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Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
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388
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388 Alexander.

der neuen Zeit, Kaiser von Ruß-

land: 11) A. I., Pawlowitsch, geb. 23. Dec.1777, Sohn des Kaisers Paul; am 9. Oct. 1793mit Louise Marie Auguste, Tochter des Erbprinzenvon Baden, die nach ihrem Übertritt zur RussischenKirche den Namen Elisabeth annahm, vermählt,solgte er seinem Vater nach dessen Ermordung am24. März 1801 in der Negierung. Er war inden Plan der Verschworenen, den Kaiser Paul ge-fangen zu nehmen u. zur Abdankung zu zwingen,eingeweiht, hatte sich jedoch vergeblich ansbednn-gen, daß das Leben desselben geschont würde.Seine Großmutter Katharina hatte die Leitungseiner Erziehung dem freisinnigen, eine idealistischeRichtung verfolgenden Schweizer Laharpe über-tragen, und dessen Einfluß gab sich auch in derHinneigung A-s zu einer mystischen Demokratiezu erkennen, die er in der ersten Hälfte seinerRegierung in der inneren u. äußeren Politik, durcheifrige Pflege der Wissenschaften und eine radicaleReform der Gesetzgebung mit der Legitimität zuvereinigen suchte. Nachdem sich sein Vater schonFrankreich und dem Ersten Consul Bonaparte ge-nähert hatte, betheiligte er sich lebhaft an demFriedenswerke von Lnneville u. der neuen Orga-nisation des Deutschen Reiches im Interesse derrussischen Politik, was ihn auch veraulaßte, 1802,nachdem er eben (Juni dess. I.) bei einer persön-lichen Zusammenkunft mit dem jungen König vonPreußen einen engen, treu gehaltenen Frennd-schaftsbund geschlossen, mit Bonaparte in sehrenge politische Beziehungen zu treten, um mit ihmgemeinsam die Dinge in Europa friedlich zu ordnenu. zu leiten. Jndeß erkannten beide Theile bald,daß der Eine den Zwecken des Anderen dienensollte, u. so kam es schon 1804 zum Bruche; am11. April 1805 kam der förmliche Bundesvertragzwischen Rußland und England zu Stande, derConcert-Tractat, dem am 9. Aug. Österreich, am3. Oct. Schweden beitrat u. endlich am 3. Nov.auch Preußens König. Aber schon nach der un-glücklichen Schlacht von Austerlitz, 2. Dec. 1805,schied A. zu Kalisch vom Kaiser Franz, u. reiste,ohne an den weiteren Verhandlungen theilzu-nehmen, nach Petersburg zurück, den Bundes-genossen seinem Schicksal überlassend. Erst 1807,als Preußens König den größten Theil seinerMonarchie bereits verloren, trat A. wieder aufden Schauplatz, nicht mehr, um den Krieg alsHilfsmacht für einen Bundesgenossen, sondern fürdie eigene Macht zu führen: waren ja doch bereitsdie eigenen Grenzen bedroht. Aber auch hier warkein Glück; A. mußte sich verstehen, den Friedenvon Tilsit zu vermitteln, u. 4 Tage nach dem zudiesem Behufe abgeschlossenen Waffenstillstände, 25.Juni 1807, kamen Rußlands u. Frankreichs Kaiserauf einem mitten im Niemen stehenden Floße zu-sammen. A. ward aufs Neue gewonnen, mit Na-poleon die Verfügung über Europa zu theilen,ein Einverständniß, das der Erfurter Congreß 1808besiegelte, den früheren Erklärungen A-s u. dendurch sie in Europa erregten Hoffnungen zum Trotze,war A. doch dafür freie Hand gegen Schwedenn. die Türkei gelassen zur ungestörten EroberungFinnlands und der Donaufürstenthümer. Jndeßauch diesmal hielt der Bund nicht lange; A-s

Hingebung für Krieg u. Frieden lohnte Napoleonmit Forderungen, die, mit anderen Vorgängen zn-sammentrcffend, A-s Empfindlichkeit erregen muß-ten; gleichwol wollte er den ersten Kanonenschußans seine Grenzen abwarten u. stellte als Grund-lage für die Unterhandlung wegen der streitigenPunkte nur die eine Forderung, daß der preußischeStaat von französischen Truppen geräumt werde.Dem Krieg suchenden Napoleon war dies Anlaßgenug zur Kriegserklärung an das damals ganzisolirte, ja mit England noch im Kriege befind-liche Rußland. Rasch war die französische Armeeim Herzen des Czarenreiches, bis die Katastrophevon Moskau zur Rückkehr zwang u. endlich derpreußische General Port durch die mit dem rus-sischen General Dieöitsch am 30. Dec. 1812 ab-geschlossene Convention von Tauroggen die Bahnzur selbstständigen Erhebung Preußens brach, diezaudernde Berliner Politik auf diese Bahn drängte.Nach Abschluß des Bündnisses zwischen Preußenund Rußland kam am 15. März A. selbst nachKalisch, um mit Friedrich Wilhelm III. vereintam 25. März durch den Aufruf von Kalisch dasdeutsche Volk zum Kampfe aufzufordern und ihmdie Wiederherstellung eines einigen freien Reichesans dem ureignen Geiste des Volkes" zu ver-heißen, mit welcher Verheißung allerdings dieBedingungen des Neichenbacher Vertrages mitÖsterreich wenig stimmten, da sie Napoleon dieElbgrenze, Rheinbund rc. vollständig beließen. A-spersönliche Betheilignng an dem nun folgendenKriege, dem seit 12. Ang. sich auch Österreich an-schloß, seine Thätigkeit in Wien u. beim zweitenPariser Frieden bewiesen wol, daß er ernstlichNapoleons Macht brechen wollte, aber nurum au die Stelle des Beseitigten zu treten, demrussischen Einfluß freie Bahn bis an den Rheinzu brechen, durch ein stark bleibendes FrankreichDeutschland schwach zu erhalten. Noch huldigte erliberalen Anschauungen u. bekundete dies bei Re-gelung der inneren Verhältnisse Deutschlands, beiAnerkennung der Neutralität der Schweiz, bei §Sicherung einer republikanischen Selbstständigkeit sder Jonischen Inseln, bei Ertheilung einer Eon- lstitution an das im Wiener Congreß gewonnenePolen, bei der auszeichnenden Behandlung, dieer seinem ehemaligen Lehrer Laharpe in Paris zuTheil werden ließ. Jndeß bald war der Jubelder von ihm die Freiheit erwartenden Völker ver-gessen. Der Einfluß der großen Ereignisse, desGelingens aller seiner Pläne, vereint mit der Be-einflussung, welche die frömmelnde Julie v. Krll-dener u. ihr Anhang auf das mystische, christlich-fromme Geniüth des Kaisers übte, führte zurStiftung der Heiligen Allianz, die, auf den Bundder conservativen Interessen gegründet, nur znrasch zu jenem allen wirklichen politischen Fort- ,schritt hemmenden Represfivsystem u. der auf denCongressen zu Troppau, Laibach und Verona in-augurirten Reaction ansartete. A. hatte in derersten Zeit seiner Regierung die innere Entwickel-ung Rußlands möglichst zu fördern gesucht durchOrdnung des ReichSsinanzwesens, Errichtung vonüber 2000 Elementar- u. höheren Schulen, durchMilderung, bezw. Aufhebung der Leibeigenschaft,durch Zulassung der Bauern zu Handel u. Industrie,