Druckschrift 
Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

Adlcr.

größere ziehen ihn selbst zu Boden. Schreit „kai". IVögel belästigt er nicht. — Diesen deutschen A-n,^u. zwar zunächst den eigentlichen A-n schließen sickhan: Der australische Keilschwanz-A. (Ilrastu^anckax L)i.), etwas größer u. mit etwas wenigerFlügelspannung, als der vorige; überfällt dieSchasheerden u. ist dadurch gefürchtet u. gehaßt,verfolgt auch Trappen u. Känguruhs. In Süd-Europa namentlich den Hühnerhöfcn lästig ist derHabichts-A. (Ussuclaötus LoiisIIilLocigs.^. Vonafrikanischen A-n ist noch der Kampf-A. (8pi-2 asius bsllieosns VieE.) bcmcrkcnswerth; vonamerikanischen endlich die gewaltige Harpyie(Ilsrpzia. ässtrnetor D.) u. der Schopf-A. (Lp.oeoipitalis).

Im Alterthim: galt der A. (lat. ^guila, gricch.-Vetos) als König der Vögel u. war daher Sym-bol der Macht, der Kraft u. des Sieges; bei denHindu der geheiligte Vogel des Wischnu, bei denPersern Sinnbild des Ormuzd, bei den Römernu. Griechen Begleiter des obersten der Götter,Zeus (Jupiter). Daher wurden A. als guteVorbedeutung bei Nuspicicn, sogar zur Verkün-digung hoher, selbst königlicher Würde angesehen.Die römischen Heere hatten A. als Lcgions-abzeichen, später auch als Orden. Bei der Apo-theose römischer Kaiser ließ man einen A. vondem angezündctcn Katafalk cmporstcigcn, dergleichsam die Seele des Verstorbenen in denOlymp tragen sollte. In Persien war der A.auch symbolischer Ausdruck der königlichen Würde,weshalb ein A. mit ausgebreiteten Flügelndem Heere vorangetragen wurde. In der nor-dischen Mythologie ist der A. der Vogel der.Weisheit u. sitzt auf dem Wipfel der Esche Ugg-drasil. Selbst in neuester Zeit gilt in manchenGegenden die Begegnung mit einem A. als einGlückszeichcn. Als Wappensignr wird der A.mit offenem Schnabel, ausgcschlagener Zunge,ausgestreckten Waffen (Klauen) und zierlichemSchwänze dargestcllt. Oft hat er Klecblattstengelin den Flügeln, ist „beladen" (er trügt etwas inden Waffen), „bchauptzicrt" (d. h. mit einemZirkel um den Kopf) u. a. m. „Gestümmclte"A. (französisch .-Vlörion) werden ohne Schnäbelu. Füße mit niedergeschlagenen Flügeln gebildet;sind mehr als 5 im Schilde, jo werden sic„junge" A. genannt. Der schwarze A. soll alsZeichen des Deutschen Reiches von den Römernentlehnt sein; als Symbol des Reiches findet ersich am Giebel des Palastes Karls des Großen,auf der Reichssahne bereits unter Kaiser Otto II.(977), auf den Siegeln der Mark- n. Psalzgra-sen (979 n. 1037), auf Münzen 1195, in Sie-geln 1299, jedoch immer noch einköpsig, bis erals zweiköpfig, als Doppcl-A. (Reichs-A.), womiter das Ost- u. Weströmische Reich bezeichnen sollte,zuerst ans der Reichsfahne seit 1312, unter Karl IV.seit 1346 im Rücksicgel, unter Wenzcslans imMajestätssiegcl erscheint und seit Kaiser Sigis-mund, von 1433 an, als beständiges Zeichen desKaisers, wie der cinköpfige des deutschen Königs,gebraucht ward. Daher ging er auch bald ganz,bald zur Hälfte in die Wappen vieler Reichs-städte n. einzelner Fürsten über. Den schwarzen!doppelköpsigen A. behielt nach der Auflösung des-

