35V
Albacetc —
Schmalkaldischcn Kriege mit dem Oberbefehl überdie kaiserlichen Truppen betraut, siegte er 1547bei Mühlberg und präsidirte dem Kriegsrathe, vonwelchem der gefangene Kurfürst Johann Friedrichvon Sachsen zum Tode vernrtheilt wurde; er warsehr unzufrieden damit, daß der Spruch nicht zurAusführung kam. Er leitete dann unter demKaiser den Zug gegen König Heinrich II. vonFrankreich, sowie die erfolglose Belagerung vonMetz. Philipp II., zu dessen Gunsten im Jan.1556 Karl V. der spanischen Krone entsagte, be-wahrte dem erfahrenen Heerführer dieselbe Gunst,wie sein Vater. A. bekriegte um diese Zeit i»Italien den Papst Paul IV. u. hatte es, als inFolge der siegreichen Schlacht von St. Quentin(1557) das französische Heer unter Franz vonGuise aus Italien zurückgezogen wurde, in derHand, dem Papste barte Bedingungen aufzuerlegen,mußte jedoch auf Befehl Philipps l t. einen für denPapst sehr vortheilhaften Frieden schließen, ja, den-selben noch wegen des Einfalles in den Kirchen-staat um Verzeihung bitten. Nach dem Friedenvon Chatcau-Cambresis schloß A. im Aufträge desKönigs in Paris die Heirath desselben mit Elisa-beth von Frankreich ab. 1567 ging A. mit20,000 Mann zur Unterdrückung der niederländi-schen Unruhen und, um die Ketzerei zu vertilgen,nach den Niederlanden, wo er, nachdem 1568Margaretha die Statthalterschaft niedergelegt hatte,mit unumschränkter Gewalt herrschte u. 6 Jahrelang die ganze Furchtbarkeit seines Charaktersentwickelte. Durch Beschluß des sogenanntenBlntrathes, eines Ausnahmegerichtes, ließ er dieihm Verdächtigen oder durch ihren Reichthum seineHabgier Reizenden hinrichtcn, an 18,000 Men-schen, unter ihnen die Grafen Egmont u. Hoorn,u. gab damit mehr als Hnnderttansenden Anlaß,aus Leni Vaterlande fortzuziehen. Sein Siegüber die Oranier erhöhte noch seinen Stolz undÜbermnth: einem König gleich, zog er trinm-phirend in Brüssel ein u. ließ seine Henker weiterschalten, nachdem der Papst ihm einen geweihtenHut u. Degen geschenkt, was sonst nur gekröntenHäuptern widerfuhr. Holland und Seeland aberwiderstanden noch immer, u. als eine dagegen aus-gesandte Flotte vernichtet ward, erhob sich dasVolk von Neuem. In Folge dieses Mißgeschickes,mehr aber ans Furcht vor der königlichen Un-gnade bat er um seine Abberufung u. verließ am18. Dec. 1573 das gemißhandelte Land; s. u.Niederlande (Geich.). In Madrid ehrenvoll aus-genommen, gerieth er, weil einer seiner Söhne,Federigo, ein Ehrenfräulein der Königin.verführthatte u. nachher nicht hcirathcte, bald in Ungnadeu. ward voni Hose ans sein Schloß Uzeda ver-bannt. Stach Verlauf zweier Jahre wurde ervon Philipp mit dem Oberbefehl nach Portugalgesandt, um dieses Land, auf das Philipp II. Erb-ansprüche erhob, dem von den Portugiesen zumKönig erwählten Enkel Johanns III., Don An-tonio, zu entreißen, was ihm auch ,1531 nach zweisiegreichen Schlachten gelang; La K indeß schon-ungslos der Schätze des eroberten Lissabon sichbemächtigte u. seine Soldaten plündern ließ, er-regte er des Königs Mißfallen in solchem Grade,daß sogar eine Untersuchung gegen chn beabsichtigt
Mva Lvnga.
