Abel.
39
rath u. seit 1858 geheimer Legations- u. Vor-tragender Rath im Ministerium des Auswärtigen.Er st. 8. Aug. 1872. Seine universelle Bildungu. B eweg lichkeit hatte es ilun möglich gemacht,unter si?M> verschiedenen Äcinisterien u. Systemenimmer ohne Anstoß sein Fahrwasser zu behaupten.Er hatte den Ministerpräsidenten Manteuffcl imNovbr. 1880 nach Olmütz begleitet, u. 20 Jahredarauf arbeitete er in der Reichskanzlei zu Ver-sailles, wo der Sieg über das Jahr 1850 zumAbschluß kam. Als Vortragender Rath hatte erim Jahre 1870 zu Ems seinem König zur Seitegestanden u. wohnte in dessen Hauptquartier demFranzösischen Kriege bei. Er schrieb u. a.: Babylonu. Jerusalem, Borl. 1853. 5) Bernhard, NeffeBeruh. Rud. A-s, geb. 27. März 1826 in Brann-schweig, studirtc zu Heidelberg, Bonn u. Berlindie Rechte u. ward 1856 in seiner VaterstadtAdvocat. Er schrieb den fein humoristischenRoman Greifensee, Hann. 1862. Durch eineReihe freisinniger politischer Leitartikel nahm eran den politischen Bewegungen seiner Heimaththeil und ward daher 1874 zum Reichstagsab-gcordnctcn für den 2. braunschweigischen Wahl-kreis (Wolfenbüttcl-Helmstedt) gewählt. 6) Chri-stian Wilhelm Ludwig, Neffe von Beruh.Rud., geb. 1826 in Dresden, seit 1871 Justiz-minister in Sachsen.
Abel (hebr. Hebel), nach der Bibel zweiterSohn Adams, Hirt, ward von seinem älterenBruder Kain aus Neid darüber, daß Gott A-sOpfer günstiger ausnahm als das seine, erschlagen.Sein Name bedeutet nach der hebräischen An-schauung so viel als „Hauch", „Hinfälligkeit";ursprünglich aber u. gemäß dem Assyrischen besagteer lediglich „Sohn", wie Adam „Mensch". SeinGrab wird unweit Damascns gezeigt. Poetischward die biblische Sage von Geßner (Tod Abels)und von Byron behandelt. — Der Wettstreit derBrüder wird als eine Versinnbildlichung desjeni-gen zwischen den Hirten u. Ackerbauern u. derUnterwerfung elfterer durch letztere angesehen.
Abel, zweiter Sohn des dänischen Königs Wal-demar II., wurde bei der Landestheilnng 1232Herzog von Schleswig u. nach der durch ihn an-gestifteten Ermordung seines Bruders Erich IV.1250König von Dänemark; er wurde 1252, als er die un-abhängigen Eidcrfriesen mit Krieg überzog, ge-schlagen und auf der Flucht von einem Friesen,Wessel Hummer, getödtet; s. Dänemark.
Abel, 1) Karl Friedr., geb. 1725 zu Köthen,bildete sich in Leipzig (unter Joh. Seb. Bach) u.Dresden als Musiker, zog anfangs umher, kam1759 nach London, ward dort Kammermusicus derKönigin von England. 1782gab er in verschiedenenStädten Concerte, kehrte dann aber wieder überParis nach London zurück u. st. daselbst 1787.Er war Componist u. der größte Virtuos auder Viola di Gamba, welches Instrument mitihm zu Grabe gegangen ist. 2) Leopold Aug.A., Bruder des Vor., geb. 1720 zu Köthen, warerster Violinist an der herzoglichen Kapelle zuSchwerin, tüchtiger Conccrtmeistcr zu Sonders-hausen, später wieder in Schwerin, wo er inhohem Alter starb. Er componirte Mehrercs für^ein Instrument, Klavier, Flöte und Orchester.
3) Jakob Friedrich von, deutscher Schrift-steller, geb. 9. Mai 1751 zuVaihingen(Wü:ttemb.);wurde 1772 Professor der Philosophie an derKarlsakadcmie zu Stuttgart u. war einer derErsten, welche Schillers Genius erkannten. 1790als Professor der Logik u. Metaphysik an dieUniversität Tübingen berufen, wurde er 1811Ephorus des theologischen Seminars inSchönthal;zugleich Prälat n. Generalsuperintendent von Oh-ringen, mit 'welcher Würde die Mitgliedschaft derevangelischen Oberkirchcnbehörde des Landes u.der Abgeordnetenkammer verbunden war; 1823Prälat in Reutlingen mit dem Sitze in Stuttgart;er st. 7. Juli 1829 in Schorndorf. A. war alsPhilosoph Eklektiker ans Leibnitz-Wolfischer Unter-lage. Er schrieb zahlreiche philosophische Werke,namentlich über Psychologie, Metaphysik n. Moral.
4) Jos-, Historienmaler, geb. 1768 zu Aschachin Österreich, bildete sich in Wien unter Füger,von 1802 ab 6 Jahre in Rom, wo er niit seinenBildern: Antigone an der Leiche ihres Brudersknieend und Klopstocks Empfang im Elysium,Aufsehen erregte. Seit 1807 lebte er wieder inWien, wo er 1818 starb. Vorzüglichste Werke inder k. k. Akademie u. der Gemäldegallerie desBelvedere in Wien, ein heil. Ägidius mit 15lebensgroßen Figuren in der Kirche zu Gumpcn-dorf re. A. radirte auch mehrere historischeBlätter n. Bildnisse. Vgl. A. Andresen, Handb.für Knpferstichsammlcr. A. wandte sich mitVorliebe der Antike zu. Seinen Hanptruf hat erals Radirer. 5) Karl v„ bayerischer Minister,geb. 17. Sept. 1788 zu Wetzlar, wo sein Vater ander Rcchtsschule Professor war. Er studirte 1806 bis1809 auf dieser Schule n.zu Gießen. Nachdem er inbayerische Dienste getreten u. in seiner praktischenLansbahn seit1809 18Jahre hindurch(1HJahrMi-litärdienst ausgenommen) sich als tüchtiger Beamtererwiesen hatte, ward er 1827 Ministerialrath imMinisterium des Innern u. erhielt bald daraufniit dem Civil-Verdienstorden den Adel. Seinepolitische Laufbahn begann er als Rcgiernugs-commissär bei dem Landtage von 1831 , aufwelchem er (charakteristisch für seine spätere Rich-tung) sich für Preßfreiheit u.Aufhebung der Censuraussprach. Im Herbste des folgenden Jahresward er als Mitglied der Regentschaft nachGriechenland beordert und erwarb sich in dieserStellung Verdienste um die Organisation derVerwaltung des jungen Staates. Wegen seinerOpposition gegen den Präsidenten der Regent-schaft, Grafen Armanspcrg, 1834 zurückberufen,trat er in seine alte Stellung im Ministeriumdes Innern ein u. erwarb sich durch Anschluß andie ultramontane Partei die durch seine Oppo-sition verscherzte Gunst des Königs Ludwig I.Nach der Entlassung des Fürsten Öttingen-Waller-stein 1837 erhielt er als wirklicher Staatsrathdie provisorische Leitung des Ministeriums desInnern, 1838 oie definitive. In der Bekämpfungder liberalen n. constitutionellen Partei ließ ersich auf dem Landtage von 1840 von seiner Lei-denschaft zu ehrenrührigen Äußerungen gegenseinen Amtsvorgänger Fürsten Ötringen-Waller-stein fortreißen, was am 11. April 1840 zu einemohne Folgen bleibenden Duell mit demselben