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Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
389
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Alexander. 889

Lurch Einführung eines Bürgerlichen Gesetzbuches rc. Jetzt aber, von Mißtrauen gegen das Volk erfüllt,überall nur Verschwörung und Aufstand witternd,Ehrte er Censur und strengste Überwachung derBüchereinfuhr ein, legte jede wissenschaftliche Be-wegung in Bande, unterdrückte Freimaurerlogen u.Missiousgesellschaften, breitete über das ganzeReich ein Netz von Untersuchungen gegen dema-gogische Umtriebe, unterstützt durch eine über ganzRußland sich ausdehnende, allen Handel u. Wandelhemmende offene u. geheime Polizei; einst dengriechischen Bestrebungen günstig, sah er jetzt inder Erhebung der Griechen gegen die Pforte nursine widerrechtliche Auflehnung eines Volkes widerseinen rechtmäßigen Herrscher und trat somit derBegeisterung der Russen sür die glaubeusvcrwand-ten Griechen kRt, ja schroff entgegen. Daß erdadurch, wie durch die eben bezeichnet«! Maßregelnmit den Sympathien seines Volkes, aber auch mitseiner Vergangenheit in Widerspruch gerathen war,fühlte er wol selbst; denn es trat bei ihm einefrüher nicht gekannte Verbitterung zu Tage, gegenwelche er umsonst in den Zerstreuungen einesglanzenden, üppigen, dabei aber immer frömmeln-den Hofes u. in kirchlichem mystischem HinbrlltenErleichterung suchte. Das schon verdüsterte Ge-niüth erlitt noch einen neuen Stoß Lurch den Todseiner einzigen, natürlichen Tochter, der GräfinRomanow ff. Narischkin), 1823, dann durch diefurchtbare Überschwemmung von Petersburg 1824,bei der seine angeborene Menschenliebe wiederglänzend hervortrat, endlich durch den Schreckeneiner russisch-polnischen Verschwörung gegen dasKaiserhaus, so daß A. nun auch körperlich leidendwurde u. mit Todesgedanken umging. So trater Mitte Sept. 1825 mit seiner Gemahlin, diefür ihr Leiden in der Krim Heilung finden sollte,eine Reise dorthin an, ward aber bald von einemder Halbinsel cigenthümlichen Fieber ergriffen undft., nachdem er noch in den letzten Tagen seinerKrankheit die den Tod beschleunigende Kunde überdie Einzelheiten jener Verschwörung erhalten hatte,am 1. Der. 1825 in Taganrog, eine von Hauseaus edel angelegte u. hoch begabte, aber durch deneigenthümlichen Hang zur Mystik u. die demselbengeradezu widerstrebende liberale Erziehung mitsich selbst in Körper u. Geist zerstörenden Wider-spruch gcrathene Persönlichkeit. Da er keinenSohn hinterließ, der ältere seiner Brüder, Con-stantin, aber im Geheimen der Thronfolge ent-sagt hatte, folgte ihm Nikolaus, der jüngere Bru-der. Vergl. Rußland unter A. I., 9 Bde., von H.v. Storch, Lpzg. 18031811; A. I-, von H. E.Lloyd, aus dem Englischen, Stuttg. 1826; Choi-seul-Gonfsicr, Llsinoires sur I'Lmpersnr -V., Par.1829; Oertel, Los äsrnisrs jours äs I'LmpsrsnriV, Pctcrsb. 1827; Rob. Lee, IRs last ll'nzn obId., Lond. 1854; Bernhard!, Gesch. Rußlands, Lpz.1863, Bd. 1; Das wichtigste Werk über die Stift-ung der Heil. Allianz ist das Werk des Gricchen-sreundes Eynard: Vis äs Naä. äs Irruäsner,Par. 1849. 12) A. II-, Nikolajcwitsch, ältesterSohn des Kaisers Nikolaus, geb. den 29. April1818; trat nach dem Tode seines Vaters, am 2.Marz 1855, in einer der schwersten Krisen, dieRußland erlebt hat, die Regierung an. Seine

