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Adern — Adeructz.
Am zweckmäßigsten ist es dann, die Arterie so-fort bloßzulegcn und ober- und unterhalb derSchnittwunde zu unterbinden; denn bei dem Ver-such, die Blutung, die in diesem Falle leicht le-bensgefährlich werden kann, durch Compressionzu stillen, bildet sich leicht ein sogen, falschesAneurysma (Puvnrz'sma spurium), s. Aneurysma,ein in Zeiten, als der A. noch häufig gemachtwurde, in der Ellenbogenbeuge sehr häufig beo-bachtetes Leiden, das mit manchen Unannehm-lichkeiten, Hinderung der Bewegung des Armes,Schmerzen re., verbunden war, oder cs bildet sicheine Verbindung zwischen Arterie u. Vene (direct,oder durch Vermittelung einer dazwischen liegen-den blutgefülltcu Höhle, Pnenr^sma varioosumoder Vsrix ausurpsmatieus), so daß der Blut-strom beider Gefäße sich mischt. Hierdurch ent-stehen Störungen des Blutstromcs, die eine starkeAusdehnung der unterhalb gelegenen Venen u.eine Ernährungsstörung der dort liegenden Theilebedingen.
Schon in den frühesten Zeiten der Mcdicinmar der A. bekannt; er soll schon 500—,600(fahre v. Ehr. ausgeübt u. von mehreren Ärz-ten erfunden sein, ohne daß die betreffenden ingegenseitiger Beziehung standen. Zuerst stellteHippokrates ganz bestimmte Jndicationcn fürseine Anwendung auf. Der Mißbrauch der inspäteren Zeiten mit dein A. von den arabischenÄrzten und denen des Mittelalters getriebenwurde, machte ihn bald zu einem der populär-sten n. beim Volke beliebtesten Mittel gegen allemöglichen Krankheiten. Am schärfsten tritt die-ser Mißbrauch bei den sogen, vvrbaucnden oderPräservativ-Aderlässen hervor, denen man sichregelmäßig, meist im Herbste u. Frühjahre unter-zog, um sich vor Erkrankung zu schützen, undworum sich auch die Kalender bekümmerten, in-dem sie vor dem A. zu gewissen Zeiten n. Ta-gen warnten, an denen derselbe (nach dem Aber-glauben des Volkes) schädlich sein, ja, baldigenTod zur Folge haben sollte. In manchen Ge-genden herrscht leider dieser Aberglaube auchjetzt noch. Über die Nützlichkeit des A-cs sindoie Ansichten stets verschieden gewesen. Undwahrend in den ersten Dceennien unseres Jahr-ynnderts seine Ausübung noch sehr im Schwüngewar (z. B. die berühmten oder vielmehr die be-rüchtigten saiFness eonp Zur coup der Broussais-schen Schule), wird er neuerdings nur noch scl-ien angewandt. Und mit Recht; denn vorur-theilsfreie zahlreiche Versuche haben bewiesen,daß die meisten, )a fast alle Krankheiten, indenen der A. früher regelmäßig angewandtwurde, ohne A. viel rascher u. typischer verlau-sen, und daß besonders die Reconvalescenzzeitsolcher Krankheiten, wenn man den A. vermeidet,dadurch sehr abgekürzt wird. Hauptsächlich wirder jetzt noch angewandt bei solchen entzündlichenAffectivncn, die mit einer gefahrdrohenden Blut-überfüllung der Lungen cinhergehe, n. da auchnur bei kräftigen Personen; außerdem noch beiSchlagflnß, bei Wiederbelebungsversuchen beiErhängten u. Ertrunkenen re. Über die Mengedes bei einem A. zu entziehenden Blutes läßtsich nichts bestimmtes angeben; dieselbe ist ab-
hängig von Alter, Geschlecht oder Constitution,der Art der Krankheit n. vielen anderen Nebcn-umständen u. muß jedem einzelnen Falle angc-paßt werden. Daher ist es dringend anzura-then, den A. nur von einen, wissenschaftlich ge-bildeten Arzte oder nach seiner Anordnung ma-chen zu lassen. In den letzten Pahren ist derA. durch die Transfusion in gewisser Beziehungwieder zu Ehren gekommen (s. Transsusion).Ausführlich hat neuerdings I. Bauer (Geschichteder Aderlässe, München 1870) nnt dem Histori-schen des Aderlasscns sich beschäftigt.
A. bei Th irren. Die in der Therapie herr-schenden Theorien haben den A. bald für fastalle Krankheiten empfohlen, bald ganz verwor-fen; von Thierärztcn wird derselbe fast nurnoch bei gewissen abnormen Anhäufungen vonBlut in einzelnen Organen ausgeführt. Destomehr wird jedoch von Seiten unserer Landwirtheu. Sportsmcn mit dieserOperationgewirthschaftet;sie erblicken in ihr ein Prophylacticum gegen alleKrankheiten und fühlen sich unglücklich, wennsie nicht zu gewissen Zeiten das Blut ihrerLhiere strömen sehen. Bei den größeren Haus-thicrcn wird die Operation meist an der Jn-gnlar- oder Drosselvene vorgenommen, seltenerwählt man hierzu andere oberflächlich gelegeneVenen. Die Jugularvene ist so groß, daß siein kurzer Zeit eine erhebliche Blutmenge liefert,u. ist zu beiden Seiten des Halses in der Rinnezwischen Luftröhre u.HalS (Drosselrinne) gelagert.Beim A. sticht man die Wand der Vene möglichstparallel zu der Achsedes Gefäßes an. DieOperationkann mit der Lanzette, der Fliese, od. dem Schnäp-! per auSgeführt werden. Bei Dickhäutern schneidet'!man zum Ä. ein Stück vom Ohr oder vom' Schwänze. Man läßt bei Pferden 2—6 leg-, beiRindvieh 2— 8 IcA, bei kleinen Wiederkäuern undSchweinen 100—500 g, bei Hunden 50—250 g.Nach geschehener Blutentziehnng muß die Wundegeschlossen werden; zu dem Zwecke steckt man eineStecknadel durch beide Wnndränder hindurch,nimmt etliche Mähnenhaare und wickelt dieselbenkreis- oder 8förmig um die Nadel. Nach 24Stunden entfernt man diesen Verschluß.
Beim O b stb. heißt A. das Spalten der Rinde,vorzugsweise an vollsaftigen, kräftig wachsendenBäumen. Die Operation dient zur Beförderungdes Umfanges des Stammes, sowie als Vorbcug-ungs- od. Heilmittel mehrerer Krankheiten, z. B.des HarzflnsseS, der Unfruchtbarkeit. Mit einemMesser, am besten Oeulirmesser,wird in der ganzenLänge des Stammes ein senkrechter Schnitt bisauf den Splint gemacht, ohne diesen zu ver-hetzen. Das A. geschieht am besten im Frühjahrevor Eintritt der starken Hitze u. allenfalls auchim August u. Anfang September.
Adern (Ädern), 1) mit Adern oder buntenStreifen versehen, z. B. beim Lackiren, Anstrei-chen, Papierfärbenrc. (s.Marmoriren); 2) (Tischl.)so v. w. cinbeizcn, einlegcn; 3) (Sattl,) dieSättel mit plattgeschlagenen Pferdefußsehncnverzieren; 4) (Klempn.) zierliche Figuren insBlech schlagen re.; 5) (Bürstend.) den Stiel derBürsten u. Pinsel mit Bindfaden fest umwickeln.
Adernetz (Uets vaseulosum, Anat.), die