Druckschrift 
Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

Abdunsten

dieses zu entreißen, rüstete er ein unermeßlichesHeer eins, st. aber, im Begriff, nach SpanienLbcrzusetzen, 1163, trotz aller der Kriege einblühendes Reich seinem Nachfolger Jussuf Abu-Jakub hinterlasfcnd. S. Spanien u. Marokko.

Abdunsten, so v. w. Abdampfen.

Abd-ur-Nahinan (arab., Diener des Barm-herzigen). I. Khalifen in Spanien aus demHanse der Omajjaden: 1) Abd-ur-RahmanI.,Ilm Moawiah, ein Enkel des Omajjaden-KhalifenHifcham, flüchtete sich vor den Abbassidcn nachWAfrika, setzte, unterstützt von den Gegnern derdamals in Spanien herrschenden Partei, über dieMeerenge von Gibraltar u. bemächtigte sich nachmehreren siegreichen Gefechten derHauptst.Cordova756, behauptete sich das. auch gegen die Coalition,an deren Spitze Karl d. Gr. stand u. gründete dasvom Osten unabhängige Khalifat von Cordova,das fast ganz Spanien umfaßte. Er st. 788.2)A. II.(al Modhaffar), 4. Khalif, 822—852,hatte mit ernsten Unruhen zu kämpfen, pflegteaber als ein milder, friedliebender Fürst dieKünste des Friedens, schonte auch die Anders-gläubigen n. zog durch seine Freigebigkeit diebedeutendsten Gelehrten, Dichter u. Künstler anseinen mit Bagdads Herrlichkeiten wetteiferndenHof. 3) A. III., 912—961, der 8. Khalif; ernahm wie die Khalifen im Osten den Titel EmirAlmuminin (Befehlshaber über die Gläubigen)an u. brachte das Omajjaden-Khalifat auf denhöchsten Punkt der Blüthe u. Macht. In wechsel-vollen langjährigen Kriegen kämpfte er mit denchristlichen Fürsten des Nordens. Unglücklichin mehreren Schlachten gegen Leon, hatte ermehr Erfolg gegen die Navarrescn, die er bisin die Pyrenäen zurückdrängte. Ein Beschützerder Kunst u. Wissenschaft, des Ackerbaues u. derIndustrie, schuf er die Bauten in Cordova,deren Ruinen noch heute Bewunderung errege».-4) A.H,Almortada s.Spanien. II.Sultan von'Marokko: 5) A., geb. 28. Novbr. 1778, EnkelSidi Mohammeds, folgte seinem Oheim Soliman,unter dem er als Verwalter der Hafenzölle sich einbedeutendes Vermögen erworben hatte, 1823 ansdem Thron. Die ersten Jahre seines Regimentsverwandte er darauf, die unabhängigen Gemein-wesen auf marokkanischem Staatsgebiete zur Ord-nung zu führen u. der Anarchie ein Ende zu machen;dann sröhnte er seiner Habgier namentlich durchSeeräuberei, die er unter den Barbaresken amlängsten betrieb u. die ihn auch mehrfach in Con--flicte verwickelte. Nach der Besitznahme Algiersdurch die Franzosen suchte er Oran seinem Reicheeinzuverleiben, aber vergebens, u. mußte dann,dem von Abd-el-Kader geschürten Fanatismusseiner Marokkaner nachgebend, gegen Frankreich'kämpfen; aber während der Prinz v. JoinvilleTanger u. Mogador beschoß, schlug MarschallBugeand am Jsly 14. Aug. 1844 das vereinigteHeer Abd-el-Kaders u. des Sultans, worauf unterEnglands Vermittelung der Friede zu Stande kam,welcher die Grenzen zwischen Frankreich u. Ma-rokko in bisheriger Weise bestätigte. Jndeß nn-rfähig, den Fanatismus der Marokkaner nieder--Zuhnltcn, ward er fort u. fort in neue Verwicke-lungen gebracht, namentlich auch in Folge der

