Druckschrift 
Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
517
Einzelbild herunterladen
 

517

Hütte — Hüttenmännische Gewinnung des Eisens.

Hütte, 1) so V. w. Hüttenwerk. 2) (Seew.)Mf den größeren Schiffen der alten Segelflotteder oberste Ausbau des Hinterschiffes, vom Besan-mast bis zum Heck gehend, doch zuweilen auch vordiesen hinaus reichend, mit einem besonderen Deck(der Kampanje) überdeckt, auf dem sich ehemalsnoch leichte Geschütze, später auch wol statt der-selben noch eine kleine Oben-H. befanden. Beiden Schiffen der Jetztzeit wird der Name H. ver-schieden gebraucht, am richtigsten wol für dasKajütshaus auf dem Hinterdeck, wenn dieses zwi-schen seinen Längswänden und dem Schiffsschanz-kleid noch einen Gang freiläßt. Geht dieses Hausvon Bord zu Bord u. geht die Schiffswand biszu seinem Deck hinauf, es noch oben mit einemleichten Geländer umgebend, so wird für diesenRaum ähnlich wie bei den anderen Decks derName des über ihm befindlichen Deckes maßge-bend, er also selberKampanje heißen müssen, wiedies auch in der deutschen Kriegsmarine allgemeinüblich. Eine dritte, namentlich bei eisernen Han-delsdampfern viel gebräuchliche Form für den Ab-schluß des Hinterschiffes, wenn dieses Kajütsein-richtungen auf Deck hat, bildet das Poop (a. d.Engl.), wo der Raum zwischen der H. und demSchanzkleid durch bogenförmige, in das H-ndeckübergehende Bedachung nach den Seiten u. nachhinten zu gegen das Überwaschen von Wellengeschützt ist. Fest.

Hutten, 1) Ulrich von, Vorkämpfer der Re-formation, aus einem alten fränkischen Adelsge-schlecht, geb. 21. April 1488 aus dem SchlosseSteckelberg in Kurhessen. Seine Eltern übergabenihn 1499 dem Stift Fulda zur Erziehung undbestimmten ihn zum Mönch. H. verließ aber dasKloster gegen den Willen der Seinigen, u. studirtezu Köln, dann zu Erfurt die alten Sprachen ander Hand der Humanisten Rhagius u. MaternusPistoris. In Erfurt wirkte von Gotha her bes.auch Mutianus Rufus auf ihn ein. Mit seinemLehrer Rhagius bezog H. darauf 1506 die Uni-versität Frankfurt a. d. O., 1507 die zu Leipzig.Von 1509 an führte er ein abenteuerndes Wan-derleben, auf welchem er von Gönnern des Hu-manismus sich unterstützen ließ, solche aber, die,wie der Bürgermeister Lötz in Greifswald, sichkarg zeigten, durch Satiren bestrafte. Als er1512 in Pavia, wo er die Rechte studirte, aberauch Humaniora u. besonders Poesie trieb, beiEroberung dieser Stadt von den päpstlichenSchweizern ausgeplündert wurde, ging er unterdie Landsknechte. 1517 wieder nach Deutschlandzurückgekehrt, erlangte er endlich die Aussöhnungmit seinem Vater durch die 5 Reden gegen HerzogUlrich von Württemberg, der seinen VerwandtenHans von Hutten aus Eifersucht meuchlerisch er-mordet hatte. Auch am Streit gegen die KölnerInquisition zu Gunsten Reuchlins betheiligte sichH. in seiner Schrift: iLrinmpIms Vaxnionis, sowie durch Abfassung eines 2. Theils zu denLpistolao odsonrornin virornm. 1517 von KaiserMaximilian zum Dichter gekrönt, trat H. in dieDienste des ErzbischofesAlbrecht von Mainz, mußteaber 1520 eine Zuflucht bei Sickingen auf derEbernburg suchen, da Papst Leo X. vom Erzbi-schof Albrecht seine strenge Bestrafung für die