Deutschen Reiches die österreichische Monarchiebei; auch die russische nahm ihn an. Preußenwählte einen einfachen schwarzen A. zum Wappen,den auch das neue Deutsche Reich angenommen.Ein solcher, aber nicht in heraldischer, sondernin natürlicher Gestalt, ist Schildhalter des Wap-pens der Vereinigten Staaten. Polen hatte einenweißen A. im Wappen. Auch war er das Sym-bol des französischen Kaiserreiches, wo er eben-falls in natürlicher Gestalt mit Blitzen als Ju-piters Vogel erschien. In der französischen Armeeseit der Restauration abgeschasft, wurde er durchDccret vom 1. Jan. 1852 durch Napoleon III.ans den Fahnen wieder hcrgestcllt, 1870 durchdie Republik abermals beseitigt.

Adlcr, Sternbild am nördl. Himmel, leichterkennbar an 3 eine gerade Linie bildenden Ster-nen, deren mittelster, Atair, von 1. Größe ist,aber den meisten anderen Sternen 1. Größe anGlanz Nachsicht. Die übrigen sichtbaren Sternedieses Bildes sind von 3. u. geringerer Größe.Es hat nach Flamsteed mit dem Ncbenbilde An-tinous u. dem Sobieskischen Schilde 71 Sterne.'Die ganze Gegend des A. ist von dem breitenöstl. Bande der Milchstraße durchzogen.

Adler (Erlitz, Orlice), linker Nebenfluß derElbe in Böhmen, entspringt aus 2 Quellen: dieschwarze A. (wilde A.) entspringt auf den Sec-feldern, an der Grenze Böhmens u. der Graf-schaft Glatz, u. bildet eine Strecke die Grenzezwischen Böhmen u. Glatz; die stille A. entspringtam hohen Schnecbcrg in Mähren; sic vereinigensich oberhalb Tinischt n. münden bei Königgrätz.

Adler, 1) Jak. Georg Christian, geb. zuArnis 1756, studirte Theologie u. orientalischeSprachen u. ging dann nach Rom, wo er mitCardinal Stephan Borgia n. anderen Gelehrtenverkehrte u. besonders syrische biblische Hand-schriften, kiifische Münzen re. studirte. Nach sei-ner Rückkehr 1783 ward er Professor der syri-schen Sprache u. 1788 der Theologie in Kopen-hagen, 1792 Generalsuperintendent des Hcrzog-thums Schleswig, 1798 noch Oberconsistorialraihund Schloßprcdigcr zu Gottorp; st. 1834. Er-schrick: Lluscnuii Oiitionm UorAiaiimu, Rom 1782;Oolleetio nova imiuornm Outioornm, Kopenh.1792, 2. Ausl. 1795; gab Abulsedas Vmuilusmnslsin. heraus, Kopenh. 1789 bis 1794, 5 Bde.;stellte Untersuchungen über die verschiedenen altensyrischen Übersetzungen des Neuen Testamentsan in seiner Schrift H. lest, versiouss sz-riaeas,Limplox, Ulüloxouiamr et Ilisrosoh'initana, (lo-mio sxaminatas, Kopenh. 1789; auch verfaßteer die schleswig-holsteinische Agende, Schlesw.1797 u. ö., u. v. a. theologische Schriften. Z) A.,Kaspar, s. Vguila. 3) Christian, Porzellan-maler, geb. zu Triesdorf bei Ansbach 6. Mai1786, gest. zu München 1842. Erhielt seinenersten Unterricht bei Naumann in Ansbach, ar-beitete seit 1811 in der königl. Porzellanmanu-factur zu Nympheiiburg bei München n. ward1815 Obcrmaler u. Jnspcctor an derselben. Erzählte bald zu den ersten Porzellanmalern seinerZeit u. lieferte außer zahlreichen Copicn nachBildern in der alten Pinakothek, die der königl.Sammlung von Porzellangemälden in der neuen

4