durch die Spermatozorden be-fruchtet. Manche Arten sind einhäusig und ent-wickeln keine keimbereitenden Organe; andere sindzweihäusig, indem die eine Pflanze nur Antheri-dien, die andere nur Oogonien bildet. Die Flo-rideen stellen eine außerordentlich formenrcicheA-grnppe dar, die mit wenigen Ausnahmen demMeere angehört; es sind roth oder violett gefärbte,fadenförmige n. gegliederte, oder in flache, genervteBlattgestalten ausgedehnte Zellpflanzcn mit rothenSporen. Ihre Fortpflanzung erfolgt Lurch Ei- lzellen, welche in Kapselfrüchten entstehen, u. durch lVierlingssrüchte. Letzteres sind Fortpflanzungs-organe, deren Inhalt in vier Sporen (Tetrasporen)zerfällt.

Von großer technischer Bedeutung sind dieA. des Meeres, die sogen. Tange. Alle himer-lassen beim Verbrennen eine Asche (in Nvrdfrank-reich Varec, in Schottland Kelp genannt), aus derfrüher die Soda bereitet wurde; jetzt wird ausderselben das Jod gewonnen, welches sich als Jod-natrium vorfindet, u. zwar hauptsächlich in §nonsrssienlosus, ssrratns n. bl nockosns.

Algerien (Geogr.), franz. Colonie in N-Afrika; grenzt an das Mittelmeer, Marokko, dieSahara und Tunis, reicht vom 1026° v. L.und 3037° n. Br. und umfaßt 669,000 Hjkm(12,150 IHM). Von der etwa 1000 km langen,hohen und steilen Küste zieht sich ein Plateau biszur >sahara, das theils Gebirge trägt, theils zuEbenen sich öfsnet. Nahe der Küste liegt derKleine Atlas, ein Gebirgszug, zwischen dessenbergigen Massen tiefe Schlnchien und Ströme,aber auch fruchtbare Thaler liegen; von seinenHöhen sind der Dscherdschera südöstlich von Algier2317 m, der Babur 2022 m im SO. vonBongie, der Afrun südwestlich von Bougie und derWansseris im S. von Orleansville die höchsten;

Len Raum zwischen ihnen nehmen Ebenen ein,die meist cultivirt und fruchtbar sind. Die be-deutendste darunter ist die Metidscha bei Algier,

8090 km lang, 1519 km breit, schwachwellenförmig gestaltet n. großentheils von fetterDammerde bedeckt. Südlich von diesen Ebenenbreiten sich wieder andere Flächen aus, die theilssteppenartig, theils bewaldet und dann von Salz-sümpfcn unterbrochen sind; letztere werden von