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Die Mosel-Lieder
Entstehung
Seite
88
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»Ihr zeiget Euch unbeugsam in Eurem starren Trutz,

Verschmäht den Rath der Freundin, pocht auf der Freunde Schutz;Laßt sic denn kommen und stürmen, bcrennen die Felsenwand,Gebt acht, Ihr greift am Ende zur Sühne meine Hand!"

Das dauerte wen'ge Tage, da zogs von Ost und West,

Von Nord und Süd zusammen um das stolze Felscnnest:

Den Kurfürst gilt es erretten, viel Fürsten, Grafen, Herrn,

Sogar die Abgesandten vom Kaiserhofe fern.

Nun kletterten die Herolde den Felscnsteig hinan,

Gedachten mit guten Worten zu lösen den ganzen Spann,

Und kletterten berguuter, dann Führer auf zum Stein,

Viel wohlgerüstete Schaaren kampffertig hintendrein.

Was rennt ihr edle Ritter wie Ochsen gen den Berg?

Zerstoßet eure Stirnen und zappelt Überzwerg,

Troßbubcn auf den Zinnen mit Würfen heißen euch gehn,

Ein Mann dort oben fället der Unteren wohl zehn.

Doch rannten sie und trotzten, bis sie es endlich satt,

Sich hin zum Lager schleppten, von Kampf und Wunden matt.Hoch oben auf den Zinnen erscholl ein TrompetenstoßUnd von dem Wäll ein weißes Gewand im Winde floß.

Die Gräfin, von der Mauer sprach sie ein ernstes Wort:

Ihr Grafen und ihr Fürsten, ihr edlen Herren dort,

Was holet ihr euch Wunden und Beulen am Felsensturz,Verkümmert euer Leben, das ohnehin so kurz?