85
Jetzt schwinden alle Kähne im Uferweidicht schon,
Wo die Starkenburger Lhürme hinab in die Wellen dröhn;Geleit euch Gott, Verlassne, erzählt in Koblenz bald,
Wie man den Herrn euch raubte, und rüstet Streitergcwalt.
In der Starkenburger Halle steht nun der Kurfürst stumm,Die kühnen Streiterschaaren bewehrt nur ihn herum;
Ans einen Wink des Ritters entfernt sich jedermann,
Der Fürst, der junge Kampe schauen sich fragend an.
Der Ritter greift znm Helme, löst jede Schiene leicht,
Hinab dann zu dem Tische der Federbnsch sich neigt;Hinwallcn braune Locken nieder in leichter Fluth,
Zum Fürsten schaut ein Antlitz so hold wie Milch und Blut.
Nicht blicken Strciteraugen auf ihn, vom Kampfe wild,
Dom Raube; dunkle Sterne voll Klarheit, cngelmild;
Nicht dröhn die Stirnefalten ihm grimmer Rache Wuth,
Sanft ist der Braue Wölbung, ob der der Frieden ruht.
Als wie ans Heilgen Bildern des Doms ein EngeleinHoch über dem bösen Feinde in blitzendem Waffenschein,
Sicht cs nun vor dem Fürsten; doch drohet nicht der Mund,Nein, lächelt, als wollt er beschwören dauernden Friedensbund.
lltun öffnen sich die Lippen, mild wie der Flöte HauchAm Sommerabend tönet durch den Ufcrwcidcnstrauch,
Ertönen zarte Worte nach kurzer Schwcigcfrist.
Der Fürst erkennt vor Staunen nicht, wo er war und ist!