Druckschrift 
Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

Afrika (Entdrckungsgeschichtc).

der Wissenschaft zu. Nord-Ost-A.: Mehrals irgend ein Theil A-s sind die Nilländer vonReisenden besucht worden, die theils archäologischeForschungen dort anstellten, theils in die Ge-birgsländer am oberen Nil vordrangcn, um na-mentlich die Quellen des Bahr cl Abiad anfzu-suchen. Diese Gegenden forderten denn auch diemeisten Opfer, deren Zahl in diesem Jahrhun-dert allein 100 weit überschritten hat. In Ägyp-ten»Nubien unternahmen Reisen: Russegger,ein Österreicher, der weit amWeißen Nil vor-drang, 1838; Combes, welcher Ägypten, Nubien n.die Küsten des Rothen Meeres bereiste; Lepsius u.Gentz bei der auf Befehl des Königs von Preu-ßen 184245 nach Ägypten u. Nubien unter-nommenen wissenschaftlichen Expedition; Werne,welcher die Quellen des Nil zu erforschen suchten. das Land zwischen deni Blauen Stil n. Atbarabereiste; Knoblecher auf dem Weihen Nil; Abckcnin der Nubischen Wüste von Korosko bis AbuHammed; die Gebrüder Brehm n. viele Anderein Nubien. Brun-Rollet lebte 23 Jahre in denoberen Nilgegenden und unternahm 1855 eineneue Reise auf dem Weißen Nil, um die nochunbekannten Länder Darfnr und Wadai zu er-reichen; Vaudey lebte lange als Consnl znSen-naar u. unternahm viele Reisen am Weißen Nil,bis er 1854 von den Eingeborenen erschlagenwurde. Über Abessinien verdankt man die inter-essantesten Aufschlüsse dem Missionär Gobat, dersich 3 Jahre in jenem Lände aushielt, den dreiBrüdern d'Abbadic, welche seit 1838 fast ununter-brochen in Abessinien unter den Gallavölkcrn,sowie in den Ländern an den beiden Nilzu-slüsscn Untersuchungen anstcllten; Beke seit 18 lOim Aufträge der Londoner Geographischen Ge-sellschaft und der Otiuroli Lliss. 8oo.; GrahamHarris, dem Gesandten der Britisch-OstindischenCompagnie, im Hochlande; ebenso Knoblecher,Generalvicar der Mission für Jnnerafrika, 1840bis 1850; dem Botaniker Schimpcr re. Im Jahre1857 sandte auf Entdeckungen u. Erkundigungender deutschen Missionäre Rebman, Krapf u. Er-hardt die Londoner Geographische Gesellschaftuüter Speke u. Grant eine Expedition nach NO-A., welche zur Entdeckung der Seen Tanganjikau. Ukerewe führte. Zur Umkehr gezwungen,traten die Leiden Engländer einige Jahre spätereine zweite Entdeckungsreise an, auf der Spekedas westliche Ufer des Ukerewe umging n., demAusflusse desselben, dem Bahr el Abiad, folgend,Febr. 1863 in Gondokoro anlangte. Nach den-selben Regionen wandte sich Baker, um den be-reits von Speke u. Grant ausgckundetcn Mwu-tan-Sce auszusuchen, was ihm auch gelang. Dieweiter nordöstl. u. nordwestl. gelegenen Gebieteoes Nil wurden ebenfalls erforscht, so das Ge-biet des Bahr cl Ghasal durch die deutschen Ge-lehrten Heuglin n. Stendncr, in Verbindung mit derHolländerin Alexine Tinne; dabei büßte Stcudner1863 sein Leben ein. Der durch seine Durch-forschung der westlichen Küsten des Rothen Meeresrühmlichst bekannte Botaniker Georg Schwein-furth drang sogar bis in das Flußgebiet desTschadsees vor n. erkannte im Helle den Oberlaufves nach diesem See strömenden Schari, erforschte

die Länder der Djnr, Dor u. der Njam njam,fand das zwischen dem 1. u. 2? n. Br. woh-nende Zwergvolk der Ackä und kam durch dasDar Fertit, das vorher noch von keinem Euro-päer besucht war. Seine beiden Reisen (1863bis 1866 und 18681872) sind in Bezug aufwissenschaftliche Ausbeute zu den wichtigsten zurechnen. Noch in demselben Jahre sandte dieägyptische Regierung eine große militärisch aus-gerüstete Expevition zur Beseitigung des Sklaven-handels und zur Herstellung neuer Handelsver-bindungen (Elfenbein) unter Baker nach denoberen Nilländern ans. Trotz der Hindernissealler Art, die das Vorwärtskommcn unendlicherschwerten, drang Baker doch nach Verlauf von3 Jahren bis zum Mwutan-See vor; das kost-spielige Unternehmen (2A Mill. Thlr.) scheitertejedoch an dem Ubelwollen der Mannschaft, zumTheil auch in Folge von Krankheiten re. Neuer-dings hat auch David Livingstone von S. herden Versuch gemacht, die oft vermeintlich gelösteFrage vom Ursprünge des Nil zur Entscheidungzu bringen, ohne aber das Ziel zu erreichen, daer auf dieser Reise starb. In den Jahren 1868u. 1869 bereiste Gerhard Rohlfs im Aufträge desKönigs von Preußen Tripolis, Kyrenaika u. dieOase des Jupiter Ammon. Die neueste Entdeck-ungsreise ist die Expedition von Gerhard Rohlfsnach der Libyschen Wüste, wozu der Vicekönigvon Ägypten 4000 Pfd. St. bewilligte. Rohlfsund seine Begleiter (Zittcl, Ascherson u. Jordan)landeten am 27. Nov. 1873in Alexandrien, tratenam 21. Dec. von Marak aus ihren Marsch in dieWüste an u. waren bereits am Ncnjahrstage 1874in der Oase Farafrahe. Im Frühjahr 1874 warRohlfs wieder zum Nil znrückgekehrt. Nord-W est-A.: Um dieKunde des Nordens A-s, nament-lich Algiers u. der angrenzenden Länder, haben sichbesonders die Franzosen verdient gemacht. Auchder Deutsche Heinrich Barth unternahm 184547Wanderungen durch die Länder des Mittel-meeres. Die werthvvllsten Beiträge zur Kennt-niß des Nordens sind enthalten in: U'sxxilorationsslsntiügns sto., 1854 ff., von der zur Durchforsch-ung Algiers u. seiner Nebenländer niedergesetztenCommission, welche 1840 ihre Thätigkeit begann;ferner die auf Befehl des Kriegsministcrs ver-öffentlichte Darstellung der Lage der französischenNiederlassungen in Algier während 185052 re.Barth n. Overweg reisten 1849 u. Anfang 1850von Tunis nach Tripolis u. machten von letztererStadt aus in die Umgegend, besonders nach denGharianbcrgen, Ausflüge. Die Resultate dergeognostischen Beobachtungen auf dieser Reiseveröffentlichte Overwcg. Die Erforschung desnordwestlichen Theils von A., Marokkos re., habensich die Franzosen, hauptsächlich zum Zwecke derHerstellung von Handelsverbindungen zwischenAlgerien, dem Niger u. Senegal, angelegen seinlassen. Auf einer Reise von Algerien nach Tim-buktn wurde der hoffnungsvolle französiche Rei-sende Dourneaux-Dnpere 1874 zwischen Rhada-mes u. Rhat ermordet. Auch Deutsche forschtendort, so Gerh. Rohlfs, der 186164 Marokko u.den nördlichen Theil der Sahara bereiste, sowieFreiherr von Maltzahn, dessen langjährige Rei-