Abendmahl. 43
der Erneuerer der vernünftigen Lehre des Ratram-nus um 1030, hatte die ganze Richtung der Zeitgegen sich, u. selbst sein hoher Beschützer, PapstGregor VII., mußte ihn fallen lassen. PapstJnnocenz III. ließ durch das 4. Latcranconcil1215 als Glaubensartikel aussprechen: daßder Leib n. das Blut Christi im Sacrament desAltars unter den Species von Brod u. Weinwahrhaft enthalten sind, indem das Brod in denLeib, der Wein in das Blut durch göttliche Machttranssnbstantiirt(umgeschaffen) werden. So konntevon den Kirchenlehrern fortan nur noch überNebensachen, die Art, die Dauer der Verwand-lung n. dgl., gestritten werden. Um alle Gefahrder Entweihung zu beseitigen u. das Gehcimniß-volle der Handlung noch zu steigern, war im 12.Jahrh. die Theilnahme der Kinder verboten, derKelch, aus welchem mau den Wein, damit nichtsverschüttet würde, häufig durch eine Saugröhre(tmtula, euelmristiea.) genoß, da und dort denLaien ganz entzogen worden. Im 13.Jahrhundertwurde es Sitte, durch Papst Honorius III. Gebot1217, in den geweihten Elementen den gegen-wärtigen Christus durch Nicdcrsallcn zu verehren:endlich, 1264 u. 1311, wurde durch Einführungeines der Anbetung der Hostie geweihten Festes,des Fronleichnams festes, für die ganze Kirchedie Entfernung von der ursprünglichen Stiftungdes A-s vollendet. Das Sacrament, in wel-chem Christus von den Communicirenden geistlichgenossen wird, war längst auf die zweite Stufeherabgedrängt, das in der Messe durch denPriester mit od. ohne Gemeinde Gott dargebrachteOpfer zur Hauptsache geworden. Vom letzterenhandelt der Art. Messe; hier ist über das A.als Communion in der römischen Kirchenoch Folgendes anzufügen. In Nachahmung derersten Feier wurde das A. anfangs besondersabends, u. seit man es mit dem Morgcngottes-dienstc verband, wenigstens unter Anzündung vonKerzen auf dem Altar, die sich auch in cineni Theilder protestantischen Kirche erhalten hat, gefeiert.Als man seit dem 5. Jahrh. über Lauheit inder Feier zu klagen hatte, wurden die hohenFesttage, Ostern, Pfingsten u. Weihnachten, alsregelmäßige Communiontage festgesetzt. An diesenTagen war der Genuß des A-s da u. dort füralle Erwachsene Gebot. Aber das 4. Laleran-concil 1215 beschränkte, die Messe in den Vor-dergrund stellend, die Verpflichtung auf eine Be-theilignng im Jahre, vornehmlich in der Oster-zeit. Daneben befestigte sich mit der Ausbildungder Sacramentslehrc u. -Praxis die alte Sitte,den Sterbenden, ja oft den Gestorbenen die ge-weihten A-selemente als Wegzehrung (viationm)mitzugeben, in dem kirchlichen Gebote, beim Hcran-nahen des Todes noch das A. zu genießen. Nurein ordinirter Priester kann das Sacrament voll-ziehen. Bedingung des Genusses ist die voraus-gegangcne Beichte, Fasten wenigstens von Mitter-nacht an, reine Kleidung. Die Bestandtheile(Elemente) des A-s sind ungesäuertes Weizcn-brod, weil Christus das A. am Tag der unge-säuerten Brode einsetzte, u. Wein mit Wassergemischt, so wie ihn Christus der Sitte gemäßgenoß; das Brod in Form von Münzen, mir
Sinnbildern des Todes Christi versehen, Oblateod. Hostie (beides lat., sov. w. Opfer) genannt. Seitdem Ende des 11. Jahrh. fing man an, dasBrod in den Wein getaucht auszutheilen, wieman es längst den Kranken u. Kindern gereichthatte, aber die Curie verbot es. Im 12. Jahrh.erhoben sich Stimmen dafür, dem Laien nur dasBrod zu reichen, weil ja doch unter jeder Gestaltder ganze Christus empfangen werde, was seitThomas v. Aquino ooncomitautia hieß; oderman reichte ungeweihteu Wein, auch wol den soge-nannten Spülkelch, einen Rest des geweihten mitgewöhnlichem gemischt; bald war, abgesehen vondem längeren Widerstand in einigen Klöstern u.bei den Häretikern, die Kclchcntzichung allgemein.Die Feier der Communion, die Distribution(Austheilung) geht 'als letzter Haupttheil derMesse, welchem nur noch die Danksagung n. derSegen folgt, in der Weise vor sich, daß die nachder Beichte Absolvirten in einiger Entfernungvom Altar sich versammeln u. hier knieend vomPriester, der in der Hand den Kelch u. ans ihmdie Patene (v. lat. xatiiur), das Brodtcllcrchen,hält, das gebrochene Brod empfangen mit denWorten: eorpus äomini nostri Issu (lliristioustocliat auimam tn-rnr in vitain aeternanr(der wahrhaftige Leib unseres Herrn Jesu Christibewahre dich für das ewige Leben!), woraufJeder sich an seinen Platz zurückbegibt, der Prie-ster aber, an den Altar zurücktretend, den Weinallein trinkt: Als Gemeindcgcsang bei der A-s-feier ist seit Gregor d. Gr. besonders verbreitetdas ^gnu8 Del (O Lamm Gottes, unschuldig).Von den Wirkungen des A-s lehrt die Kirche: Tiegöttliche Seelenspcise bewirkt Kräftigung in dergöttlichen Gnade, Vergebung der läßlichen Sünden,Wappnnng gegen die Todsünden, Versicherung desewigen Lebens. Die griech.-morg enländischeKirche hat bei ihrer Trennung von der römischendas Meßopfer mit der Transsubstantiationslchrebcibehalten, gibt aber den Laien zum Brod, u.zwar gesäuerten, auch den Kelch, beides selbstden Kindern, und fordert keine Ohrenbeichte.Zahlreich sind hier dieWcchsclgesängebei der Feier,u. das Symbolische des A-s, die Abbildung desOpfertodes Christi wird bis ins Einzelnste durch-geführt. Nach der Consccration in der Messefeiern die Geistlichen, durch einen Vorhang vomVolke getrennt, unter sich die Communion. Dererste Geistliche bricht das Brod, schüttet warmesWasser (kaltes war schon vor der Consccrationcingcgossen) in den Wein, reicht zuerst sich n.dann auf ihre Bitte den Collegcn die zubercite-ten Elemente. Dann wird der Vorhang weg-gezogcn, u. die Diakonen tragen das in den Weingetauchte Brod zu der Gemeinde hinaus u. reichendie Bissen ohne eine Spendesormcl mit einemLössel zum Mund.
Die Kirchen u. Parteien der Reformationverwarfen einstimmig als Abgötterei das Meß-opfer mit der Verwandlung durch den Priesteru. die Anbetung des Sacraments, gingen aberin der Lehre vom A., weniger in der Feier, weitaus einander. Der Kirche des Mittelalters amnächsten blieb Luther. Er bestand darauf, daß„um sacramcntlicher Einigkeit willen das Brod sei.