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Afghanistan (Geschichte).
Parmiput 1528 der afghanischen Herrschaft einEnde machte. Nach wcchselvollen Kämpfen mitPersien u. Delhi, nach den blutigen Durchzügender Mongolen kam Anfang des 17. Jahrh. zuerstHerat, dann auch Kandahar unter die Herrschaftder Perser, die sich im Laufe des Jahrh. übereinen Theil des Landes erstreckte, zeitweilig ver-drängt von der Macht des Großmogul von Delhi.Wiederholte Empörungen, u. a. 1696 gegen denSchah Hussain, wurden unterdrückt; endlich imI. 1710 gelang es einem afghanischen Kalantsr(Unterbefehlshaber)— Mir Wais .aus d. Stammeder Gildschi — sich der Festung Kandahar zu be-mächtigen u. sich in glücklichen Kämpfen gegendie Perser zu behaupten. Ihm folgte 1715Mir Abdallah, bald entthront von seinem NesfenMir Mahmud, welcher Jspahan eroberte, denSchah Hussain entthronte n. im I. 1723 ganzPersien unter seine Botmäßigkeit brachte. Unterblutigen Gräueln suchte er die Herrschaft zu be-haupten, rief aber dadurch bald den Widerstandder Perser wach. Der Sohn von Hussain, Tah-masp, kämpfte glücklich gegen Mahmud, und alsdieser 1725 ermordet wurde, seinen NachfolgerAschraf, der nach längerem Kriege von Nadir,Feldherrn vonTahmaspu. Statthalter von Kho-rassan, 1731 bei Damghan geschlagen u. auf derFlucht getödtct wurde. Der siegreiche Feldherrbemächtigte sich als Nadir Schah des persischenThrones und herrschte zum letzten Mal zugleichauch über A. Nach seiner Ermordung 1747gründete der Afghane Achmed Schah Abdalli,ein thatkräftiger und energischer Häuptling ausdem Stamme Abdalli, eine Dynastie, derenHerrschaft er über ganz A., Belutschistan, Balkh,
, Kafiristan, Kaschmir, Audh, Lahors u. einen gro-' ßen Theil von Multan ausdehute. Sechsmaldrang er in Indien ein, schlug die Mahrattcn inder blutigen Schlacht bei Paunipnt unweit Delhiund setzte Dschewan aus den Thron des Groß-mogul. Innere Unruhen hinderten ihn, seine Siegevollständig ausznnutzcu; seiner energischen Regier-ung gelang wol die Aufrechtcrhaltung der Ruhe,nicht aber die Verschmelzung der Afghanen zueinem einigenVolke u.die Bildung eines geordnetenStaatslebens. Unter seinem Sohne u. Nachfolger,Timur, seit 1773, fielen Belutschistan, die nördl.vom Hindukoh gelegenen u. die östlichsten Provinzenbald wieder ab. NachTimurs Tode 1793 wurde dasLand der Schauplatz unaufhörlichen Bürgerkriegesin Folge der Thronstrcitigkeitcn zwischen seinenSöhnen: Firuz, Mahmud, Zinian, Schudscha.Unter fortwährenden Kämpfen mit wechselndemErfolge gelang ,es Mahmud, mit Hilfe des Mini-sters Fateh Khan aus dem Stamme der Barai.fisich des Thrones zu bemächtigen, ohne jedoch dasganze Land bezwingen zu können; in Heratherrschte beinahe selbstständig Firuz, in den in-dischen Grenzprovinzen widerstanden Zinian undSchudscha. -Für den schwachen u. beschränktenMahmud, dessen Regierung nur nominell war,bemächtigte sich der sactischen Gewalt der Bara-ksi-Häuptling Fateh Khan, dem es auch gelangsie durch Grausamkeit u. List unter unaufhör-lichen inneren Zwistigkeiten, welche durch die Ein-mischung fremder Mächte fortwährend Nahrung
gewannen, aufrecht zu halten. Auf der einenSeite bedrängte Persien, auf der anderen die aus-blühende Macht der Sikhs unter Randschit Singhdie Regierung, beide zu Hilfe gerufen von Thron-prätendenten; hinter ihnen standen schon zu An-fang dieses Jahrhunderts die Agenten Rußlandsu. Englands, der beiden Großmächte, welche dieRivalität ihrer heimischen Politik damals aufAsien zu übertragen anfingen. Auch nach dergrausamen Ermordung von Fateh Khan 1819hörte die Zersplitterung nicht auf; Fürsten ausdem Hause Baraksi stritten mit den Nachkommenvon Achmed Schah. Von den Letzteren behauptetesich Kamran, Nachfolger von Firuz, in Herat,den 1838 nur die englische Protection vor derUnterwerfung durch die von Rußland aufgesta-chelten Perser rettete, während der länderloseSchudscha nach vielen vergeblichen Unternehmungenin Lodiana eine britische Pension genoß. Bonden Elfteren regierte kurze Zeit Azim Khan, nachdessen Tode 1833 verschiedene Mitglieder derBaraksi Ansprüche auf die Nachfolge machten:Kohandil Khan bekam Kandahar, Dost Moham-med Kabul, Sardar Sultan Mohammed Pescha-var. Der bedeutendste unter ihnen war DostMohammed. Ausgezeichnet durch körperliche u.geistige Eigenschaften, erweiterte er durch glücklicheKämpfe gegen die Sikh seine Herrschaft nach Osten,verschaffte dem zerrütteten Lande innere Ruhe,Ordnung u. Blüthe u. erwarb sich bald über dieMitregenten ein allgemeines Ansehen, das erdurch die Annahme des den Mohammedanernheiligen Titels Emir noch vermehrte. Bald je-doch kreuzten sich die Jntrignen der russischen u.englischen Agenten an seinem Hofe, den in dasInteresse der Politik ihrer Staaten hineinzu-ziehen sie sich bestrebten, bis der englische Statt-halter Indiens, Lord Auckland, in der Absicht,durch Waffengewalt den wankenden Einfluß Eng-lands wiederherzustellen, durch ein Manifest vom1. Oct. 1838 dem Afghanen unter Beschuldigungvon feindseliger Politik u. Treulosigkeit den Kriegerklärte. Anfangs 1839 passirte die 9000 Mannstarke englisch-indische Armee den Bolanpaß;Kandahar, Ghazna u. am 7. Aug. Kabul fielenin ihre Hände, worauf Schah Schudscha ausseiner thatenlosen Zurückgezogenheit hervorge-zogen und zum Herrscher erhoben wurde. DostMohammed versuchte noch eine Zeit lang ausden nördlichen Gebirgen Widerstand, ergab sichaber nach einer neuen Niederlage 1840 frei-willig als Gefangener dem Feinde. Weit ent-fernt, daß diese Besetzung die Ruhe wiederhergc-stellt hätte, ging die allgemeine Unzufriedenheit,im Geheimen von Akbar, dem Sohne von DostMohammed, genährt, von Kabul aus (2. Nov.1841) in einen allgemeinen Aufruhr über. Einemschrecklichen Blutbadc unter den Europäern folgtedie Niedermetzelung der englischen Armee; durchdas verrätherische Versprechen freien Abzuges ge-täuscht, verließ sie ihre geschützte Stellung in derfesten Burg u. wurde auf dem Rückzüge fast ganzvernichtet. Was den Angriffen der Afghanen entging,fiel der Wiuterkälte zun: Opfer; der Resident Burnes^ u. die meisten Offiziere wurden niedergemncht, wenigenur sahen Hindostan wieder. Obwol diese Nieder-