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Alexandrow — Alexei.
Alexandrow, Fabrikstadt (Tuchfabrik) in demrussisch-polnischen Gouv. Warschau; 4000 Ew.
Alexandrowkn (Melitöpol), Stadt mit 6000Ew. im Gouv. Taurien, am Tokmak oder derMolotschnaja, an welchem sich zahlreiche deutscheu. andere Colonien von 1789 bis 1817 niederge-lassen haben; 1855 zählte man 17,148 Ew. in50 Colonien, welche Ackerbau, Obstcultur, bedeu-tende Viehzucht u. eine sehr ausgedehnte Gewerbe-thätigkeit unterhalten, wobei sie sich durch sittlicheReinheit, Arbeitsamkeit u. Zuverlässigkeit vortheil-haft auszeichnen.
Alexandrowsk, 1) russische Niederlassung imAmurland am Golfe v. Keualshaja, der Insel Tara-kai gegenüber, 1855 gegründet; günstig gelegenerHafen, aufblüheuder Handel. 3 ) Hauptst. imgleichnamigen Distr. der südrussischen Statthalter-schaft Jekaterinoslaw, am Dniepr; wichtiger Stapel-platz für den Waarennmsatz nach dem Süden, dahier dis zu Lande angekommeuen Maaren nachdem Schwarzen Meere wieder eingeschifft werden;4600 Ew.; in der Nähe deutsche Colonien.
Alexei (russisch, so v. w. Alexius), 1) A.Michailowitsch, zweiter Czar von Rußland ausdem Hause Romanow, geb. 10. März 1629; folgteam 12. Juli 1645 seinem Vater Michael Feodoro-witsch, sich ganz der Leitung des OkolnitschiPleschtschejew und seines Erziehers, des BojarenMorosow, hingebend, bis in Folge einer Empör-ung der Erstere 1648 sein Leben verlor u. Moro-sow sich von' den Geschäften zurückziehen mußte,dessenungeachtet dieser aber noch immer A-s Rath-geber blieb, zumal er den jungen Czar mitMaria Miloslawskoi vermählt und selbst derenjüngere Schwester geheirathet hatte. Weitere Un-ruhen bereiteten zwei Prätendenten, der vonWladislaw IV. v. Polen unterstützte dritte falscheDemetrius (s. d. Art.) und der für einen Sohndes Czars Wasilij Schuiskoi sich ausgebende An-kudinow, aber beide ohne Erfolg. In die reiferenJahre getreten, wandte A. seine volle Aufmerk-samkeit der Ausbildung seines Heeres, der Ord-nung im Innern, namentlich der Hebung von Ge-werbe, Handel u. Schiffbau zu u. schritt dann erstzur Vergrößerung seines Reiches: in einem erstenKriege mit Polen (1654—1655), das sich denPrätendenten günstig erwiesen u. dem aufstreben-den Czarenthum feindlich gegenüberstellte, behielter im Waffenstillstände von Wilna (Nov. 1656)die von ihm eroberten Provinzen Smolensk, Tscher-nigow, Witepsk u. Wilna. Ein Krieg mit Schweden1655—1658 setzte ihn nur zeitweilig in Besitzvon fast ganz Livland u. Jngermanland; im Frie-den zu Karins (21. Juni 1661) mußte er denFrieden zu Stolbowa (17. Febr. 1617) erneuernu. beides herausgeben. Kaum hatte A. 1662 dieandrängenden Tataren zurückgetrieben, ward erwegen der Kosaken, die sich unter polnischen Schutzbegaben, in einen zweiten Polenkrieg verwickelt,der 1667, 20. Jan., mit dem Frieden von An-drussow endete u. den Dniepr als definitive Grenzegegen Polen festsetzte. Nach Osten hin dehnte er seineHerrschaft über Sibirien u. durch den Hermann Cha-barow über Daunen u. das Amurland ans; end-lich unterdrückte er nach furchtbarem Blutvergie-ßen den Ausstand der dänischen Kosaken 1671.