Schriften verlangte, die er indessen zu Gunstender Reformation geschrieben hatte (Vs äonabionsOonsvantini, ^.ck prinaipss Vsrmauioos. Va-ckiseus od. die römische Dreifaltigkeit rc.). Bon derEbernburg aus trat er noch gewaltig für Lutherund die Reformation ein m seinen deutschenSchriften: Klag und vormanung gegen den über-mässigen Gewalt des Bapsts. Neue Gespräche.Als Sickingens Unternehmen, an welchem er eifri-gen Antheil nahm, scheiterte, begab sich H. in dieSchweiz, ward zwar von Erasmus abgewiesen,doch von Zwingli freundlich ausgenommen u.gepflegt, starb aber bald auf der Insel Ufnau imZüricher See 29. Aug. 1523. Werke, herausgeg.von Münch, Berl. 1821—23, 6 Bde., u. vonEd. Böcking, Lpz. 1859—62, 7 Bde. Ein Ver-zeichniß der Schriften H-s von Böcking, IncksxbiblioArapIiieLs vnvtsnianns, Leipzig 1853;vergl. Panzer, Ulrich von H., in literarischerHinsicht, Nürnb. 1798; K. Hagen, Ulrich von H.,in politischer Beziehung, in dessen Schrift: Zurpolitischen Geschichte Deutschlands, Stuttg. 1824;die Biographien H-s von Mohnicke, Wagenseil,v. Brunnow, Bllrck sind überholt durch DavidFriedrich Strauß, Ulrich v. H., Lpz. 1857, 2Bde., 2. Aufl., Bonn 1871. Vgl. auch GöhringU. v. H., Lpz. 1862 ; Gespräche übersetzt underläutert von Strauß, Lpz. 1860; Gespr. u.Briefe, deutsch v. Stäckel, Berlin 1871. 2) Phi-lipp v. H., geb. um 1510; vorher Edelknabedes Kaisers Karl V., ging mit den Schiffen, welcheVenezuela für Welser in Besitz nehmen sollten,nach Amerika; 1535—38 machte er dort Reisen u.wurde Statthalter von S. Domingo. Nach kurzemAufenthalt in Europa 1541 reiste er mit demjüngeren Welser wieder nach Amerika, wurde aberdort 1545 mit seinen Begleitern von dem inseiner Abwesenheit an seine Stelle als Statthaltereingesetzten u. ihm nachreisenden Juan de Cara-vajal ermordet. Löffler.

Hüttenheim, Kirchdorf im Kreise Erstem desRegbez. Unter-Elsaß (Elsaß-Lothringen), an derJll; Kirche mit schönem Thurm, Baumwollenspin-nerei u. Weberei, Tabaksbau, 1875: 2324 Einw.

Hüttenkatze (6o1ioa satnrnina), ein ner-vöses Leiden, welches gewöhnlich Arbeiter inHüttenwerken, wo sie Bleidämpfe einschlncken u.einathmen, befällt; sie zeichnet sich besonders durchkrampshaft znsammenschnürenden Schmerz in derNabclgegend u. hartnäckige Verstopfung ans u.ist nicht selten noch mit anderen Zeichen derBleivergiftung verbunden. In der Regel gelingtes, wenn die H. zum ersten Male auftritt, durchmehrmalige Opiumgaben den krampfhaften Zu-stand der Gedärme, durch den die Fortbewegungdes Darminhalts gehindert wird, Stuhlgang u.damit Beseitigung des Leidens herbeizuführen.Bei öfterer Wiederkehr ist die Krankheit aber ge-fährlich u. kann unter schnellem Kräfteverfall zumTode führen. Die Verhütung der Wiederkehr desLeidens ist allein durch Anfgeben der gesund-heitsschädlichen Beschäftigung zu erreichen. Kunze.

Hüttenkunde, s. u. Hüttenwerke n. Eisen-hüttenkunde.

Hüttenmännische Grwinnungdes Ersens,

so v. w. Gewinnung bes Eisens, s. n. Eisen S. 1 l 2 .