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Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
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Afghanistan (Geschichte).

führt die den Engländern 1841 so verhängniß-volle Straße weiter durch die Khaiberpässe nachIndien. Südl. Ghazna, einst glänzende Haupt-stadt der Ghaznaviden, jetzt ein Trümmerhaufen.Die Mitte des Landes ungefähr bildet Kandahar,50,000 Ew., in einer fruchtbaren Ebene, wichtigdurch Handel u. Industrie, durch den Bolanpaßmit Indien verbunden. Die Provinz ist der Sitzvon nomadisircndcn Durani. Außerdem noch zuerwähnen östl. das fruchtbare Laghman, im S.Sewi, im W. u. südl. von Herat Farrah mitgleichn. Hauptstadt. Von den vielen afghanischenStämmen sitzen in Kabulistan die ostasghanischcnJusufzai, Khaibcri u. a.; um Ghazna dieGhilzai, im die Durani, im SO. die wenigbekannten Kakcr. Die Grenzen werden, durchHerkommen geheiligt, zwischen den einzelnenStämmen genau inncgchaltcn; schwankend ist stetsaber ihr Berhältniß zur Regierung in Kabul,verschieden ihre Beschäftigung u. Lebensweise.Die östlichsten Provinzen am Indus sind denAfghanen von den Engländern entrissen, dagegenbeansprucht der Emir in letzter Zeit die Ober-hoheit der nördl. vom Hindukoh in Tnrkestangelegenen Provinzen Balkh, Khundur, Badakschan,so daß man in dieser Beziehung von keinen! be-festigten u. dauernden Besitze sprechen kann.

II. Geschichte. A. (bei den Alten Dran-giana u. Arachosia, ein Thcil von Ariana), seitungefähr 1000 Jahren von dem Volke bewohnt,das ihm seinen Namen gegeben hat, war imAlterthum ein wechselnder Besitz des großen asia-tischen Reiches u. ohne politische Selbstständigkeit.In grauer Vorzeit wahrscheinlich thcils von ira-nischen, thcils von ind. Stämmen bewohnt, wardas Land als Durchgangspunkt sowol für dieKricgszüge von W. fiach O., als die Wander-ungen der Turanier nach W. der Schauplatz un-zähliger Kämpfe; von größerer Wichtigkeit nurals uralter Mittelpunkt des Handels nach Mittel-u. Ost-Asien. Durchzogen von der mythischenKönigin Semiramis (wahrsch. Sardanapal II.)auf ihrem Zuge gegen Indien, war es anfangsein Theil des assyr., später des med. Reiches,nach dessen Untergang es seit 580 pers. Satrapengehorchte. Kurze Zeit ein Thcil des Alexandri-nischen Weltreiches, wurde cs nach dessen Zerfalltheils dem syrischen Reiche der Seleukiden bot-mäßig, thcils in kleine nnabbängige Staatenzersplittert. Von der Mitte des 3. Jahrh. v. Ehr.an war der östl. Theil unter der Herrschaft dergriech.-baktrischen u. gricch.-indischen Könige, mitwechselnder Ausdehnung ihres Gebietes in Krie-gen gegen die Parther u. Seleukiden; um ChristiGeburt besaßen die indoskythischcn Herrscher turani-scher Abstammung dort ein großes Reich (s. Ind.Gesch.). .Die Bevölkerung war durch diese sichdrängenden Kriegszüge sehr gemischt: währendim W. das iranische Element überwog, wich esim O. deni indischen u. turanischcn; nicht wenigerdie Religion: unter den Anhängern deS Zoroasterlebten die ind. Anbeter des Brahma, unter denIndoskythcn blühte der Buddhismus, wovon beiKabul noch zahlreiche Denkmale zeugen. Vondem 3. Jahrh. n. Ehr. an eroberten langsamvordringcnd dis persischen Herrscher der Säsa-

niden den westlichen Theil des Landes, währendKabulistan der aufeinanderfolgenden Herrschaftbuddhistischer Mongolen u. brahmanischer Indergehorchte. Alle dwse wcchselvollen Eroberungs-züge aber könnten nicht den Handel stören, dervon Kabul (dem alten Kabura oder Ortospana)auf zwei Straßen über Ghazna, Kandahar (vonAlexander d. Gr. auf seinem Zuge unter demNamen Alexandria neu gegründet), Herat n. weiternach Babylon, oder durch die Nordpässe bis zumKaspischen Meere die kostbaren Schätze des Ostensdem Abendlandeüberbrachte; ihm verdanken Kabulu. Herat als Hauptstapclplätze ihren Glanz u. ihreBedeutung. Zu Ende des 7. Jahrh. verändertedie Eroberung durch die Mohammedaner 683u. die Alles zerstörende Macht des Islam dieVerhältnisse u. den Glauben der Bevölkerungwesentlich. Allerdings war die Herrschaft derKhalifen nur von kurzer Dauer; aber die bis1000 dauernde Regierung selbstständiger arabi-scher Statthalter genügte, die alten Religionenu. Einrichtungen fast vollständig zu vernichten.In dieser Zeit erscheinen zum erstenmal dieAfghanen in der Geschichte. Nach ihrer eigenen(werthlosen) Überlieferung von den Israelitenabstammcnd, ihrer Sprache nach ein Zweig derJndogcrmanen, wahrscheinlich Nachkommen derParopanisaden des Alterthums u. ursprünglichim Ghorgebirge seßhaft, eroberten sie zuerst daswcstl. Flachland von A. u. in langsamem Vor-dringen mit Hilfe der kriegerischen NachbarnKabulistan. Eifrige Anhänger des Islam, schöndamals politisch geordnet nach ihrer noch jetztbestehenden Stammverfassung, machten sie sichallmählich zu Herren des Landes, indem sie dieeinheimische Bevölkerung thcils in die Bergedrängten, theils unterjochten (Tadschik, s. oben). Im

11. Jahrh. untcrthänig der zu Ghazna gegrün-deten Ghaznaviden-Dynastie (s. d.), deren Herr-scher Mahmud 1001 ganz A. eroberte, machtesich das Volk unter der Dynastie der Ghori-Snltane (s. d.), gegründet von Hussain im 12.Jahrh., unabhängig, kämpfte glücklich mit denHerrschern von Ghazna u. gründete von 1193ab ein mächtiges Reich, das sich bis nach Indienerstreckte. Der Sultan Gajath Eddin MahmudGhori (Seisscdin) eroberte mit Hilfe arabischer'Krieger die ind. Grenzländer n. Delhi u. machtesich znm Herrn von Khorassan. Ihn: folgteMahmud III., mit dem das Fürstenhaus erloschu. das Reich zerfiel. Khorassan u. Kabul wurdenvon Tataren unter der kharesmischen Dynastieerobert n. fielen sodann in die Hände der mon-golischen Eroberer. Die Afghanen zerfielen nachdem Erlöschen ihrer Dynastie wieder in vieleeinzelne Stämme, die in den Gebirgen, nament-lich der der Abdalli-Afghanen in Herat, ihreUnabhängigkeit behaupteten; das flache Land warder Kampfplatz der Perser n. Mongolen. Im

12. Jahrh. hatte der von Gajath Eddin Mahmudin Indien eingesetzte Statthalter Kuttun EddinAbck gegen die Mongolen die Selbstständigkeitbehauptet u. eine neue Dynastie in Delhi ge-gründet, nach deren Erlöschen eine zweite afgha-nische Dynastie daselbst herrschte, bis ein Nach-komme Timurs, Baber, durch die Schlacht von