erste Erziehung erhielt er unter der Leitung seinerMutter Alexandra F-codorowna, worauf OberstKawelin sein Erzieher, General Mörder, ein deut-scher Protestant, sein erster Lehrer n. endlich, be-zeichnend für sein innerliches und nachdenklichesWesen, Wassily Schukowski, der Begründer dermodernen romantischen Schule in Rußland, Leiterseiner Studien war. Im Jahre 1834 majorennerklärt, machte er als Commandant der Garde-Ulanen, als Ataman der Kosaken u. erster Adju-tant des Kaisers unter der Leitung seines Vatersdie militärische Schule durch. Vom strengen Ta-gesdienste jedoch nicht befriedigt u. von Melancholieergriffen, begab er sich auf eine Reise nach Deutsch-land, wo sein Aufenthalt in Darmstadt zu seinerVerlobung mit der großherzoglichen PrinzessinMarie, Tochter des verstorbenen GroßherzogsLudwig II., führte. Schon im Jahre 1836 zumKanzler der finnischen Landesunivcrsität ernannt,legte er sich nach seiner am 28. April 1841 er-folgten Vermählung besonders auf das Werk derVersöhnung, die Mißstimmung der Finnen gegenRußland zu mildern und auszugleicheu; wardmehrmals während der Reisen seines Vaters inSAusland mit der Regentschaft und dann zu ver-schiedenen Malen mit besonderen Missionen an dieHöse von Wien und Berlin rc. betraut. Mittenim Krimkricge auf den Thron berufen, setzte ermit aller Energie diesen fort, besuchte selbst denKriegsschauplatz, Oct. 1855, u. eiferte seine vomMißgeschick verfolgten Truppen zu neuem Mnthean. Judcß schon ein halbes Jahr später, am 30.März 1856, war der Pariser Friede geschlossen,der Rußlands Macht auf dein Schwarzen Meerebrach n. an die Stelle des russischen ProtectoratSüber die Christen in der Türkei das Protectorajder europäischen Großmächte setzte, u. nun tratA. sofort mit seinemalle geistigen u. materiellenKräfte entwickelnden" F-riedensprogramm hervor,setzte ein neues Ministerium ein, Gortschakoffan Nesselrodes Stelle erließ zu Gunsten derpolnischen Flüchtlinge eine Amnestie u. verhieß denAdelsmarschällen Reformen in der Verwaltung.Vor der Krönung am 7. September 1856 ver-kündete er Europa durch Circular v. 2. Sept.,daß Rußland die Thatsache der Auflösung derHeiligen Allianz anerkenne, ebenso aber auch seineJsolirung; indeßRußland schmollt nicht, essammelt sich". Anfangs machte zwar A. nocheinige Versuche, im Westen Fuß zu fassen u. Ver-bindungen auzuknüpfen. Jedoch die ErwerbungVilla-Francas als Flottenstation vom König vonSardinien blieb ohne Folgen; auch seine Zusam-menkunft mit dem Kaiser Napoleon III. im Sept.1857zuStnttgartkonntebeiderAbgeschlossenheit,mitwelcher beide Monarchen sich cntgegentraten, keineFrüchte tragen, u. die darauf folgende Zusammen-kunft der Kaiser von Rußland u. Österreich zuWeimar, 1. Oct. 1857, änderte Nichts in den seitlangem schon erkalteten russ.-östcrr. Beziehungen.Um so eisriger 'wandte sich A. Len inneren Refor-men zu. Die Reife derselben begann mit derEmancipation der Leibeigenen, zu welcher aller-dings sein Vater schon die ersten Vorarbeiten ein-geleitet hatte. Unter der Leitung des im Anfängedes Jahres 1858 zusammengetretenen Haupt-