Aachen. ->
44" R. (Vcrgl. I. v. Licbig, Chcm. Untersuchungder Schwefelquellen A-s. A. u. Lpz. 1851.; B.M. Lersch, Einleitung in die Mineralqucllenlehre.Erlang. 1852 u. ff.; Seegen, Handb. der allg. n.speciellen Hcilquelleulehre. Wien 1862; I. B.Lersch, Hydro-Chemic. 2. Aufl., Bonn 1870). DieA-er Quellen werden zum Trinken u. Baden, zuDouchc-, Tropf- u. Dampfbädern benutzt n. em-pfohlen in verschiedenen Formen und Fällen vonchronischem Rheumatismus, Gicht, vorschreitcndcrMuskclatrophie, Lähmungen, chronischen Haut-krankheiten, atonischen Geschwüren, Blasenkatarrh,Circulationsstörungen im Unterleib, Skropbcl-krankheit, Mercurialkachexie und Syphilis. DieDämpfe der Quellen benutzt man zu Inhala-tionen bei chronischen Katarrhen. Die Quellenvon Burtscheid, deren Temperatur zwischen 47 u.59° R. schwankt, sind, nach der Analyse vonMonheim, ganz ähnlich den A-er Thermal-waffern zusammengesetzt, nur überwiegt in ihrenGasen der Stickstoff die Kohlensäure um mehrals das Doppelte. Man empfiehlt Burtscheid inähnlichen Fällen, wie A. Zur Ergänzung derKur dienen eine kalte Quelle u. eine Molkenkur-austalt. Vergl. I. P. I. Monheim, Die Heil-quellen von A., Burtscheid, Spaa, Malmedy u.Heilstem, in ihren historischen, geoguostischen,physischen, chemischen u. medicinischen Beziehun-gen, Aachen 1830; Schuster, Die A-er Thermen,Aachen 1872; A. Reumont, Über Winterkurcn inA., Neuwied 1867; Sträter, Die Heilwirkungender Schwefclthermcn von A., Aachen 1866; L.Wetzlar, lieber die Heilwirkungen der A-erSchwcfelthermen, ebd. 1862; A. Reumont, MrsNiueral Lprin^s ok Xix-1a-6kape11s null vor-ostts, London 1862: A. Reumont, Die A-erSchwefelthermen in syphilit. Krankheitsformen.2. Ausl., Erlangen 1859 u. Die A-er Schwescl-thermcn in complicirter Syphilis, Jena 1858.In A-s Umgebung: die Frankenburg, neu er-baut, angeblich Lieblingsaufenthalt Karls d. Gr.u. seiner Gemahlin Fastrade; der 250 m hoheLouis- oder Lousberg mit einem Belvedere n.der Salvatorbcrg mit uralter Wallfahrtskapclle.
Aachen ward von den Römern im 3. Jahrh.n. Ehr. um der Bäder willen angelegt u. be-sucht und hieß XquisAranum (Xquas (Iranias,angeblich nach dem Apollo Granus, oderdivitas Xqusnsis). Erst die aus der benach-barten mittleren Maasgegcnd stammenden Karo»linger erhoben dasselbe zu seiner späteren Be-deutung. Chlodwig soll einen Reichstag hier ge-halten haben; Thcodcrich wählte A. 540 znrResidenz; Karl d. Gr. wurde angeblich hier 742geboren; jedenfalls begründete er die nachhcrigeGröße u. 'Blüthe der Stadt. Er baute mehrereBäder, die Kaiserpfalz ü. die Kapelle, worausnachher das Münster entstand und weshalb A.den franz. Namen Xix-Ia-dlmnsUs erhielt; vonhier aus erließ er seit 788 die meisten seinerCapitularien (d-qütularia rs§Um viauoorum.Ltepll. valumus.. sä. Var. 1677 toi.). Er er-nannte hier 813 vor den versammelten Vasallendes Reiches seinen Sohn Ludwig zum Nachfolger,der sich darauf am Altar selbst die Krone auf-setzte. Karl d. Gr. st. hier 814 u. ward sitzend
