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Afghanistan (Geographie).
zige Durchgangspunkt für die kriegerischen Zügeder Völker des Ostens u. Westens, so die wich-tigste Straße für den friedlichen Verkehr in einerAnzahl von Gebirgspässen. Historisch wichtigsind durch den Hindukoh im N. der Khawak, dernach Kundin-, der Bamian, der nach Balkh führt,u. der Ghorband; im O. benutzte man meist dielängs den Flüssen führenden Straßen u. gelangtedurch die Khaiberpässe am Kabul, den Gomal-paß oder südlicher den Bolanpaß nach Indien.Reich ist A. an Flüssen, ohne daß sic, weilgrößtentheils nur zeitweilig anschwellendcGebirgs-wasser, dem Verkehre nützten. Hervorznhcbcn sindder Kabul, in seinem unteren Laufe schiffbar u.in den Indus mündend, u. der Hilmend, der,Ivie die kleineren Farrah n. Harnd (Hcri-Rud),in dem Wüstensce Hanum (Zirreh, Zarrc) endi-gend, obwol in Bezug auf Länge u. Stromgebietbedeutend, doch nur der Bodenbewässcrnng dient.Die viclsach gestaltete Bodenbeschassenheit von A.bedingt eine durchschnittlich große Verschiedenheitdes Klimas. In den nördl., gebirgigen Theilenherrscht strenge Winterkälte bis zu 30 " U. mitheftigen Schneestürmen, die Handel u. Verkehrerschweren, in den Tiefländern dagegen, vorzüg-lich um Kandahar, bis wohin sich dre Wirkungender ind. Monsune erstrecken, ein milder Winterund im Sommer enorme Hitzegrade. Vorherr-schende Eigenschaft der Witterung ist Trockenheit.Nicht weniger verschiedenartig sind demnach auchdie Produete. In den Niederungen gedeihentropische Gewächse, höher hinauf die der ge-müßigten u. kalten Zone. Neben großen Streckenunfruchtbaren Felsbodens, neben kalten, baum-losen, nur zur Weide dienenden Plateaux findensich in den Thälern Wälder voll der schönstenNntzbäume, Eichen, Cypressen, Tamarisken, Pla-tanen, wilden Ölbänmen u. Flächen der reichstenFruchtbarkeit, namentlich in Kabnlistan. DerAckerbau erzeugt europäische Getrcidearten, Reis,Mohn, Zucker, Indigo, Rhabarber, Granaten,Orangen; die Gartencultnr alle europäischen Ge-wächse in schönster Blüthe; reich ist die Füllevon Weintrauben n. wildwachsenden Zierpflanzen.An Hansthiercn ernähren die schönen Weiden inzahlreicher Menge ausgezeichnete Pferde, fein-haarige Ziegen n. eine besondere Art Schafe mitbreitein, flachem Schwänze; als Lastthiere dienendas Kamel u. der Ochse; treffliche Hunde unter-stützen die Viehzucht. Außerdem findet man durchdas ganze Land Wölfe, Hyänen, Schakals, Bären,Füchse, Hirsche, Antilopen, häufig auch Tiger n.Leoparden, selten den Löwen und das in denNachbarländern so häufige wilde Schwein; Assenbirgt allein der NO. Wenig aufgeschlossen nochsind die Mineralschätze des Landes: Kupfer, Blei,Salpeter, Zink, Eisen, Schwefel, Steinsalz, auchSilber in den nördlichen Gebirgen; Gold führeneinige Flüsse. Tie Zerrissenheit des Landes hatim Wesentlichen die Zerspaltung der Bevölkerungmit zur Folge gehabt. Von dieser, die auf 4Millionen geschätzt wird, sind über 2 Dritttheiledie Afghanen mit einer eigenen Sprache (s. d.),von den Indern Solimani, den Persern Patau,in ihrer Ansdrucksweise Pashtun, im O. Pakhtungenannt, ein Mittelglied der iranischen u. indi-