wurde. A. starb zu Thomar am 12. Jan. 1582,ein Mann voll Stolz gegen Seinesgleichen, ge-bieterisch u. hart gegen Bittende n. Untergebene,beschränkt an Geist, aber mit eisernem Willen be-gabt. Seine kriegerischen Erfolge — in 60jährigemKriegsdienste nie besiegt n. nie überfallen — dankteer nur seiner Wachsamkeit n. Bedachtsamkeit. SeinLeben ist vielfach beschrieben, durch Menrsius rc.;ein neueres über ihn nachznlesendes Werk ist aberMotlcy, Mw Riss ot tüw Outnck Rgpubll«. 3 Bde.,Lond. 1856 (deutsch, 3 Bde., Dresd. 1857—1860).
Albacete, 1) Prov. in Spanien, der nordwest-liche Theil des ehemal. Murcia, zwischen Neu-castilien, Valencia, Alicante, Murcia, Granada u.Jaen; gehört zur neucastilischen Hochebene, ist imsüdwestlichen Theil gebirgig durch die Sierra deAlcaraz n. die Ausläufer der Sagra Sierra, sonstgrößtentheils eben oder hügelig; wenig bevölkertn. wenig angebaut, fast ganz baumlos; bewässertvom Jucar u. Segura mit Rio Madera und R.Mundo; erzeugt Getreide, Wein, Safran, Schaf-wolle, birgt viele Metalle, Schwefel, Steinkohlen,Salz u. hat einige Mineralquellen; 15,400 slsicm(281 UM) mit 220,973 Ew. Die Eisenbahnvon Madrid nach Alicante und nach Cartagenadnrchschneidet die Provinz. 2) Hauptst. darin inweiter Ebene, an der alten Valencianischen Heer-straße n. der Eisenbahn Madrid-Villarrobledo; istregelmäßig u. gut gebaut, Sitz eines Obergerichtcsu. der Provinzialbehördcn, hat mehrere Kirchen,ein Jnstitnto, eine Normalschnle, einen Stierge-fechtScircns, bedeutenden Getreidebau und Messer-waarcnfabrikation, große Messe im Sept.; 17,083Ew. Der Kanal de A. zur Bewässerung derEbene ist erst eine kurze Strecke vollendet.
Albalate del Arzobispo,St. (Villa) im Distr.Hijar der spanischen Provinz Ternel (Aragonien),nahe dem Flusse Martin; Olivcnbau, Asphaltlager;4360 Ew.
Alba Longa, alte Bundeshauptstadt der La-tiner und als die älteste Stadt angeblich derAusgangspunkt vieler anderen launischen Orte, inLatium, lag lang gestreckt am Abhange des weil-hin das Land beherrschenden ^Ibnuns mous u. amVibnnus laens, südöstl. von Rom. A. wurdenach der Sage von Ascanins, dem Sohne desÄneas, gegründet; nach ihm herrschten, wie dieSage will, bis zu Roms Erbauung in Alba 14Könige; der vorletzte unter ihnen, Amnlins,verdrängte seinen älteren Bruder Nnmitor, ließseinen Neffen Egestus auf der Jagd tödtcn unddessen Schwester, Rhea Silvia, Vestalische Jung-frau werden, um auch eine Nachkommenschaftseines Bruders zu verhindern. Doch gebar Rhea2 Söhne (der Sage nach von Mars), weshalb Amn-lius die Mutter tödten u. die Knaben, Romnlns undRemus, anssetzen ließ. Als diese erwachten waren,ermordeten sie ihren Großoheim und setztenihren Großvater Nnmitor aus den Thron. NaLNnmitor stand A. unter Diktatoren. Zwischen A.L., dem Haupte des Latinischen Bundes, u. ihrerangeblichen Tochterstadt Rom herrschte freund-schaftliches Verhältnis), bis unter dem römischenKönig Tullns Hostilins ein Krieg ausbräch, inwelchem 3 Horatier und 3 Cnriatier durch einenEinzelkampf die Sache entschieden; die Römer