im kaiserlichen Ornat bcigesetzt. Das Grab istwiederholt geöffnet worden, so im I. 1000 vonOtto III., 1165 von Friedrich Barbarossa, derdie Gebeine in einen antiken Sarkophag legenließ; seit 1215 waren sie in dem silbernen ver-goldeten Karlsschrein auf dem Choraltar zur Ver-ehrung ausgestellt, seit Ende des vorigen Jahrh.mit den 4 großen Heiligthüinern in dem sogenann-ten Marienschrein der Sakristei verwahrt. 1861wurde derselbe wieder geöffnet. In A. wurdenelf Kircheuversammlungen: 789, 799, 802, 809,817, 819, 836, 841, 860, 862 u. 917, abge-halten. 881 ward A. von den Normannen ge-plündert und niedergcbrauut, bald jedoch wiederaufgebaut. A. war von früher Zeit an Reich?-,u. von 813 bis 1531 Krönungsstadt von 37 deut-schen Kaisern (zuerst Ludwig der Fromme, zu-letzt Ferdinand I.). Von 953—1380 wurden hier17 Reichstage gehalten. Durch Kaiser Friedrich I.erhielt die Stadt 1166 das Recht, jährl. 2 Messenzu veranstalten. Im Mittelalter zählte A. gegen100,000 Ew., u. A-s Bürger waren durch dasganze Reich zoll- u. dienstfrei, A. selbst ein Asyl-ort gegen die Rcichsacht. 1450 fand ein Auf-stand gegen den Magistrat statt, wodurch dieErblichkeit desselben aufgehoben u. eine Zunft-verfassung cingeführt wurde. Im 16. u. 17.Jahrhundert kam A. sehr herab, besonders durchdie Verlegung der Kaiscrkröuung nach Frankfurt,durch die Acht, welcher die lutherischen Rathsmit-glieder. (die seit 1574 im Rathc saßen u. um de-rentwillen 1581 ein Aufstand ansbrach) 1598 durchRudolf II. verfielen u. die von dem Kurfürstenvon Köln vollzogen wurde, dann durch die Ver-treibung der Protestanten 1614 von Seiten desspan. Generals Spinola, endlich auch durch einegroße Feucrsbrunst 1656, welche 4000 Häuseru. das Münster cinäschcrte. In A. fanden zweiFriedensschlüsse (Frieden von A.) statt. In demersten, am 2. Mai 1668, fügte sich Ludwig XIV.von Frankreich den Forderungen der sogenanntenTripelallianz'(zwischen England, den Niederlan-den u. Schweden), den Krieg gegen die span. Nieder-lande cinzustellen u. sich dafür von Spanien ent-weder die Franche-Comts oder den bereits er-oberten Theil der Niederlande abtretcu zu lassen.Die letztere Abtretung fand statt. Durch denzweiten Frieden von A, den 18. Oct. 1748, zwi-schen Oesterreich, England, Holland u. Sardinieneinerseits und Frankreich, Spanien, Modena u.Genua andererseits wurde der seit 8 Jahren geführteöstcrr. Erbfolgekrieg beendigt. (Vgl. G. C. I.Reencn, Vs dsllo quoll llo, suesossious XustriasWestum est, xaos Xoquis Orau. eomposito,Amst. 1840). Österreich trat Parma :c. anden spanischen Prinzen Philipp ab, erhielt seinevon den Franzosen eroberten Niederlande zurück,und die übrigen Mächte behielten ihre Besitzer-Werbungen während des Krieges. 1786 brachenUnruhen gegen die Protestanten u. Freimaureraus, welche bes. durch Preußen unterdrückt wurden.1793 besetzten A. die Franzosen, die zwar baldwieder abzogen, aber 1794 wieder erschienen;1798 u. 1802 ward A. durch die Frieden vonCampo Formio und Luncville der franz. Repu-blik zugefügt u. Hptstadt des Dep. Roer. (Vgl. H