schen Volksstämme. Der Ursprung des Namens^ „Afghanen" ist dunkel, der der Pakhtun hängtvielleicht mit den alten Paktycrn zusammen. Einwohlgebildetcr Menschenschlag von schlankem,j kräftigem Wüchse mit langem, dunklem Haar u.i feurigem Auge; die Männer, mit starkem Bart-^ wüchse, theilen sich in eine Anzahl Stämme, dieman unter die 2 Hauptgruppcn der östlichen u.westlichen zusammenfaßt. Die östlichen, vondunklerer Hautfarbe, den Indern ähnlich (auchBerdnrani genannt), wohnen dicht gedrängt inden Bergthälern als seßhafte Ackerbauer; unterihnen sind die Stämme der Jusufzai u. Khaiberizu erwähnen; die westlichen, mit olivenfarbigerHautfarbe, in den welligen Ebenen neigen mehrdem Nomadenleben u. der Viehzucht zu, vorzüg-lich ihre bedeutendsten, die Purani n. Ghilzai.Hervorragende Charakterzüge der Afghanen sindUnerschrockenheit im Kampfe, gepaart mit wilderGrausamkeit; Großmnth u. Freimüthigkeit, verei-nigt mit Rachsucht n. Raublust; besonders bemer-kenswerth ist ihre Gastfreundschaft n. die im Orient-seltene Achtung vor den Frauen. Die Kleidung be-steht aus einem weiten baumwollenen Beinkleide,von dunkler Farbe, einem weiten Überwürfe, demKamiß, niedriger Mütze u. weitem Mantel ausSchaffell; Schmuck in Gold- und Silberzicr-rathen in Nase u. Ohren. Die Wohnungen sindtheils einstöckige Häuser, meist ohne Gcräth, thcilsmit schwarzer Wolle gedeckte Zelte von bedeuten-dem Umfange, der Boden mit Fellen belegt. Diegewöhnliche Nahrung bildet Fleisch u. Milch derSchafe, daneben auch Früchte u. Käse. Außerihnen finden sich im N. n. O., meist in der Näheder Städte, die Tadschik, mit persischer Sprache,schlank und groß, von reichem Haarwuchse, demiranischen Typus ähnelnd, aber von stärkererMusculatur, wahrscheinlich die ursprüngliche Be-völkerung des Landes. Jahrhundertelange Be-drückung hatihren Charakter sehr verderbt, undwird ihnen knechtische Unterwürfigkeit n. Treu-losigkeit vorgeworfen. Ganz im O. wohnen dieHindki, wol von den Hindu abstammend, meistniedere Handwerker, im N. im Ghurgebirge die! Hazara u. Aimak von mongolischer Abstammung,aber persischer Sprache. Um Hcrat findet manKisilbaschen'mit türkischer Sprache, zerstreut durchdie Städte auch Araber, Kurden, Armenier,Juden; als Sklaven meist geraubte Einwohnervon Kafiristan. Die gemeinsame Verkehrsspracheist die neupersische; die Religion der Islam, inder Zerspaltung seiner zwei Secten. Die Re-gierungsversassnng beruhtauf der Eintheil-nng der herrschenden Afghanen in Stämme(Uluß); diese bestehen aus Abtheilungen (Dschirga),welche in kleinere Gemeinden zerfallen; jederStamm hat sein besonderes Kreisgebiet, jedeAbtheilung ihren Bezirk. An der Spitze derkleineren Dörfer u. Marken stehen lebensläng-liche, vom Volke erwählte Vorstände, immer ausderselben Familie, Malik, Mnschir und SpiheSeras (Weißbärte) genannt. An der Spitze desStammes steht ein vom Herrscher ernannter Khan,der die inneren Angelegenheiten thcils allein,theils mit Beistand eines gewählten Rathes vertwaltet. Die Herrschaft hes ganzen Landes ruh-