Schon während dieser Eroberungen, besonders abernach denselben suchte er neben der Thätigkeit für dieinnere Organisation, von der das berühmte, unterihm zu Stande gekommene russische GesetzbuchIlioseirenis zeugt, Verbindungen mit China undPersien, sowie mit Holland n. anderen europäischenStaaten anzuknüpfen; die Privilegien der engli-schen Kaufleute in Rußland aber zog er in Folgeder Hinrichtung Karls I. ein. Viele Sorge be-reitete ihm das durch den Patriarchen Nikon be-ginnende Schisma in der Russischen Kirche. Währendneue Feindseligkeiten wegen der Kosaken mit derPforte drohten, starb A., ein für seine Zeit nichtgewöhnlicher Herrscher, 29. Jan. 1676, aus ersterEhe seinen unmittelbaren Nachfolger Feodor, auszweiter Ehe mit der schönen Natalia Narischkinden nachmaligen Peter d. Gr. hinterlassend. Eincharakteristisches Bild von A. u. seiner Zeit gibtdas von ihm erlassene Jagdstatut sammt Brief-wechsel darüber, hcrausgegeben 1856 in Moskau.2 ) A. Petrowitsch, der älteste Sohn Peters desGr. und der Eudoxia Lapuchin, geb. 18. Febr.1690 zu Moskau; von Haus aus gut begabt, fiel erbald in die Hände der den Reformen seines Va-ters feindlichen Partei der „Langbärte" und dazuin Geist u. Körper ruinirende Ausschweifungen,so daß Peter, wahrscheinlich auch durch seine zweiteGemahlin Katharina aufgestachelt, ihm nur dieWahl ließ zwischen Sinnesänderung oder Verzichtauf die Thronfolge u. Eintritt in ein Kloster A.wählte, znm Schein willig, das letztere, entflohaber, sobald Peter ü. Gr. seine zweite Reise nachdem westlichen Europa angetreten, 1717, vorge-bend, dem Vater nachreisen zu wollen, nach Wienu. von da nach Neapel, von wo er erst ans desVaters Befehl u. überredet von den ihm nachge-sendeten Gardehauptmann Rumjanzow und Geh.Rath Tolstoi zurückkehrte. Peter aber empfingden Sohn als einen Majestätsverbrecher, enterbteihn durch Ukas vom 2. Febr. 1718 u. ließ gegenihn, wie gegen Alle, welche um seine Flucht wuß-ten, Criminaluntcrsuchung einleiten, deren Er-gebniß theils schwere Strafe, theils Hinrichtungfür die Letzteren, für A. aber das von 144 Rich-tern wegen Hochverrathes ausgesprochene Lodes-urthcil war. Obgleich kurz, nachdem ihm das-selbe vorgelesen worden, die Begnadigung erfolgte,starb A. doch in Folge der erlittenen Gemüths-anfregung u. Angst — nach Anderen unter Aus-sicht des Generals Adam Weide, eines Deutschen,im Gefängniß enthauptet — schon wenige Tagedarauf, 7. Juli (26. Juni) 1718. A. hinterließvon seiner Gemahlin, Charlotte Christine Sophie,Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, dieseinetwegen viel erduldet u. schon 1715 gestorbenwar, eine Tochter, Natalia (1728 gest.), u. einenSohn, den nachmaligen Czar Peter II. Die Actenseines Procefses hatte Peter d. Gr. veröffentlichenlassen, u. sind weitere Documente dazu iu Usträ-lows Isboria rarotuvorvanija kstra IVsIiicarvo(Bd. 6, Petersb. 1859), sowie in Pogodins Unter-suchung über den Proceß des Czarewitsch A-,(Petersb. 1860) — eine Ehrenrettung für denPrinzen — u. endlich in den Veröffentlichungender Gesellschaft für russische Geschichte und Alter-thümer (Mosk. 1861) enthalten. Dramatisch ist