— Abee.

llnthaten der Riffpiraten, während andererseitsAbd-el-Kader bis zu seiner Gefangennehmungdas marokkanische Reich u. dm Thron gefährdete.Auch aus dem eigenen Hanse trat ein Thron-usurpator auf, der erst nach ernsten Kämpfenbeseitigt werden konnte. A. st., eben noch inernster Verwickelung mit den Seemächten wegenGewaltthaten gegen die spanischen Besatzungenin Ceuta u. Melilla, im Aug. 1859; ihm folgtesein Sohn Sidi Mohammed. III. Feldherr:6) A., geb. in der 2. Hälfte des 7. Jahrh., ward722 unter dem Khalifen Jasid II. Statthalter inSpanien u. faßte als solcher den Entschluß,Frankreich für die Khalifen zu erobern; indeßnach Damascus zurückberufen, konnte er erst, alser zum zweiten Male 730 unter Khalif HcschamStatthalter in Spanien wurde, zur Ausführungdes Plans schreiten. Zuerst schlug er den Unter-Statthalter des Grenzgebietes gegen Frankreich,Othmann Ben-Abu-Neza, der mit Herzog Eudesvon Aquitanien einen Frcundschaftsvertrag ge-schlossen hatte und jetzt gegen A. aufrecht zu er-halten suchte, 731 bei Puycerda. Im Frühjahr732 schlug er den Herzog Eudes an der Dordogneu. drang mit seinen Schaaren bis Burgund u.Nizza vor. Inzwischen hatte sich Eudes mit KarlMartell u. demLongobardenLuitprand geeinigt, u.unerwartet trat Karl Martell an der Spitze desHeerbannes von Austrasien, Burgund u. Neustriendem A. zwischen Tours u. Poitiers entgegen u.schlug ihn 7. Oct. 732 aufs Haupt, — einer derfolgenreichsten Siege in der Geschichte, da er Europaund das Christenthum vor den Saracenen rettete.A. blieb auf dem Schlachtfelde. Vglciche Rei-naud, Uss invasions des 8arrasill8 eu Uranos,Paris 1836.

Abee, Konrad, der letzte kurhessische Justiz-minister, geb. in Wolfhagen (Regbez. Kassel derpreußischen Prov. Hessen-Nassau), 24. Juni 1806.Seit 1822 Amtsschreiber, brachte er es durch seineneisernen Fleiß zum Maturitätsexamen u. studirteseit 1830 in Marburg dieRechtswissenschaften. ImHerbst 1832 trat er wieder in den Staatsdienstund erhielt schon im Decbr. 1835 durch Hassen-pflug die Stelle eines Sccrctärs im Justizministe-rium. 1843 wurde er Obergerichtsrath, Vor-tragender Rath im Justizministerium und durchCabinetsordre vom 22. Decbr. dess. I. nochGeneralsecretar des Gesammtstaatsministeriums.Gewandtheit u. energisches Festhalten am abso-lutistisch-pietistischcn Princip führten ihn in dasCabinet des Kurfürsten-Mitregcnten FriedrichWilhelm als Vortragenden Geh. Cabinetsrath(1846, Novbr.), neben welcher Function er nochdas Amt eines Referenten für die sämmtlichenMinisterialdepartements hinsichtlich derLeitung derStaatsprocessebekleidete. DasJ. 1848 brachte seineVersetzung nach Rinteln als Obergerichtsrath mitsich, doch rief ihn in der Reactionszeit das neueMinisterium Hassenpflug — zu dessen Constitui-rung er den Äirfürsten namentlich bestimmt hatte

— (Juni 1850) nach Kassel zurück; vom Novbr.1850 an leitete er die Organisation des einen derverfassungswidrig auf zwei reducirten kurhessischenObergerichte (zu Fulda) als Director; 1853 imMai kehrte er als Präsident des Oberappella-